Tour de Romandie 2026Tadej Pogačar – und dann?

Leon Weidner

 · 27.04.2026

Tour de Romandie 2026: Tadej Pogačar – und dann?Foto: Getty Images/Dario Belingheri
Tadej Pogačar und Florian Lipowitz kennen sich bereits gut aus den Rennen des vergangenen Jahres
Mit der Tour de Romandie 2026 steht auch die erste Rundfahrt für Tadej Pogačar an. Während die meisten anderen Gesamklassement-Fahrer ihre ersten Tests bereits hinter sich haben gilt es für den Slowenen jetzt seine Rundfahrt-Beine auf die Probe zu stellen.

Mit Tadej Pogačar steht der wohl beste Radfahrer dieser Generation am Start der kleinen Rundfahrt in der Schweiz. Nach einem beeindruckenden Frühjahr mit vier von fünf möglichen Siegen bei Eintagesrennen bestehen wohl wenig Zweifel an der Form des Slowenen. Das große aber: Rundfahrten sind immer etwas anderes, hier müssen die Fahrer jeden Tag Leistung bringen. Alle anderen Favoriten haben in dieser Saison schon mindestens zwei Rundfahrten bestritten, viele sogar drei. Definitiv ein kleiner Vorteil, denn der Körper ist bereits an die mehrtägige Belastung gewöhnt. Die Übermacht der vergangenen Jahre steht dem gegenüber, Zweifel dass der Radstar vorne mitfährt bestehen nicht. Wer hat am Ende die besten Karten und für wen könnte es überraschend aufs Podium gehen?

Die Favoriten der Tour de Romandie

Oscar Onley war schon bei der Tour de France 2025 der gefährlichste Konkurrent von Florian Lipowitz. Bei der Tour de Romandie könnte es ein ähnliches Rennen werdenFoto: Getty Images/Szymon GruchalskiOscar Onley war schon bei der Tour de France 2025 der gefährlichste Konkurrent von Florian Lipowitz. Bei der Tour de Romandie könnte es ein ähnliches Rennen werden

Alle Blicke richten sich auf Tadej Pogačar. Der Slowene geht in beeindruckender Verfassung an den Start und vereint wie kaum ein anderer Fahrer genau die Qualitäten, die eine Rundfahrt dieses Zuschnitts verlangt. Ob im Hochgebirge, auf welligem Terrain oder im Zeitfahren – Pogačar ist in jeder Disziplin konkurrenzfähig und wirkt zudem taktisch nahezu unangreifbar. Unter normalen Rennbedingungen führt deshalb kaum ein Weg an ihm vorbei, auch wenn er in dieser Saison bislang noch keine Rundfahrt bestritten hat. Vieles deutet darauf hin, dass er das Rennen kontrollieren und am Ende souverän für sich entscheiden wird.

Spannend wird es vor allem im Kampf um die restlichen Podiumsplätze. Im Mittelpunkt steht dabei ein Dreikampf zwischen Florian Lipowitz, Oscar Onley und Lenny Martinez. Lipowitz scheint in diesem Duell die besten Karten zu haben: Der Deutsche hat in kurzer Zeit eine bemerkenswerte Entwicklung hingelegt und überzeugt durch seine Konstanz sowie ein ausgewogenes Leistungsprofil. Gerade bei einer Rundfahrt wie der Tour de Romandie, die sehr unterschiedliche Anforderungen stellt, könnte ihm diese Vielseitigkeit entscheidend helfen. An Tadej Pogačar wird er voraussichtlich dennoch nicht herankommen – dafür ist der Slowene derzeit schlicht zu stark.

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Primož Roglič dürfte auch bei der Tour de Romandie seine Freiheiten bekommen. Mit seinem Teamkollegen Florian Lipowitz kann er aber wohl nicht mithaltenFoto: Getty Images/Dario BelingheriPrimož Roglič dürfte auch bei der Tour de Romandie seine Freiheiten bekommen. Mit seinem Teamkollegen Florian Lipowitz kann er aber wohl nicht mithalten

Onley und Martinez bringen ebenfalls reichlich Potenzial mit und können vor allem an den langen Anstiegen ihre Stärken ausspielen. Über mehrere Renntage hinweg wirken sie jedoch etwas anfälliger, weshalb es im Gesamtklassement voraussichtlich nicht ganz nach vorne reicht. Ein dritter Platz scheint für beide dennoch realistisch. Sollte Lipowitz Schwächen zeigen, ist sogar noch mehr möglich – doch Tadej Pogačar bleibt auch für sie außer Reichweite. Direkt dahinter gilt Primož Roglič als nächster Kandidat für das Podium. Der erfahrene Rundfahrtspezialist verfügt zwar über die nötige Klasse, macht derzeit aber nicht den Eindruck, auf dem Niveau zu sein, um ernsthaft um den Sieg mitzufahren. Ein Podiumsplatz ist dennoch drin, gegen die neue Generation dürfte es für ihn jedoch sehr schwer werden.

Mit Antonio Tiberi und Mauro Schmid stehen zudem zwei Fahrer in den Startlöchern, die eher als Außenseiter einzustufen sind. Tiberi dürfte dabei vor allem als wichtiger Helfer für Lenny Martinez eingeplant sein. Mauro Schmid reist hingegen mit starker Form zu seinem Heimrennen an, doch die langen Anstiege könnten dem Schweizer letztlich eine Spur zu anspruchsvoll sein.

Leon Weidner

Werkstudent

Leon Philip Weidner ist Kölner, verfolgt den Profi-Radsport intensiv und ist selbst leidenschaftlich auf dem Rennrad unterwegs. Neben langen Kilometern im Sattel des Straßenrads sitzt er auch regelmäßig auf dem Zeitfahrrad – stets mit dem nächsten Triathlon im Blick. Seine Expertise verbindet sportliche Praxis mit Szenewissen.

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