Lange galt im deutschen Radsport eine einfache Regel: Wer gut ist, geht ins Ausland. Für 2027 sieht das etwas anders aus. Mit Red Bull-Bora-hansgrohe und Lidl-Trek gibt es inzwischen zwei Rennställe mit deutscher Lizenz, die ganz oben mitfahren. Und genau um diese beiden Pole dreht sich ein großer Teil der deutschen Radsport Transfers.
Fangen wir beim größten Namen an. Florian Lipowitz bleibt, wo er ist. Schon im vergangenen Dezember verlängerte der Tour-Dritte von 2025 langfristig bei Red Bull und beendete damit die Gerüchte um ein Interesse von Lidl-Trek. Neu an seiner Seite ist ab 2027 Georg Steinhauser. Der Allgäuer kommt von EF Education-EasyPost und hat einen Mehrjahresvertrag unterschrieben. Die beiden kennen sich gut, bevor einer von ihnen Profi wurde, fuhren sie zwei Jahre zusammen. Steinhauser gewann 2024 die Giro-Etappe am Passo Brocon, holte in diesem Jahr als Gesamtdritter bei Paris-Nizza das Weiße Trikot und soll bei Red Bull künftig Lipowitz und Remco Evenepoel in den Bergen unterstützen.
Den zweiten deutschen Pol bildet Lidl-Trek. Seit Lidl im Oktober 2025 die Mehrheit übernommen hat, fährt das Team mit deutscher Lizenz und investiert kräftig. Ein Profiteur ist Georg Zimmermann. Der Augsburger wechselt nach sechs Jahren bei Lotto-Intermarché zu Lidl-Trek und hat bis Ende 2029 unterschrieben. Zum richtigen Zeitpunkt: In diesem Jahr gewann er mit Eschborn-Frankfurt den größten Erfolg seiner Karriere, 2025 war er bereits Deutscher Meister. Bei Lidl-Trek trifft er auf Lennard Kämna.
Ein anderer verlässt das Team dagegen: Tim Torn Teutenberg, Spross der bekannten Radsportfamilie und Sieger von Paris-Roubaix der U23, zieht es nach zwei Jahren zu Soudal Quick-Step. Dort will er sich bei den Klassikern und im Sprint weiterentwickeln.
Nicht jeder deutsche Topfahrer sucht den Wechsel. Nils Politt hat sich schon im Juni bis Ende 2029 an UAE Team Emirates-XRG gebunden. Der Hürther ist längst einer der wichtigsten Edelhelfer von Tadej Pogačar und Straßenkapitän des besten Teams der Welt. Auch Pascal Ackermann bleibt: Der Sprinter fährt bei Jayco AlUla die zweite Saison seines Zweijahresvertrags, der die Saisons 2026 und 2027 abdeckt.
Auch im Sprint bleibt alles beim Alten, und das ist durchaus eine gute Nachricht. Max Kanter hat sein bestes Jahr hinter sich: Im März gewann der Cottbuser bei Paris-Nizza seine erste WorldTour-Etappe, bei seinem Tour-Debüt im Juli wurde er Zweiter in Pau sowie Vierter in Bordeaux und auf den Champs-Élysées. Damit gilt er inzwischen als bester deutscher Sprinter. 2027 fährt er weiter für XDS Astana, wo er bereits für 2026 und 2027 verlängert hatte. Den Sprintzug, der ihn in diesem Jahr so stark gemacht hat, behält er damit.
Sein Rivale um diesen Titel, Pascal Ackermann, bleibt ebenfalls an Ort und Stelle. Bei Jayco AlUla fährt er die zweite Saison seines Zweijahresvertrags, der 2026 und 2027 abdeckt. Ackermann jagt weiterhin seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France.
Bleibt noch die große Unbekannte. Maximilian Schachmann muss Soudal Quick-Step zum Jahresende verlassen, weil er dort zuletzt nicht mehr an sein bestes Niveau anknüpfen konnte. Wo der zweimalige Paris-Nizza-Sieger 2027 fährt, ist noch offen.
Und einer wird 2027 gar nicht mehr im Peloton zu sehen sein: John Degenkolb beendet nach dieser Saison seine Karriere. Mit ihm verabschiedet sich ein Paris-Roubaix- und Mailand-Sanremo-Sieger und einer der prägenden deutschen Fahrer der vergangenen 15 Jahre.
Die Radsport-Transfers 2027 zeigen: Die neue deutsche Generation sortiert sich, und sie tut das zunehmend bei deutschen Teams. Mit Lipowitz und Steinhauser bei Red Bull sowie Zimmermann und Kämna bei Lidl-Trek und Kanter bei Astana, dürfte es 2027 so viel schwarz-rot-goldene Präsenz an der Spitze großer Rennen geben wie lange nicht.

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