Wer von Spanien nach Frankreich möchte, kommt an den Pyrenäen nicht vorbei. Entsprechend früh führte die diesjährige Tour de France nach dem Start in Barcelona ins Hochgebirge. Bereits auf der 3. Etappe standen rund 4000 Höhenmeter an, mit dem Ziel an der Bergankunft im Wintersportort Les Angles (3. Kategorie). Für den ganz großen Schlagabtausch der Klassementfahrer taugte das Profil allerdings noch nicht.
Am Ende entschied nach 195,5 Kilometern Tadej Pogacar (UAE Team Emirates – XRG) die Etappe mit einem Antritt auf den letzten 150 Metern. Zunächst probierte Jonas Vingegaard (Visma | Lease a Bike), am Hinterrad zu bleiben, musste aber schnell abreißen lassen. Der Däne erreichte das Ziel mit zwei Sekunden an Rückstand, Richard Carapaz (EF Education-EasyPost) und Paul Seixas (Decathlon AG2R La Mondiale) folgten zeitgleich auf Rang drei und vier. Florian Lipowitz (Red Bull - BORA - hansgrohe) kam mit vier Sekunden Rückstand auf Rang sieben, Remco Evenepoel folgte zeitgleich mit seinem Teamkollegen auf Position acht.
Am Vortag hatte Pogacar noch seinem Teamkollegen Isaac del Toro den Etappensieg überlassen, nun schlug er selbst zu. “Der Sieg ist wegen ihm: Isaac hat mir heute Extra-Power gegeben im Finale. Er hat sich im Schlussanstieg mehr als zu 100 Prozent eingesetzt“, sagte Pogacar im Siegerinterview. Dabei sei der Etappensieg zunächst gar nicht das Ziel gewesen. “Wir haben zur Rennmitte entschieden, dass wir auf Sieg zu fahren und ich bin wirklich happy, dass wir die Tour so beginnen konnten. Es war ein unglaubliches Finish heute", so Pogacar weiter.
Dank der Zeitgutschrift im Ziel übernahm Pogacar zusätzlich das Gelbe Trikot von Vingegaard. Beide sind zwar zeitgleich, aufgrund der besseren Etappenplatzierungen liegt Pogacar nun allerdings vorne. Auf Rang drei folgt Evenepoel mit 23 Sekunden.
Unterwegs auf der Etappe wartete unter anderem der erste Anstieg der 1. Kategorie bei dieser Tour, der Col de Toses. Die Schlusssteigung nach Les Angles war jedoch mit 1,7 Kilometern bei einer durchschnittlich Steigung von 6,5 Prozent moderat. Aus der Fluchtgruppe sammelte auf der Etappe insbesondere Alex Baudin (EF Education-EasyPost) einige Bergpunkte und übernahm mit zwölf Zählern die Führung der Bergwertung. In der Punktewertung führt Pogacar mit 55 Punkten. In der Nachwuchswertung lieg del Toro vorne.
Der Start der Etappe verlief turbulent. Mit Beginn des Teilstücks in Granollers versuchten etliche Fahrer, sich in die Fluchtgruppe des Tages abzusetzen. Ein Vorstoß umfasste unter anderem Richard Carapaz (EF Education-EasyPost), ein weiterer Valentin Paret-Peintre (Soudal Quick-Step) und Javier Romo (Movistar), wobei sich Paret-Peintre nach acht Kilometern die beiden Bergpunkte an der Côte de Sant Feliu de Codines (3. Kategorie) sicherte.
Im Anschluss setzte sich kurzzeitig eine prominent besetzte Gruppe um Egan Bernal (Ineos Grenadiers), Matteo Jorgenson (Visma-Lease a Bike) und Mathieu van der Poel (Alpecin-Deceuninck) ab, die aber ebenso schnell wieder eingeholt wurde. Das Tempo in der ersten Stunde betrug bei konstant leicht ansteigendem Terrain 45,7 km/h.
Zwischendurch kamen noch einige Fahrer bei einem Sturz zu Fall, darunter Thymen Arensman und Tobias Foss (beide Ineos Grenadiers) sowie Matthew Riccitello (Decathlon AG2R La Mondiale). Etliche Fahrer wurden abgehängt, darunter etwa die Sprinter Biniam Girmay (NSN) und Jasper Philipsen (Alpecin-Premier Tech). Noch früher verlor der angeschlagene Arnaud De Lie (Lotto) den Anschluss ans Renngeschehen und musste bereits an der Côte de Sant Feliu de Codines das Feld ziehen lassen. Für ihn begann damit der Kampf gegen die Karenzzeit. Am Ende gab er das Rennen auf.
Nach 36 Kilometern bildete sich eine weitere Gruppe um Georg Zimmermann (NSN), Alex Baudin (EF Education-EasyPost), Harold Tejada (XDS Astana) und Jonas Abrahamsen (Uno-X Mobility), die aber ebenfalls nicht fahren gelassen wurde.
Nach fast 60 Kilometern setzte sich ein Quartett um Louis Vervaeke (Soudal Quick-Step), Magnus Cort (Uno-X Mobility), Nelson Oliveira (Movistar) und Matteo Vercher (TotalEnergies) ab, das in der Folge auf 19 Fahrer anwuchs. Dazu gehörten unter anderem Mauro Schmid und Luke Plapp (beide Jayco AlUla), George Bennett (NSN), Alex Aranburu (Cofidis), Nicolas Prodhomme (Decathlon AG2R La Mondiale), Joris Delbove (TotalEnergies), Vlad Van Mechelen (Bahrain Victorious), Abel Balderstone (Caja Rural-Seguros RGA), Michael Storer (Tudor), Raúl García Pierna (Movistar), Clément Braz Afonso (Groupama-FDJ), Bernal, Baudin, Tejada und Mads Pedersen (Lidl-Trek), der noch zur Spitze aufschloss. Das Feld gab sich zufrieden und ließ die Gruppe zügig auf zwei Minuten davonziehen. Der Maximalvorsprung betrug etwas mehr als drei Minuten.
Den Zwischensprint 97 Kilometer vor dem Ziel entschied Pedersen in Campdevànol für sich. Am kurzen, aber steilen Col de Toses (1. Kategorie) zerfiel die Spitzengruppe. García setzte sich als erster Fahrer ab und bekam im Anstieg Begleitung von Van Mechelen, Vercher, Bennett, Baudin und Prodhomme. Die restlichen Fahrer wurden nach und nach vom Feld eingeholt. Die zehn Bergpunkte am Gipfel des Col de Toses sicherte sich Baudin. Im Anschluss verblieben noch 66 Kilometer bis ins Ziel, der Vorsprung der sechs Ausreißer betrug 1:35 Minuten.
Am Col du Calvaire (3. Kategorie) attackierte Baudin dann 34 Kilometer vor dem Ziel aus der Spitzengruppe, bekam jedoch schon bald Begleitung von Prodhomme. Der Rest der Gruppe war schnell um 30 Sekunden distanziert. Mit der Abnahme der Bergwertung löste sich Baudin erneut von Prodhomme und ging die letzten 24 Kilometer als Solist an. Doch auf der folgenden Abfahrt und Gegensteigung schmolz Baudins Vorsprung rapide. Zehn Kilometer vor dem Ziel wurde er eingeholt.
In der Anfahrt zum Les Angles (3. Kategorie) forcierten Visma | Lease a Bike und UAE Team Emirates – XRG das Tempo und führten das dezimierte Feld in den Anstieg. Isaac del Toro übernahm am letzten Kilometer und bereitete seinem Teamkollegen schließlich den Schlussspurt vor.
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