Sandra Schuberth
· 16.10.2026
Woran liegt das? An drei Funktionen, die viele Geräte verwischen – und die du kennen solltest, bevor du kaufst.
Widerstand bieten, Fahrdaten senden, Befehle empfangen. Erst ein steuerbarer Trainer kann auf Kommando mehr Widerstand für einen virtuellen Anstieg oder eine Zielleistung für ein Intervall aufbauen. „Smarttrainer” auf dem Karton sagt nicht, ob das Gerät Daten sendet, steuerbar ist oder beides kann. Prüfe das konkret für die Kombination aus Trainer und Software. Die TOUR-Übersicht zu Trainer-Tests und Software führt zu den Einzeltests.
| Dein Setup | Live-Fahrt oder Workout in kompatibler Indoor-Software? | Automatische Widerstandssteuerung? | Das bedeutet beim Fahren... |
| Klassischer Trainer oder freie Rolle, ohne Sensoren | Nein, nicht mit diesem Setup | Nein | Treten, selbst schalten oder den Widerstand am Gerät einstellen. |
| Klassischer Trainer mit geeignetem Geschwindigkeits- oder Leistungssensor | Je nach Software und Sensor | Nein | Fahrdaten können angezeigt werden; Gang und Widerstand regelst du selbst. |
| Trainer, der Fahrdaten überträgt, aber nicht steuerbar ist | Bei passender Verbindung ja | Nein | Die Software sieht deine Leistung, kann die Bremse (Widerstand) aber nicht verstellen. |
| Steuerbarer Wheel-on-Trainer | Bei passender Verbindung ja | Ja, wenn die Software die Funktion unterstützt | Virtuelle Steigungen oder Zielleistungen können den Widerstand ändern; das Hinterrad bleibt eingebaut. |
| Steuerbarer Trainer mit Direktantrieb | Bei passender Verbindung ja | Ja, wenn die Software die Funktion unterstützt | Wie oben, aber ohne Reibrolle am Hinterreifen; für die Montage kommt das Hinterrad heraus. |
| Steuerbares Indoor-Bike | Je nach Modell und Software | Je nach Modell und Software | Festes Trainingsgerät statt eingespanntem Straßenrad; Einstellbarkeit und Software prüfen. |
Mit „Indoor-Software” meinen wir hier eine Anwendung, die während der Fahrt Daten vom Trainer empfängt und den Widerstand steuert – zum Beispiel Zwift, Rouvy, TrainingPeaks Virtual, Wahoo SYSTM oder Tacx Training. Aufzeichnungs-Apps wie Strava und Trainingsplaner wie Garmin Connect steuern keinen Trainer: Das übernimmt die Fahrt-Software.
Für gleichmäßige Fahrten ohne Bildschirm reicht ein einfacher Trainer. Auf einem Wheel-on-Modell bleibt das Hinterrad im Rad und läuft gegen eine Reibrolle. Auf der freien Rolle ist das Rad nicht fixiert – du musst balancieren und geradeaus fahren. Wer dabei eine Serie schaut, fährt auf einem fixierten Rad meist entspannter.
Ein Sensor liefert bei einem einfachen Trainer Fahrdaten, sofern die gewählte Indoor-Software ihn unterstützt. Einen Anstieg auf dem Bildschirm spürst du damit nicht. Schätzt die Software Leistung aus der Geschwindigkeit, misst sie nicht – das ist kein Powermeter-Wert.
Beim Wheel-on-Trainer beeinflussen Reifendruck und Anpressdruck den Kontakt zur Rolle. Ist für das Modell eine Kalibrierung vorgesehen, führe sie unter vergleichbaren Bedingungen durch. Im älteren TOUR-Test günstiger Wheel-on-Trainer waren die geprüften Geräte lauter und weniger genau als die verglichenen Trainer mit Direktantrieb. Das Ergebnis gilt für die damaligen Testgeräte.
Ein einfacher Trainer reicht. Er muss nicht steuerbar sein – und du sparst entsprechend.
Damit deine Figur auf einer virtuellen Strecke fährt, braucht die Software einen Leistungswert. Wie genau der ist, hängt von der Quelle ab: Ein Powermeter am Rad misst Kraft und Drehzahl möglichst nah am Pedal. Smarttrainer berechnen die Leistung aus Drehmoment und Drehzahl – das kann präzise sein, ist aber keine Pedalmessung. Klassische Trainer ohne Leistungsmessung schätzen aus der Hinterradgeschwindigkeit; das ist am ungenauesten.
