Leon Weidner
· 26.04.2026
Tadej Pogačar und Jonas Vingegaard teilen sich seit 2020 alle sechs Tour-de-France-Siege unter sich auf. Doch erstmals seit Beginn ihrer Ära gibt es eine neue Generation von Rundfahrern, die sich aus den großen Namen nichts macht. Hier: Giulio Pellizzari, Lenny Martinez und Kévin Vauquelin.
Nicht alle Talente sind schon dort, wo sie irgendwann hinwollen. Manche Fahrer haben ihre Klasse bereits angedeutet, sind immer wieder in entscheidenden Momenten präsent und trotzdem fehlt noch dieser eine, unumstößliche Beweis, dass sie ein Rennen wirklich über Tage und Wochen tragen können. Genau um solche Namen geht es im dritten Teil dieser Serie: Talente mit sichtbar großem Können, mit Mut und Anlagen für die ganz großen Aufgaben, die bislang aber noch nicht bis ganz nach vorne gefahren sind. Sie stehen an der Schwelle vom Versprechen zur Ansage und die nächsten Jahre werden zeigen, ob aus Potenzial tatsächlich Spitzenklasse wird.
Der Italiener ist erst 21 Jahre alt und wird von den italienischen Fans doch schon als nächster Giro-Sieger gesehen. Zwei sechste Plätze bei Grand Tours 2025 – beim Giro und bei der Vuelta – zeigen sein Können. Pellizzari fuhr erst letzte Saison das erste Mal als Profi, übertraf aber direkt die Erwartungen. Setzt er diesen Aufwärtstrend fort, haben die italienischen Tifosi endlich wieder einen Fahrer, für den sie jubeln können.
In diesem Jahr wird Pellizzari von seinem Team nicht zur Tour geschickt, bei der Italien-Rundfahrt kann er sich daher weiter entwickeln, ohne in Konkurrenz mit Evenepoel oder Lipowitz treten zu müssen. Denn: Red Bull hat 2026 einen sehr vollen Bus. Viele etablierte Profis und aufstrebende Talente müssen sich einen Kader teilen. Besonders mit Blick auf die Grand Tours ist das keine leichte Aufgabe, obwohl es eher einem Luxusproblem gleicht. Der Weg über den Giro in diesem Jahr ist also genau der richtige, so wird der rohe italienische Diamant weiter geschliffen und kann in der Zukunft auch bei der Frankreich-Rundfahrt ganz vorne angreifen.
Mit 20 Jahren im Führungstrikot einer Grand Tour, der Vuelta a España, das können nicht viele von sich behaupten. Vielleicht wird Lenny Martinez auch deshalb anders behandelt als viele der jungen Talente, man hat schnell das Gefühl, dass der junge Franzose eines der ewigen Talente wird, das nie seinen Durchbruch schafft. Was Martinez augenscheinlich noch fehlte: die Konstanz. Mal fuhr er eine tolle Rundfahrt, wie bei der Tour de Romandie 2025, die er als Zweiter beendete, mal landet es im Gesamtklassement irgendwo im nirgendwo.
Eines steht aber fest. Martinez ist ein absolutes Klettertalent. Seine Leichtigkeit an steilen Anstiegen macht ihn zu einem natürlichen Klassementfahrer, allerdings wird entscheidend sein, wie er sich im Zeitfahren und in der Konstanz über drei Wochen weiterentwickelt. Sollte ihm hier ein Schritt nach vorne gelingen, hat er das Potenzial, in Zukunft um Podiumsplätze bei großen Rundfahrten mitzufahren.
Auch der Franzose Kévin Vauquelin ist neu beim Team INEOS. Genau wie Oscar Onley kommt er von einem kleineren Team, brauchte nach der Auflösung seines alten Teams jedoch dringend einen neuen Arbeitgeber. Seine Leistungen in der vergangenen Saison lieferten genug Argumente um einen Vertrag zu erhalten. Ein vielseitiger Fahrer mit klaren Stärken im hügelig-bergigen Terrain und im Zeitfahren. Neben seinem siebten Platz bei der Tour de France kann Vauquelin aber auch Klassiker fahren.
Der nächste Schritt ist trotzdem der schwierigste. Entscheidend wird sein, ob Vauquelin seine Leistungsfähigkeit in langen Hochgebirgsanstiegen so weit steigern kann, dass er über drei Wochen nicht nur überlebt, sondern auch ganz vorne mitfahren kann. Gelingt ihm dieser Schritt, kann aus dem vielseitigen Punkte- und Etappenfahrer ein ernstzunehmender Kandidat für Podiumsambitionen bei den großen Rundfahrten werden.
Werkstudent