Sam Bennett hat Eschborn-Frankfurt 2022 gewonnen und tritt nun wieder an, um seinen Titel zu verteidigen.
Zum traditionellen Termin am 1. Mai steht mit Eschborn-Frankfurt Deutschlands einziger Klassiker im Profi-Radsport auf dem Plan. Das in jüngerer Vergangenheit von Sprintern dominierte Rennen ändert nun aber sein Profil, sodass auch andere Fahrertypen Chancen auf den Sieg haben.
Erstmals ausgetragen wurde die Veranstaltung 1962, damals noch unter dem Namen Rund um den Henninger Turm, angelehnt an den Brauerei-Sponsor, der das Rennen damals finanzierte. Erst 2009 änderte sich der Name hin zum Eschborn-Frankfurt City Loop, schon ein Jahr später trug es den Beinamen Rund um den Finanzplatz. Seit 2018 finden sich nur noch Start- und Zielort in der Bezeichnung wieder.
Ein Jahr zuvor mischte sich der Tour-de-France-Veranstalter in die Geschicke des Rennens ein. Die Amaury Sports Organisation (A.S.O.) übernahm die Gesellschaft zur Förderung des Radsports (GFR), die Eschborn-Frankfurt seit jeher organisiert hatte - und es auch heute noch tut. Der Einfluss der Franzosen wertete das Rennen auch in seiner sportlichen Bedeutung auf. Es gehört seit 2017 zur World Tour, zur höchsten Rennkategorie.
U23 wieder im Programm, Jedermann-Rennen längst ausgebucht
2023 geht Eschborn-Frankfurt in seine 60. Austragung. Die Corona-Pandemie verhinderte 2020 die Durchführung. 2015 musste kurzfristig abgesagt werden, weil der Polizei Hinweise auf einen geplanten Terroranschlag durch ein salafistisches Ehepaar vorlagen.
Die sportlichen Schlagzeilen sollen in diesem Jahr aber wieder im Fokus stehen. Ein längst ausgebuchtes Jedermann-Rennen mit 8.000 Startern auf drei verschiedenen Strecken und die Rückkehr der U23-Version nach drei Jahren pandemiebedingter Pause sind genau wie zahlreiche Jugendrennen ein würdiger Rahmen für die Elite-Veranstaltung.
Meistgelesene Artikel
1
2
3
4
5
Rekordssieger Kristoff und Sprint-Weltmeister Philipsen am Start
Und die besticht durch ein namhaftes Feld, das von zwei starken Sprintern, die auch schon als Klassiker-Jäger auffällig wurden, angeführt wird. Mit Jasper Philipsen (Alpecin-Deceuninck) ist der erfolgreichste Sprinter der Saison am Start. Vier Siege, darunter zwei Etappen bei Tirreno-Adriatico, den Klassiker Brugge-De Panne sowie die inoffizielle Sprinter-WM, den Scheldeprijs, hat der Belgier gewonnen. Zudem wurde er Zweiter beim Pflasterstein-Monument Paris-Roubaix.
Foto: GettyVeloMit vier Siegen ist der Norweger Alexander Kristoff Rekordsieger von Eschborn-Frankfurt. Seinen letzten Titel holte er sich 2018 im Trikot des Europameisters, damals noch für das UAE Team Emirates.
Mit Alexander Kristoff (Uno-X Pro Cycling Team) steht zudem der Rekordsieger von Eschborn-Frankfurt am Start. Der Norweger hat das Rennen viermal gewonnen (2014 bis 2018). Bei acht Starts kommen dazu drei dritte Plätze (2019, 2021, 2022), bei seiner Premiere wurde 2012 wurde er Sechster. Hinter Kristoff ist Erik Zabel mit drei Siegen Zweiter und bester Deutscher in der ewigen Bestenliste. Zwei Siege konnten mehrere Fahrer feiern, unter ihnen Fabian Wegmann, der heute als Sportlicher Leiter bei Eschborn-Frankfurt fungiert.
Die Strecke von Eschborn-Frankfurt 2023
Nach dem Start in Eschborn macht der Kurs zunächst einen ersten Abstecher nach Frankfurt und durchs Ziel an der Alten Oper, ehe es in die Natur geht. Zwei Runden durch den Taunus sind geplant, dort warten dann auch die topografischen Schwierigkeiten des Tages.
Nach Jahren, in denen ein Massensprint aufgrund des Streckenprofils nahezu unausweichlich war, ändert sich das in diesem Jahr möglicherweise. Der Kurs ist im Vergleich zu den Vorjahren nicht nur länger, sondern auch schwerer geworden. 203,8 Kilometer sind in diesem Jahr zu absolvieren.
Foto: VeranstalterDer Streckenverlauf von Eschborn-Frankfurt 2023
Mit dem 879 Meter hohen Großen Feldberg ist zweimal die höchste Erhebung im Taunus zu überfahren, dazu kommt dreimal der Mammolshainer Berg, eine relativ kurze, aber bis zu 15 Prozent steile Steigung.
