Coup perfektRichard Carapaz geht zu NSN

Leon Weidner

 · 17.10.2026

Coup perfekt: Richard Carapaz geht zu NSNFoto: Getty Images/Jorge Guerrero
Richard Carapaz wechselt von EF Eduaction - EasyPost zum NSN Cycling Team

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​Nach vier Jahren bei EF zieht es Richard Carapaz weiter. Der Olympiasieger unterschreibt beim NSN Cycling Team bis 2029. Dort soll er wieder zu dem werden, was er bei der Tour im Juli nur noch nebenbei war: ein Kapitän für die großen Rundfahrten.

​Es war eines der Bilder dieses Radsportsommers: Auf der Königsetappe nach Alpe d’Huez liegt Sepp Kuss in Führung, stürzt im Finale zweimal, und Richard Carapaz zieht an ihm vorbei. Zweiter Etappensieg innerhalb von drei Tagen, dazu das Bergtrikot. Es war ein Auftritt, der zeigte, was den Ecuadorianer seit Jahren ausmacht. Er ist ein Fahrer für die großen Etappen und vor allem für eines bekannt: seine aggressive Fahrweise.

Richard Carapaz: drei Jahre, eine klare Rolle

Am Freitag den 16. Oktober hat das NSN Cycling Team die Verpflichtung von Richard Carapaz offiziell gemacht. Der 33-Jährige fährt ab 2027 für die Mannschaft, der Vertrag läuft bis einschließlich 2029. Nach vier Jahren bei EF Education - EasyPost beginnt für ihn damit ein neues Kapitel, und das Team macht kein Geheimnis daraus, was es sich davon verspricht. Richard Carapaz soll zur zentralen Figur in den Grand-Tour-Plänen werden.

Die Bilanz, die er mitbringt, ist beachtlich: 26 Profisiege in zehn Jahren, darunter der Gesamtsieg beim Giro d’Italia 2019, Olympisches Gold im Straßenrennen von Tokio und prestigeträchtige Etappensiege bei den großen Landesrundfahrten.

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Ein Sommer als Visitenkarte

Dass Richard Carapaz mit 33 noch lange nicht zum alten Eisen gehört, hat er in diesem Jahr eindrucksvoll unterstrichen. Ohne Ambitionen auf die Gesamtwertung reiste er zur Tour de France, mit dem erklärten Ziel, eine Etappe und das Bergtrikot zu holen. Am Ende hatte er beides, und zwar doppelt bei den Etappen.

Auf der 18. Etappe nach Orcières-Merlette setzte er sich aus der Ausreißergruppe ab und gewann solo. Zwei Tage später folgte der Coup auf der Königsetappe nach Alpe d’Huez, jener Etappe mit 5450 Höhenmetern, die Tour-Chef Christian Prudhomme als die schwerste der modernen Tour-Geschichte bezeichnet hatte. Unterwegs entschied Richard Carapaz mit seinen Attacken am Télégraphe und Galibier auch das Duell um das gepunktete Trikot gegen Valentin Paret-Peintre für sich. Nach 2024 war es sein zweites Bergtrikot bei der Tour. Eine Woche später legte er beim Klassiker in San Sebastián mit einem Podiumsplatz nach.

Vom Etappenjäger zurück zum Kapitän

Spannend ist der Wechsel vor allem wegen der Rolle, die Richard Carapaz beim NSN Cycling Team einnehmen soll. Bei EF war er zuletzt vor allem der Mann für die großen Momente: Ausreißer, Bergwertungen, spektakuläre Solos. Das Gesamtklassement einer Grand Tour stand in den letzten Jahren zwar noch im Mittelpunkt, für ganz vorne reichte es jedoch nicht. Beim NSN Cycling Team soll sich das wieder ändern.

Carapaz selbst klingt, als hätte er genau darauf gewartet. Er spricht von einer großen Chance, Teil des Projekts und vor allem ein Leader zu sein. Die Aufregung fühle sich an wie damals beim Einstieg in die WorldTour: „Das erinnert mich sehr an meinen ersten Profivertrag.“ Schon in den ersten Gesprächen mit dem Performance-Team sei klar gewesen, dass beide Seiten denselben Hunger auf Weiterentwicklung teilen.

Was das NSN Cycling Team mit Richard Carapaz vorhat

General Manager Kjell Carlström spricht von einem Meilenstein für das sportliche Projekt. Was Richard Carapaz besonders mache, sei weniger seine Erfolgsliste als seine Mentalität, seine Zähigkeit und sein Wille, der sich in diesem Jahr bei der Tour einmal mehr gezeigt habe. Carlström ist überzeugt, dass der Ecuadorianer einige seiner besten Leistungen noch vor sich hat. Zugleich soll Carapaz die jungen Fahrer im Team führen und ihnen als Vorbild dienen.

Der Transfer fügt sich in einen größeren Umbau. Für 2027 hat das NSN Cycling Team bereits die Kletterer Santiago Buitrago und Lennert van Eetvelt verpflichtet, dazu kommen Artem Shmidt und Cedric Beullens, und auch Kasper Asgreen wechselt von EF zu NSN. Mit Richard Carapaz an der Spitze bekommt diese Bergfraktion nun einen erfahrenen Anführer.

Reicht es noch für das Klassement?

Bleibt die Frage, wie weit dieser Plan trägt. Bei Vertragsende wird Richard Carapaz 36 Jahre alt sein, und die Spitze der Grand Tours ist in den vergangenen Jahren jünger und schneller geworden. Ob er dort noch einmal um Podiumsplätze mitfährt oder seine Stärke weiter in offensiven Etappenjagden ausspielt, wird die Saison 2027 zeigen. Sicher ist nur: Langweilig wird es mit ihm nicht. Wer im Juli auf der härtesten Etappe der Tour davonfährt, hat keine Lust, bei seinem neuen Team nur mitzurollen. Freuen dürften sich Fans von dynamischen Rennen also allemal auf den angriffslustigen Ecuadorianer.

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Leon Weidner

Redakteur

Leon Philip Weidner ist Kölner, verfolgt den Profi-Radsport intensiv und ist selbst leidenschaftlich auf dem Rennrad unterwegs. Neben langen Kilometern im Sattel des Straßenrads sitzt er auch regelmäßig auf dem Zeitfahrrad – stets mit dem nächsten Triathlon im Blick. Seine Expertise verbindet sportliche Praxis mit Szenewissen.

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