Das Decathlon CMA CGM Team hatte vor wenigen Monaten bekannt gegeben den mehrfachen Biathlon-Olympiasieger Émilien Jacquelin auf Zeit als Stagaire ins Radteam zu holen. Der 31-Jährige bekam einen Vertrag über sechs Monate. “Mein Traum seit meiner Kindheit ist es, Profi-Radrennfahrer zu werden. Dank des Teams habe ich die Möglichkeit, diese Chance zu ergreifen. Ich weiß aber, dass der Weg schwierig werden wird. Ich fange ganz von vorne an. Radfahren ist sehr anspruchsvoll - das gesamte Feld ist bereits auf einem unglaublichen Niveau. Aber es ist eine Herausforderung, und ich möchte all meine Kraft und Energie einsetzen, um zu versuchen, diese Herausforderung zu meistern.”, erklärte er vor wenigen Monaten im RMC-Podcast “Grand Plateau”. Der Start im Mai verlief allerdings sehr unglücklich: ein Schlüsselbeinbruch stoppte gleich zu Beginn seine Pläne. Jetzt steht nach Monaten des Trainings mit dem Team sein erster Renneinsatz beim “Polynormande” bevor, einem Eintages-Straßenradrennen in der Normandie. Es findet am 16. August zwischen Avranches und Saint-Martin-de-Landelles statt. Das Rennen gehört zur UCI Europe Tour (Kategorie 1.1) sowie zur Rennserie des Coupe de France. Laut seinem Team hat er in der Vorbereitung rund 7.300 Kilometer und 134.000 Höhenmeter auf dem Rennrad trainiert.
Die Startliste lässt erwarten, dass es ein harter Einstieg wird. Angekündigt sind u.a. David Gaudu (Groupama-FDJ), Guillaume Martin (Groupama-FDJ) und Vorjahressieger Paul Lapeira (Decathlon-CMA CGM). Verraten hat den Start Organisator und Sprecher Daniel Mangeas: “Er hat mir verraten, dass er kommt”, erklärte er gegenüber “La Presse de la Manche”. “Jaquelin wird mit Sicherheit die Neugier von Rad- und Sportbegeisterten wecken. Es ist ein großer Coup für uns, einen Jungen wie Émilien Jacquelin am Start zu haben”, freute sich Mangeas. Welche große Radsportgeschichte das Rennen Polynormande mitbringt, zeigt ein Blick in die Siegerlisten: Bernard Hinault, Bernard Thévenet, Lucien Van Impe, Marc Madiot, Laurent Fignon und Richard Virenque konnten es schon gewinnen.
Für Jaquelin geht es vermutlich nur um einen reibungslosen Rennverlauf. Im Vorfeld hatte er seine Rolle defensiv erklärt und sich als potentieller Helfer angeboten: “Wasserflaschen holen, für einen Teamkollegen fahren, der besser sprintet als ich. Damit hatte ich in meiner Vergangenheit, als junger Radfahrer kein Problem”, erklärt er. Er hatte damals auch begründet, warum er den Ausflug vom Winter- zum Radsport wagt: “Ich bin wirklich neugierig darauf zu sehen, wozu mein Körper fähig ist – wie weit ich auf dem Weg zur Höchstleistung gehen kann”. Sein erster Start bei einem Radrennen ist es nicht - er war 2025 u.a. beim Amateurrennen Grand Prix de Cours-la-Ville gestartet. In diesem Jahr ist er ebenfalls schon bei einem Amateurrenen mitgefahren: Beim Grand Prix de Longes landete er auf Rang 11.
Klappt es mit dem Profidebüt auf dem Rennrad beim Straßenrennen Polynormande am 16. August, dann wartet gleich die nächste Herausforderung. Zwei Tage später ist Jacquelin für die Tour du Limousin (18. bis 21. August) gemeldet. Das Etappenrennen zählt ebenfalls zur UCI Europe Tour und wurde 1968 zum ersten Mal ausgetragen. In der Siegerliste haben sich u.a. Warren Barguil und Alexis Vuillermoz verewigt.
Der Franzose trainiert seit seiner Kindheit auf dem Rennrad. Radsport bildet einen zentralen Bestandteil seiner Biathlon-Vorbereitung. Der Wechsel in den Radsport ist aber nicht für immer geplant - vielmehr sieht er es als persönliche Herausforderung und Erfüllung eines Traums. Die Winterspiele 2030 in Frankreich bleiben nach eigenen Angaben weiterhin ein Ziel. Jacquelin will seine physischen Fähigkeiten im professionellen Peloton testen. “Eine Herausforderung bedeutet, dass man nicht unbedingt die Gewissheit hat, erfolgreich zu sein, ganz im Gegenteil. Aber auf jeden Fall werde ich wirklich wieder jeden Tag 100 Prozent geben”, erklärte er bei RMC. Das Team stellt ihm Trainingsmethoden und Ernährungsbetreuung zur Verfügung. Jacquelin betont, dass er keine halben Sachen machen will und sich der Anforderungen bewusst ist. So denkt er bereits an ein niedrigeres Körpergewicht, das er erreichen kann indem er seine Oberkörpermuskulatur reduziert.
Jean-Baptiste Quiclet, Head of Performance beim Decathlon CMA CGM Team, verwies bei der Verpflichtung des Biathleten auf die langjährige Verbindung zwischen Jacquelin und dem Team. Obwohl Jacquelin hohe Trainingsbelastungen gewohnt ist, muss er sich an die langen Belastungen im Radsport anpassen. Bonnafond sieht in seinen physischen Qualitäten und seiner Mentalität als Champion einen Gewinn für alle Fahrer im Kader. Das NewGen-Programm nimmt sich bewusst Zeit für die Umstellung auf die spezifischen Anforderungen des Straßenradsports.

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