Insgesamt stehen den Fahrern mehr als 3.000 Höhenmeter im Weg. Sie machen das Rennen in Kombination mit der Länge zu einem Klassiker, der seinen Namen auch verdient. Allerdings werden die meisten Höhenmeter in den ersten zwei Renndritteln absolviert, sodass immer noch die Chance besteht, das alles wieder zusammenläuft. Das Finale des Rennens bleibt zudem im Grunde unverändert und ist weitestgehend flach.
Foto: VeranstalterDas Profil von Eschborn-Frankfurt
Eschborn-Frankfurt 2023: TV-Übertragung und Live-Stream
Eschborn-Frankfurt wird auf allen Kontinenten und in mehr als 150 Ländern der Welt live übertragen. In Deutschland zeigt der Hessische Rundfunkt das Rennen sogar von der ersten Minute an frei empfangbar. Ab 12 Uhr beginnt die lineare Übertragung im TV sowie im Live-Stream.
Eurosport 2 schaltet ab 14.15 Uhr ein, bei Discovery+ und GCN+ (beides über Bezahl-Abo) ist das Rennen ab 14 Uhr im Live-Stream zu sehen.
Dazu gesellen sich die Zweitdivisionäre Israel-Premier Tech, Lotto-Dstny, Bingoal WB, Burgos-BH, Green Project-Bardiani CSF-Faizane, Q36.5 Pro Cycling Team, Team Flanders - Baloise, TotalEnergies und Uno-X Pro Cycling Team.
Foto: GettyVeloNils Politt (links) und John Degenkolb (Mitte) am Mammolshainer Berg. Die beiden Deutschen sind auch bei der Austragung in diesem Jahr wieder dabei.
Alle Sieger von Eschborn-Frankfurt
2022 Sam Bennett (Irland)
2021 Jasper Philipsen (Belgien)
2020 abgesagt (Corona-Pandemie)
2019 Pascal Ackermann (Deutschland)
2018 Alexander Kristoff (Norwegen)
2017 Alexander Kristoff (Norwegen)
2016 Alexander Kristoff (Norwegen)
2015 abgesagt(geplanter Terroranschlag)
2014 Alexander Kristoff (Norwegen)
2013 Simon Spilak (Slowenien)
2012 Moreno Moser (Italien)
2011 John Degenkolb (Deutschland)
2010 Fabian Wegmann (Deutschland)
2009 Fabian Wegmann (Deutschland)
2008 Karsten Kroon (Niederlande)
2007 Patrick Sinkewitz (Deutschland)
2006 Stefano Garzelli (Italien)
2005 Erik Zabel (Deutschland)
2004 Karsten Kroon (Niderlande)
2003 Davide Rebellin (Italien)
2002 Erik Zabel (Deutschland)
2001 Markus Zberg (Schweiz)
2000 Kai Hundertmarck (Deutschland)
1999 Erik Zabel (Deutschland)
1998 Fabio Baldato (Italien)
1997 Michele Bartoli (Italien)
1996 Beat Zberg (Schweiz)
1995 Francesco Frattini (Italien)
1994 Olaf Ludwig (Deutschland)
1993 Rolf Sørensen (Dänemark)
1992 Frank Van Den Abeele (Belgien)
1991 Johan Bruyneel (Belgien)
1990 Thomas Wegmüller (Schweiz)
1989 Jean-Marie Wampers (Belgien)
1988 Michel Dernies (Belgien)
1987 Dag Otto Lauritzen (Norwegen)
1986 Jean-Marie Wampers (Belgien)
1985 Phil Anderson (Australien)
1984 Phil Anderson (Australien)
1983 Ludo Peeters (Belgien)
1982 Ludo Peeters (Belgien)
1981 Jos Jacobs (Belgien)
1980 Gianbattista Baronchelli (Italien)
1979 Daniel Willems (Belgien)
1978 Gregor Braun (Deutschland)
1977 Gerrie Knetemann (Niederlande)
1976 Freddy Maertens (Belgien)
1975 Roy Schuiten (Niederlande)
1974 Walter Godefroot (Belgien)
1973 Georges Pintens (Belgien)
1972 Gilbert Bellone (Frankreich)
1971 Eddy Merckx (Belgien)
1970 Rudi Altig (Deutschland)
1969 Georges Pintens (Belgien)
1968 Eddy Beugels (Niederlande)
1967 Daniel Van Rijckeghem (Belgien)
1966 Barry Hoban (Großbritannien)
1965 Jean Stablinski (Frankreich)
1964 Clément Roman (Belgien)
1963 Hennes Junkermann (Deutschland)
1962 Armand Desmet (Belgien)
Artikel teilen:
Kommentare
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.