Die finanzielle Landschaft des Profiradsports entwickelt sich weiter, wobei die Spitzengehälter in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind. Die italienische Zeitung Gazzetta dello Sport hat das genauer unter die Lupe genommen und im Januar 2026 ein Gehaltsranking aufgestellt. Dabei bezieht sich das Blatt auf die offiziellen Zahlen der UCI, zu denen Journalisten der Gazzetta einen exklusiven Einblick gehabt hätten. Cyclingnews.com habe die Zahlen laut eigener Aussage überprüfen können.
Insgesamt sei das durchschnittliche WorldTour-Teambudget der Männer von 31,1 Millionen auf 33,1 Millionen Euro innerhalb eines Jahres gestiegen. 2023 lag das Budget im Schnitt wohl noch bei 26,2 Millionen Euro. Der Durchschnitt wird jedoch von wenigen sehr erfolgreichen Teams, wie Team UAE Emirates - XRG, Red Bull - BORA - hansgrohe und Ineos Grenadiers, verzerrt. Diese Teams hätten ein Budget um die 50 Millionen Euro und können ihre Fahrer logischerweise besser bezahlen. Laut einer Schätzung von Cyclingnews.com soll Team UAE Emirates - XRG alleine für Gehälter etwa 30 Millionen Euro ausgeben. An der Spitze der Verdienstliste steht demnach wenig überraschend weiterhin Tadej Pogačar mit einem jährlichen Basisgehalt von 8 Millionen Euro. Dieses könne durch unterschiedliche Boni auf über 10 Millionen Euro steigen.
Zum Vergleich: Das Durchschnittsgehalt eines selbstständigen WorldTour-Fahrers liegt bei 654.000 Euro. Dieser Wert wird jedoch stark durch die hohen Gehälter der Top-Verdiener beeinflusst. Mit Blick auf den Median, also den Wert, der die Gehälter in die oberen und unteren 50 Prozent einteilt, wird das ziemlich deutlich. Der Median der Gehaltsliste von selbstständigen Fahrern liegt lediglich bei 350.000 Euro. Das bedeutet, dass 50 Prozent der selbstständigen Fahrer 350.000 Euro oder weniger verdienen und 50 Prozent 350.000 Euro oder mehr. Dieser Wert lässt jedoch die Frage offen, wie “wenig” die unteren 50 Prozent der selbstständigen WorldTour-Fahrer tatsächlich verdienen. Das Mindestgehalt für Fahrer dieses Beschäftigungsverhältnisses soll laut Domestique Cycling bei 72.404 Euro liegen. Deutlich weniger verdienen festangestellte Fahrer: Das Mindestgehalt soll bei circa 44.150 Euro liegen, der Median beträgt 216.000 Euro.
Die Gehaltslücke zwischen männlichen und weiblichen Radsportprofis bleibt bestehen und zeigt sich bereits bei den Mindestgehältern: Bei angestellten Fahrerinnen beträgt das Mindestgehalt 38.000 Euro. Das Mindestgehalt für selbstständige Fahrerinnen liegt bei 62.320 Euro. Dennoch gibt es Anzeichen für Verbesserungen im Frauenradsport. Einige Spitzenfahrerinnen nähern sich der Millionengrenze an, was auf eine positive Entwicklung hindeutet. Demi Vollering, eine der erfolgreichsten Fahrerinnen der letzten Saison, soll bei ihrem Wechsel von Team SD Worx - Protime zu FDJ-Suez 2025 ein Gehalt von knapp unter einer Million Euro ausgehandelt haben. Ihre ehemalige Teamkollegin Lotte Kopecky und Elisa Longo Borghini von UAE Team ADQ verdienten in der vergangenen Saison Schätzungen zufolge um die 900.000 Euro jährlich. Diese Entwicklung zeigt, dass der Frauenradsport zwar Fortschritte in Bezug auf die Vergütung macht, aber immer noch deutlich hinter den Männern zurückliegt. Expertinnen und Experten sehen jedoch eine positive Tendenz und erwarten, dass die Gehälter im Frauenradsport in den kommenden Jahren weiter steigen werden.
Neben Pogačar gehören zu den bestbezahlten Fahrern des Pelotons Remco Evenepoel von Red Bull - BORA - hansgrohe mit einem Jahresgehalt von etwa 6,6 Millionen Euro und Jonas Vingegaard (Visma | Lease a Bike), der ca. 5 Millionen Euro verdient. Mathieu van der Poel (Alpecin - Premier Tech), Wout van Aert (Visma | Lease a Bike) und Primož Roglič (Red Bull - BORA - hansgrohe) folgen mit jeweils 4 Millionen Euro. Anschließend belegen Tom Pidcock (Q36.5 Pro Cycling Team) und Adam Yates (UAE Team Emirates - XRG) mit circa 2,7 Millionen Euro die Plätze sieben und acht. Abschließend komplettieren die Fahrer Egan Bernal von INEOS Grenadiers und Carlos Rodríguez von Netcompany INEOS mit je 2,5 Millionen Euro die Top-10.

Werkstudent