Dominatorin Demi VolleringWer kann sie stoppen?

Lukas Niebuhr

 · 06.10.2026

Dominatorin Demi Vollering: Wer kann sie stoppen?Foto: Getty Images / Filip Bezde
Demi Vollering dominiert den Frauenradsport wie nie zuvor. Wer kann der Niederländerin in Zukunft gefährlich werden?
​Mit dem Gewinn von Weltmeisterschaft und Europameisterschaft innerhalb weniger Wochen hat sich Demi Vollering endgültig als die dominante Fahrerin ihrer Generation etabliert. Die Niederländerin vereint Kletterstärke, Explosivität und taktisches Geschick wie kaum eine andere Fahrerin im Peloton. Bei der Rad-EM in Slowenien unterstrich sie ihre Ausnahmestellung erneut und sicherte sich den Titel auf einem anspruchsvollen Kurs.

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Doch die Geschichte des Radsports zeigt: Jede Ära geht irgendwann zu Ende. Die spannende Frage lautet deshalb nicht, ob Vollering eines Tages vom Thron gestoßen wird, sondern wer das Zeug dazu hat. Und die Antwort darauf könnte spannender sein als je zuvor. Denn der Frauenradsport erlebt derzeit einen Generationswechsel, der in den kommenden Jahren für ein deutlich ausgeglicheneres Kräfteverhältnis sorgen könnte.

Antonia Niedermaier: Deutschlands große Rundfahrthoffnung

Aus deutscher Sicht führt bei dieser Diskussion kaum ein Weg an Antonia Niedermaier vorbei. Die Fahrerin des Teams Canyon//SRAM gehört trotz ihres jungen Alters bereits zu den stärksten Bergfahrerinnen im Peloton. Vor allem bei langen Anstiegen und Rundfahrten bringt sie Voraussetzungen mit, die im modernen Frauenradsport unverzichtbar geworden sind.

Während viele Talente zunächst über Klassiker oder Sprintetappen den Weg an die Weltspitze finden, deutet bei Niedermaier vieles darauf hin, dass ihre größten Erfolge bei mehrtägigen Rundfahrten liegen werden. Nicht zuletzt, da vieles darauf hindeutet, dass Niedermaier ab der kommenden Saison die Kapitäninnenrolle in ihrem Team einnehmen wird. Dort, wo heute Vollering regelmäßig den Unterschied macht, könnte künftig die Deutsche zur ernsthaften Herausforderin werden. Entscheidend wird sein, wie sich ihre Leistungen im Zeitfahren und ihre Konstanz über drei Wochen entwickeln. Die Grundlagen für eine spätere Grand-Tour-Siegerin scheinen jedenfalls vorhanden zu sein.

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Franziska Koch: Die deutsche Hoffnung für die großen Klassiker

Einen anderen Weg geht Franziska Koch. Die EM-Achte verfügt über ein ganz anderes Fahrerprofil als Niedermaier. Ihre Stärken liegen auf welligem Terrain, bei windanfälligen Rennen und in den schweren Eintagesklassikern. Das stellte sie spätestens mit ihrem Sieg bei Paris-Roubaix unter Beweis.

Für die Gesamtwertung großer Rundfahrten dürfte Koch auf Dauer weniger infrage kommen als Niedermaier. Dennoch gehört sie zu jener Generation, die den Frauenradsport in den kommenden Jahren prägen könnte. Rennen wie die Flandern-Rundfahrt, Gent-Wevelgem oder die Europameisterschaften auf selektiven Kursen passen deutlich besser zu ihren Qualitäten. Dafür gilt es jedoch nicht nur Demi Vollering, sondern auch Fahrerinnen wie Lorena Wiebes und Lotte Kopecky zu schlagen.

Gerade weil der Frauenradsport immer vielfältiger wird, braucht es nicht zwingend eine direkte Kopie von Vollering, um zu den größten Namen der Szene zu gehören.

