UCI-Wirrwarr5000-Franken-Strafe gegen Pogačar aufgehoben

Leon Weidner

 · 28.04.2026

UCI-Wirrwarr: 5000-Franken-Strafe gegen Pogačar aufgehobenFoto: Getty Images/Dario Belingheri
Nach seinem Sieg bei Lüttich-Bastogne-Lüttich erhielt Tadej Pogačar zunächst eine Geldstrafe von 5000 Schweizer Franken wegen eines Verstoßes gegen die Regenbogentrikot-Vorschriften. Rund fünf Stunden später zog die UCI die Strafe kommentarlos zurück.

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Tadej Pogačar gewann am Sonntag das Monument Lüttich-Bastogne-Lüttich und demonstrierte damit erneut seine Dominanz im Radsport. Doch nach der Siegerehrung folgte eine unerwartete Strafe: Die Rennkommissare verhängten gegen den Slowenen eine Geldstrafe von 5000 Schweizer Franken. Der Grund laut Jury-Bericht: ein Verstoß gegen UCI-Artikel 1.3.072.6 bezüglich der Weltmeister-Ausrüstung. Konkret sei die Platzierung der Werbung auf dem Weltmeistertrikot während der Siegerehrung falsch gewesen. Etwa fünf Stunden später verschwand die Strafe stillschweigend aus den offiziellen Dokumenten. Weder die UCI noch die Rennkommissare kommentierten die Angelegenheit öffentlich.

Drastische Unterschiede bei der Strafvergabe

Die Höhe der ursprünglich verhängten Strafe ordnet sich am oberen Ende der UCI-Sanktionen ein. Ein Vergleich mit anderen Vorfällen verdeutlicht die Diskrepanz: Kiaan Watts erhielt für einen Schlag gegen den Kopf eines Konkurrenten während des Rennens lediglich 200 Franken Strafe. Isaac del Toro zahlte denselben Betrag für seine entblößte Brust, Lenny Martinez ebenfalls 200 Franken für eine der offensichtlichsten Sticky-Bottle-Aktionen der jüngeren Vergangenheit. Jhonatan Narváez musste bei der Tour de France 2025 für unsachgemäßes Wegwerfen von Müll 500 Franken bezahlen, während Arnaud de Lie für eine öffentliche Toilettenpause im selben Rennen nur 200 Franken zahlte. Julien Bernard kostete ein Kuss mit seiner Ehefrau bei der Tour de France 2024 ebenfalls 200 Franken. Strafen in der Höhe von 5000 Franken verhängt die UCI normalerweise nur bei schwerwiegenden Vergehen.

Regenbogenstreifen unter strenger Kontrolle

Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Fällen ein, die zeigen, wie ernst die UCI den Schutz ihrer Regenbogenstreifen nimmt. Im Jahr 2025 forderte der Weltverband den Komponenten- und Rahmenhersteller Ritchey auf, die Verwendung der Regenbogenfarben einzustellen. Dies geschah trotz der Tatsache, dass Ritchey die Streifen bereits zwei Jahrzehnte vor der UCI-Markenregistrierung Anfang 2010 verwendete. Die UCI-Richtlinien für Trikots umfassen ein 117-seitiges Dokument mit dem Titel “UCI Jerseys Visual Guidelines: Manufacturer Specifications & Model Variations”. Darin sind präzise Vorgaben zu Proportionen, Positionierung, Farbreihenfolge und Abständen zwischen Logos und anderen Designelementen festgelegt. Das Dokument regelt auch, wann und wo das UCI-Logo verwendet werden darf.

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Spekulationen über den konkreten Verstoß

Zunächst vermuteten Beobachter, die schwarze Trauerflorbinde könnte der Grund für die Strafe gewesen sein. Pogačar trug diese während des Rennens zum Gedenken an seinen ehemaligen Teamkollegen Cristian Camilo Muñoz, der nach einer Infektion infolge eines Sturzes verstorben war. Die Binde verdeckte die linken Regenbogenstreifen am Ärmel. Die spezifische Formulierung im Jury-Bericht machte jedoch deutlich, dass nicht die Trauerflorbinde der Auslöser gewesen ist. Stattdessen liegt die Antwort vermutlich in den detaillierten Vorgaben des erwähnten 117-seitigen Regelwerks. Dieses definiere exakt, wo Sponsorenlogos auf dem Weltmeistertrikot platziert werden dürften und welche Abstände einzuhalten seien. Welcher konkrete Aspekt letztlich zur ursprünglichen Strafe führte und warum diese wieder zurückgezogen wurde, bleibt ungeklärt. Die fehlende Kommunikation seitens der UCI lässt Raum für Interpretationen über die Anwendung der eigenen Regularien.


Leon Weidner

Werkstudent

Leon Philip Weidner ist Kölner, verfolgt den Profi-Radsport intensiv und ist selbst leidenschaftlich auf dem Rennrad unterwegs. Neben langen Kilometern im Sattel des Straßenrads sitzt er auch regelmäßig auf dem Zeitfahrrad – stets mit dem nächsten Triathlon im Blick. Seine Expertise verbindet sportliche Praxis mit Szenewissen.

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