Die neue ÄraDie großen Talente des Gesamtklassement – Del Toro, Seixas & Ayuso

Leon Weidner

 · 24.04.2026

Die neue Ära: Die großen Talente des Gesamtklassement – Del Toro, Seixas & AyusoFoto: Getty Images/Tim de Waele
Paul Seixas und Isaac del Toro liefern sich schon jetzt Duelle bei langen Klassiker-Rennen

Themen in diesem Artikel

Tadej Pogačar und Jonas Vingegaard teilen sich seit 2020 alle sechs Tour-de-France-Siege unter sich auf. Doch erstmals seit Beginn ihrer Ära gibt es eine neue Generation von Rundfahrern, die sich aus den großen Namen nichts macht. Hier: Isaac del Toro, Paul Seixas und Juan Ayuso.

​Während Pogačar und Vingegaard die Tour de France sportlich dominiert haben, wächst im Windschatten der beiden eine neue Generation heran, die nicht nur fahren, sondern auch führen will – und zwar mit großem Selbstbewusstsein. Isaac del Toro, Paul Seixas und Juan Ayuso sind keine Talente, die still lernen und geduldig warten. Sie treten mit breiter Brust auf, suchen Verantwortung und scheuen weder Angriff noch Reibung im Peloton oder im eigenen Team. Der erste Teil dieser Serie wirft einen Blick auf die drei „lauten“ Talente – Persönlichkeiten, die Konfrontationen nicht aus dem Weg gehen und klar sagen, wenn ihnen etwas nicht passt.

Isaac del Toro Mexikanisches Ausnahmetalent

Der 21-jährige Del Toro elektrisierte 2025 wie kein anderer Nachwuchsfahrer. In seiner zweiten WorldTour-Saison stand er beim Giro d'Italia kurz vor dem Gesamtsieg, ehe ihm die Erfahrung zum ganz großen Coup fehlte. Der Spitzname "El Torito" – kleiner Stier – passt zu seinem Fahrstil: explosiv, angriffslustig und furchtlos. Nach dem Giro-Rückschlag bewies Del Toro mentale Stärke und fuhr in der zweiten Saisonhälfte 12 Siege ein.

Seine Vielseitigkeit macht ihn gefährlich. Del Toro beschleunigt ähnlich wie Pogačar, kann sich aus kleinen Gruppen lösen und die meisten Kletterer im Sprint schlagen. Seine Fähigkeiten am Berg bewegen sich bereits auf Weltklasse-Niveau, das Zeitfahren verbessert sich stetig. UAE Team Emirates-XRG plant ihn 2026 neben Pogačar bei der Tour einzusetzen. Hier liegt das größte Problem für den jungen Mexikaner. Sein Potenzial ist scheinbar grenzenlos, aber seine Rolle im Team des großen Überfliegers Tadej Pogačar ist klar. Als Helfer muss er sich unterordnen, was er bis jetzt auch annimmt. Sollte sein Kapitän aus irgendeinem Grund ausfallen, oder in Zukunft andere Pläne verfolgen, könnte er das Erbe des Slowenen als nächster Tour-Sieger antreten.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

​Paul Seixas Frankreichs nächster Hoffnungsträger

Paul Seixas gilt als das größte französische Talent der kommenden Jahre und das Besondere ist sein bereits relativ komplettes Profil. Für sein junges Alter bringt er nicht nur Kletterfähigkeiten mit, sondern auch ein solides Zeitfahren und ein auffällig gutes Rennverständnis. Das ist genau die Kombination, die Teams bei potenziellen Grand-Tour-Kandidaten suchen. Das Team UAE soll bei Seixas schon angeklopft haben, sein jüngerer Bruder fährt schon beim Rennstall aus den Emiraten.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Frankreich wartet seit Jahren auf einen neuen echten Grand-Tour-Hoffnungsträger. Seixas könnte diese Rolle perspektivisch ausfüllen, wenn seine Entwicklung planmäßig verläuft und er Schritt für Schritt an die Belastung und den Druck herangeführt wird. Bei Talenten dieser Kategorie ist weniger die Frage, ob sie glänzen können, sondern wann sie bereit sind, drei Wochen lang auf höchstem Niveau zu fahren. Diese Zeit scheint sein Team Decathlon CMA CGM ihm aktuell zu geben, was für eine positive Entwicklung spricht.

​Juan Ayuso Selbstbewusster Spanier

Juan Ayuso gehört mit 23 Jahren zu den polarisierendsten Fahrern im Peloton. Obwohl er noch keine Grand Tour gewonnen hat, ist sein Selbstvertrauen groß und sein Auftreten selbstbewusst. Durch seinen Wechsel zu Lidl-Trek konnte Ayuso der völligen Eskalation der Streitigkeiten mit seinem ehemaligen Team aus dem Weg gehen. Sein Temperament erinnert eher an Remco Evenepoel als an Jonas Vingegaard – Ayuso erwartet zu gewinnen, und wenn es nicht klappt, wird es kompliziert.

Der Wechsel zu Lidl-Trek könnte für ihn also so befreiend wirken wie Tom Pidcocks Transfer zu Q36.5 Pro Cycling. Bei Lidl-Trek steht ihm nun jedes Rennen offen. Seine 16 Karrieresiege verteilen sich auf Zeitfahren, Eintagesrennen, Grand-Tour-Etappen und Gesamtwertungen wie Itzulia Basque Country und Tirreno-Adriatico. Besonders als Zeitfahrer und Kletterer bringt er die nötigen Fähigkeiten für Grand-Tour-Siege mit.

Leon Weidner

Werkstudent

Leon Philip Weidner ist Kölner, verfolgt den Profi-Radsport intensiv und ist selbst leidenschaftlich auf dem Rennrad unterwegs. Neben langen Kilometern im Sattel des Straßenrads sitzt er auch regelmäßig auf dem Zeitfahrrad – stets mit dem nächsten Triathlon im Blick. Seine Expertise verbindet sportliche Praxis mit Szenewissen.

Meistgelesen in der Rubrik Profi - Radsport