Sebastian Lindner
· 03.05.2026
In der Endabrechnung trennten den Deutschen vom slowenischen Dominator 42 Sekunden. Auf den Drittplatzierten Lenny Martinez (Bahrain - Victorious) hatte der Deutsche letztlich mehr als zwei Minuten Vorsprung. Das Bild, dass Lipowitz eindeutig die zweite Kraft im Laufe der Rundfahrt durch die Westschweiz ist, verfestigte sich nochmal am letzten Tag. Im Schlussanstieg nach Leysin war es der 25-Jährige, der etwas mehr als drei Kilometer vor dem Zielstrich die erste Attacke setzte. Lediglich Pogacar konnte folgen.
Vor zwei Jahren hatte Lipowitz genau auf jener Bergankunft seinen Durchbruch geschafft. Er wurde auch damals Tageszweiter und beendete die Romandie auf dem Podium - genauso wie seitdem alle einwöchigen WorldTour-Rundfahrten, die er in Angriff genommen hat, ausgenommen die Baskenland-Rundfahrt 2025. Da wurde er Vierter. Was ihm allerdings immer noch fehlt, ist ein Sieg auf höchster Ebene.
Davon hat Pogacar allein in diesem Jahr schon neun feiern können. Dazu benötigte er lediglich elf Renntage. “Ich wusste nicht, was mich erwartet”, sagte der Slowene mit Blick auf seine erste Rundfahrt des Jahres. “Deswegen bin ich sehr zufrieden, wie es gelaufen ist.” Bezogen auf den Schlusstag hatte Pogacar dann auch noch Lob für Lipowitz übrig: “Es wurde den ganzen Tag ein hohes Tempo gefahren und am letzten Anstieg hat Florian als Erster attackiert. Er hat einen tollen Job gemacht, aber glücklicherweise konnte ich an seinem Hinterrad überleben. Dann hat er im Finale sehr früh angezogen und es war ein harter Kampf bis zur Ziellinie.” Auf der 1. Etappe hatte er den Schwaben noch kritisiert, weil er in einer gemeinsamen Spitzengruppe keine Führungsarbeit übernommen hatte.
Sowohl auf Pogacar als auch auf Lipowitz warten nun erstmal anderthalb rennfreie Monate. Während der Slowene zur Tour de Suisse wieder einsteigt, geht Lipowitz bei der Heimatrundfahrt Pogacars durch Slowenien an den Start. Dann beginnt die Vorbereitung auf die Tour de France.
In der Schweiz hingegen dürften die Organisatoren der angeschlagen Rundfahrt ein zufriedenes Fazit ziehen. Der Topstar dominierte das Rennen, bei dem es neben ihm in Dorian Godon (Ineos Grenadiers) nur einen weiteren Sieger gab. Der Franzose gewann zwei Tage. Zudem ging das Bergtrikot an einen Schweizer, der für ein Team aus der Schweiz fährt. Roland Thalmann konnte zwar am letzten Tag keine Punkte mehr sammeln, hatte sein Trikot aber auch so sicher, nachdem Ausreißer die erste Bergwertung des Tages unter sich ausgemacht hatten.
| RG | Fahrer | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | UAE Team Emirates - XRG | 04:18:52 |
| 2 | Red Bull - BORA - hansgrohe | +000:00:03 |
| 3 | Red Bull - BORA - hansgrohe | +000:00:07 |
| 4 | XDS Astana Team | +000:00:11 |
| 5 | Team Visma | Lease a Bike | +000:00:11 |
| 6 | Bahrain - Victorious | +000:00:11 |
Nachdem Jakob Söderqvist (Lidl - Trek) und Lorenzo Germani (Groupama - FDJ United) gleich nach dem Start in die Offensive gingen, fand das schwedisch-italienische Duo schon kurz darauf Verstärkung durch sechs weitere Fahrer. Jan Tratnik und Finn Fisher-Black für Red Bull gehörten ebenso dazu wie der Österreicher Marco Schrettl (XDS Astana Team). Bis Rennmitte hatte sich die achtköpfige Spitze etwas mehr als drei Minuten Vorsprung herausgefahren.
Über das leichte Auf und Ab im weiteren Verlauf ginf der Abstand zurück. Und als es in Aigle, am Sitz der UCI, in den Schlussanstieg ging, blieb den Ausreißern für den letzten Anstieg nur eine knappe Minute. Als letzter Verbliebener wurde Fisher-Black, der sich anfangs des Anstiegs von seinen Gefährten gelöst hatte und als Einzelkämpfer weitermachte, sieben Kilometer vor dem Ziel gestellt. Vor allem Bahrain - Victorious machte danach weiter Tempo.
3,2 Kilometer vor dem Ziel eröffnete Lipowitz das Finale mit einer Attacke. Einmal mehr konnte nur Pogacar mitgehen. Doch der Deutsche zog nicht voll durch, auch Pogacar hatte kein Interesse. So blieb der Abstand zu den Verfolgern gering, sie kamen zurück. Doch in dem Moment, als unter anderem Roglic wieder angedockt hatte, drückte Pogacar aufs Gaspedal - 400 Meter waren noch zu fahren. Weder Roglic noch Lipowitz konnten etwas entgegensetzen. Hinter Pogacar fuhr das Red-Bull-Duo auf Rang zwei und drei.