Sebastian Lindner
· 26.11.2023
Ein Schatten schwebt über der Saison von Magnus Sheffield. Aus rein sportlicher Sicht konnte das Talent von Ineos Grenadiers zwar keine Siege feiern wie in seinem Premierenjahr. Doch der 21-Jährige lieferte zahlreiche Top-Platzierungen ab und war vor allem im Zeitfahren immer ein Aspirant auf einen Spitzenplatz.
Doch dann war da auch die 5. Etappe der Tour de Suisse. In der Abfahrt vom Albula Pass stürzte der junge US-Amerikaner - genau an der gleichen Stelle wie kurz darauf Gino Mäder. Während Sheffield mit einer Gehirnerschütterung und Prellungen davon kam und kurze Zeit später aus einer Klinik entlassen werden konnte, kostete der tragische Unfall Mäder das Leben.
Besonders bitter dürfte es für Sheffield dabei gewesen sein, dass auch er - wie die Rennleitung - ins Visier der ermittelnden Staatsanwaltschaft gekommen war. Letztlich wurde Sheffield ebenso von jeglichem Verschulden freigesprochen wie die Organisatoren, doch sein Name wird, allein schon durch den Sturz, auf lange Zeit mit dem Tod Mäders verbunden bleiben.
Anfang September und damit rund zweieinhalb Monate nach der Tour de Suisse kehrte Sheffield ins Renngeschehen zurück. Belastet schien er da nicht mehr von den Geschehnissen am Albula Pass. Gleich im ersten Rennen, der Tour of Britain, präsentierte sich Sheffield bei den mittelschweren Etappen immer unter den besten Fahrern und landete so auf Rang 4 der Gesamtwertung, was gleichbedeutend mit dem Weißen Trikot des besten Jungprofis war.
Gleiches Bild zwei Wochen später beim CRO Race. Wieder ist Sheffield ganz vorne dabei, wenn es wellig wird. Bei der kleinen Bergankunft auf der 4. Etappe ist lediglich Matej Mohoric im Sprint einer Ausreißergruppe etwas schneller als der US-Amerikaner. In Summe steht für ihn wieder Platz 4 und das Label des besten Nachwuchsfahrers zu Buche.
Vor der Tour de Suisse ist Magnus Sheffield vor allem im Zeitfahren aufgefallen. Während er auf seiner Klassiker-Kampagne von Mitte März bis Ende April unter anderem alle Monumente absolvierte und vor allem Helferdienste leistete - im Jahr zuvor hatte er als Newcomer noch überraschend den Pfeil von Brabant gewonnen - war er schon zu Saisonbeginn in Australien bei der Tour Down Under, dann bei Tirreno-Adriatico und nach den Klassikern Ende Mai bei der Tour of Norway im Kampf gegen die Uhr aufs Podest gefahren. Auch das Auftaktzeitfahren der Tour de Suisse beendete er als Vierter.
Gut am Berg und stark im Zeitfahren - Sheffield hat bewiesen, dass er alles hat, was ein Rundfahrer braucht. Die großen Landesrundfahrten werden auch im kommenden Jahr noch zu früh für den Youngster kommen, doch bei den Einwöchigen wird man ihn auf dem Zettel haben müssen, wenn es nicht allzu steil wird. Angekommen ist Sheffield auf jeden Fall im Profi-Peloton.