Puck Pieterse: Das vielleicht größte Allround-Talent

Wenn es um potenzielle Nachfolgerinnen oder Rivalinnen von Vollering geht, fällt ein Name besonders häufig: Puck Pieterse. Die Niederländerin hat in den vergangenen Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass sie auf der Straße, im Mountainbike und im Cyclocross Weltklasseleistungen abrufen kann. Bei Vollerings WM- und EM-Gewinn war Pieterse die entscheidende Helferin, die ihrer Landsfrau den Lead-Out fuhr.

Ihre Explosivität am Berg, ihre technische Stärke und ihre enorme Vielseitigkeit machen sie zu einer Fahrerin, die künftig nahezu jedes große Rennen gewinnen kann. Viele Beobachter sehen in ihr sogar die kompletteste Fahrerin ihrer Generation. Sollte sie sich langfristig stärker auf die Straße konzentrieren, könnte sie zur größten Konkurrentin Vollerings werden.

Cat Ferguson und die nächste Nachwuchswelle

Noch jünger ist Cat Ferguson. Die Britin gilt seit Jahren als eines der außergewöhnlichsten Talente im internationalen Nachwuchsbereich. Schon in den Juniorinnenklassen dominierte sie sowohl auf der Straße als auch auf der Bahn und im Cyclocross.

Viele Experten vergleichen ihre Entwicklung mit jenen Fahrerinnen, die bereits mit Anfang 20 in die Weltspitze vorstoßen konnten. Ob sie einmal Rundfahrten gewinnen oder eher als Klassikerjägerin glänzen wird, ist noch offen. Klar ist jedoch: Ihr Potenzial reicht weit genug, um künftig um Weltmeistertitel und Monumente mitzufahren.

Wer folgt auf die aktuelle Generation?

Neben den jungen Talenten dürfen auch Fahrerinnen wie Marlen Reusser, Kasia Niewiadoma-Phinney oder Elisa Longo Borghini nicht vergessen werden. Sie gehören mit zur Weltspitze und werden Vollering auch in den kommenden Jahren das Leben schwer machen. Bei der EM wurden die Fahrerinnen ihrer Favoritinnenrolle gerecht und fuhren um die vorderen Plätze mit.

Allerdings ist der Altersunterschied zu den nachrückenden Talenten nicht zu übersehen. Während die aktuelle Elite noch um die größten Siege kämpft, drängen immer jüngere Fahrerinnen mit professionellerer Ausbildung und besseren Entwicklungsmöglichkeiten in den Sport.

Die Zukunft des Frauenradsports wird breiter

Genau darin liegt vermutlich die spannendste Entwicklung. Der Frauenradsport ist heute professioneller als je zuvor. Teams investieren mehr Geld in Nachwuchsprogramme, die Leistungsdichte steigt kontinuierlich und immer mehr Fahrerinnen spezialisieren sich früh auf bestimmte Rollen.

Für Demi Vollering bedeutet das, dass ihre Dominanz langfristig schwerer aufrechtzuerhalten sein wird als noch vor einigen Jahren. Die Niederländerin bleibt vorerst die Fahrerin, die es zu schlagen gilt. Doch mit Talenten wie Antonia Niedermaier, Puck Pieterse und Cat Ferguson wächst bereits die nächste Generation heran.

Vielleicht wird Vollering noch einige Jahre die größten Rennen gewinnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass künftig mehrere Fahrerinnen auf Augenhöhe um die wichtigsten Titel kämpfen, war jedoch lange nicht mehr so groß wie heute. Für die Fans des Frauenradsports sind das ausgezeichnete Nachrichten.

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Lukas Niebuhr

Lukas Niebuhr

Redakteur

Lukas Niebuhr ist gebürtige Bielefelder, studiert an der Deutschen Sporthochschule Köln im Master Sport, Medien- und Kommunikationsforschung und arbeitet als Werkstudent in der Online-Redaktion für BIKE und TOUR. In Köln fährt er gerne Gravelbike, seine Urlaube verbringt der Sportstudent am liebsten mit Skitouren oder auf dem (E-)MTB in den Bergen.

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