Die Tour de Romandie wird jedes Jahr Ende April beziehungsweise Anfang Mai ausgetragen und zählt zu den wichtigsten Vorbereitungsrennen auf die anstehenden Grand Tours. Das Schweizer Etappenrennen fordert den Profis traditionell viele Höhenmeter ab und verlangt gleichzeitig starke Zeitfahr-Qualitäten. Zwar steht in diesem Jahr nur ein einziges Zeitfahren auf dem Programm, ein kurzes im Rahmen des Prologs, doch gerade hier gilt: Jede Sekunde kann entscheidend sein.
Sportlich ist die Vorfreude groß. Mit Tadej Pogačar, Florian Lipowitz und Oscar Onley haben sich prominente Namen angekündigt, die allesamt auch bei der Tour de France an den Start gehen werden. Umso mehr richtet sich der Blick auf die Formkurve und die ersten Standortbestimmungen im Kampf gegen die Uhr und am Berg. Abseits des Sports steht der Veranstalter jedoch vor einer heiklen Aufgabe: In diesem Jahr fehlt ein Hauptsponsor. Die Werbefläche auf dem Gelben Trikot ist derzeit noch unbesetzt, ein ungewöhnlicher und für das Rennen wichtiger Punkt, denn gerade das Führungstrikoist die sichtbarste Bühne für Partner und Marken.
Fünf Etappen und ein Prolog. In diesem Jahr gibt es außerdem deutlich mehr Kilometer zu fahren. Das kommt auch durch das wegfallende zweite Zeitfahren, das mit Blick auf die Tour de France grundsätzlich in diesem Jahr keine ganz so große Rolle spielen wird. Die gesteigerte Distanz dürfte den Profis deutlich mehr Aufschluss darüber geben, wo sie zu diesem Zeitpunkt ihrer Vorbereitung stehen.
Am ersten Tag geht es für die Fahrer grade einmal 3,2 Kilometer durch Villars-sur-Glâne. Dieser Prolog ist allerdings nicht zum Ausruhen gedacht, hier muss von Anfang an Vollgas gefahren werden. Der Kurs führt auf der ersten Hälfte leicht bergab, was sich auf dem zweiten Abschnitt ändert. Die letzten Meter sind dann bis ins Ziel flach. Mit 69 zu erklimmenden Höhenmetern auf der kurzen Strecke ist es definitiv kein brettflaches Zeitfahren.
Von Martigny aus geht es für das Feld in Richtung des ersten Anstiegs der dritten Kategorie. La Rasse wird insgesamt dreimal überquert, bis die eigentliche Herausforderung des Tages ansteht. Der Anstieg nach Ovronnaz hat es richtig in sich: 8,9 Kilometer bei 9,7 Prozent im Schnitt. Danach geht es in einer rasanten Abfahrt und fast flachen 21 Kilometern zurück bis nach Martigny. Hier entstehen schon auf der ersten Etappe Zeitabstände unter den Favoriten, es geht direkt zur Sache.
Von Rue aus verläuft der Kurs bis nach Vucherens, von wo aus ein Rundkurs dreimal befahren wird. Ein welliger Kurs, ohne die ganz großen Hürden wartet hier auf das Peloton. Der Anstieg Vuillens ist mit der Kategorie drei auf dem Rundkurs auch dreimal zu bewältigen, hier dürfte es aber keine Attacken der Favoriten geben.
Auf dem dritten Teilstück geht es rund um Orbe. Direkt zu Beginn wartet nach einer kurzen Abfahrt der erste Anstieg des Tages. Nach Suchy geht es auf knapp über 2 Kilometern mit 6,5 Prozent los. Lange Zeit folgt ein Auf und Ab, bis mit nach einem weiteren leichten Anstieg die größte Aufgabe der dritten Etappe wartet. Auf den Col Mollendruz führt der Weg auf 8,9 Kilometern mit 6,2 Prozent Steigung. Die anschließende Abfahrt führt die Fahrer fast bis ins Ziel nach Orbe zurück.
Heute wird es richtig hart. Auf der vierten Etappe ist von flach keine Rede. Bei ständigem Hoch und Runter geht es früh im Rennen zweimal über den Jaunpass. Zuerst geht es von Westen aus, kurz danach von Osten aus über den Pass. Beim ersten Mal mit 6 Kilometern und 8,2 Prozent, beim zweiten Mal 7,6 Kilometer und 8,6 Prozent. Nach diesem Einstieg verläuft die Strecke ansteigend bis zum Saanenmöser, ein Pass mit 6 Kilometern und 4,5 Prozent Steigung, bevor ein weiteres Mal der Jaunpass aus Richtung Osten kommend überfahren wird. Hier entscheidet sich nach einem langen Tag, wer noch die Beine für eine Attacke hat. Denn: von hier geht es abwärts bis ins Ziel.
Zum Abschluss der Tour de Romandie gibt es einen Kurs, der mit zwei Bergen der dritten Kategorie zwar viele Höhenmeter sammelt, bis dahin aber nicht allzu schwer aussieht. Das Finale der Etappe und gleichzeitig der Rundfahrt, ist aber ein letzter, ultimativer Formtest. Nach Leysin geht es auf 13,9 Kilometern und 6 Prozent bis ins Ziel. Hier steht der Sieger der Tour de Romandie fest und kann mit viel Rückenwind die letzten Vorbereitungen bis zur Tour de France treffen.
Werkstudent