Soll sich ein Anstieg an den Pedalen bemerkbar machen, muss die Software einen kompatiblen Trainer steuern können. Steuerbare Trainer gibt es als Wheel-on-Geräte und mit Direktantrieb. Sie können Befehle empfangen – zum Beispiel im ERG-Modus: Die Software gibt eine Leistung vor und regelt den Widerstand nach. Das hilft bei längeren, gleichmäßigen Intervallen. Sinkt die Trittfrequenz stark, erhöht der Trainer den Widerstand, um die Zielleistung zu halten. Für sehr kurze Sprints: Schalte lieber selbst, statt im ERG-Modus zu bleiben.
Beim Direktantrieb baust du das Hinterrad aus und setzt das Rad auf eine passende Aufnahme. Achsstandard, Freilauf, Kassette oder Einzelritzel und Schaltung müssen zusammenpassen. Wer täglich zwischen Straße und Rolle wechselt, könnte das Hinterrad-Aus-und-Einbauen beim Direktantrieb schnell lästig finden.
Du brauchst einen steuerbaren Smarttrainer. Wheel-on oder Direktantrieb hängt davon ab, wie oft du zwischen Straße und Indoor wechselst.
Für kurze Intervalle zählt nicht nur, ob ein Trainer 1.800 oder 2.000 Watt bremsen kann. Er muss eine neue Vorgabe schnell erreichen und nach der Belastung wieder freigeben. Ein langsamer Übergang fällt bei einer langen Tempoeinheit kaum auf; bei wiederholten kurzen Belastungen verändert er die tatsächlich gefahrene Einheit.
Im TOUR-Test ließ sich der leichte Elite Rivo (UVP 539 Euro) gut umstellen. Bei Intervallen über 300 Watt arbeitete seine Regelung aber etwas langsam. Die Leistung berechnet der Trainer aus dem Bremszustand, misst sie nicht direkt.
Der Wahoo Kickr Core 2 (UVP 549 Euro) blieb bei der Genauigkeit im spezifizierten Bereich von plus/minus zwei Prozent. Bei hohen Leistungen im ERG-Modus regelte er dennoch langsamer und überschoss den Zielwert stärker als die Top-Geräte im Test.
Der Garmin Tacx Neo 3M (1299 Euro) zeigte im Test das schnellste Regelverhalten: Von 180 auf 350 Watt in vier Sekunden, ohne Überschwingen. Gemessene Genauigkeit: unter plus/minus einem Prozent. Der Van Rysel RCR (599 Euro) regelt bei 350 Watt ebenfalls ohne Überschwingen. Er braucht dafür aber acht Sekunden, danach hält er die Leistung präzise. Leistung genau erfassen und Widerstand schnell ändern: zwei verschiedene Fähigkeiten – und zwei verschiedene Preisklassen.
Für virtuelle Rennen kommen Schaltung und Verbindung hinzu. Prüfe vor dem Kauf, ob Trainer, Schaltbedienung und gewünschte Software zusammenarbeiten. Mit eigener Kassette funktioniert jede mechanische Schaltung plattformunabhängig. Wer stattdessen das Zwift Cog nutzt – ein Einzelritzel, das die Kassette ersetzt und virtuelles Schalten ermöglicht – ist an Zwift und wenige andere Plattformen gebunden. Nicht jede Indoor-Software unterstützt das System.
Hier lohnt mehr Geld. Schnelles Regelverhalten schlägt Maximalwattzahl. Der Tacx Neo 3M führt im TOUR-Test; wer weniger ausgeben will, liegt mit dem Van Rysel RCR näher dran als mit dem Kickr Core 2.
Ein Indoor-Bike hält beide Straßenräder frei und lohnt sich für einen festen Trainingsplatz. Wichtig sind die Einstellbereiche für Sitzhöhe, Lenker und Kurbellänge sowie die unterstützte Software. Ob sie für zwei unterschiedlich große Personen reichen, zeigen deren konkrete Maße besser als die Herstellerangaben.
Wer lieber das eigene Rad einspannt: Beim Direktantrieb muss das Hinterrad für jede Fahrt rein und raus – bei zwei Personen mit zwei Rädern ist das doppelter Aufwand. Beim Wheel-on-Trainer entfällt der Radwechsel; das Rad bleibt drin, der Anpressdruck wird neu eingestellt.
Ein Smart Bike ist die komfortabelste Lösung. Vorausgesetzt, die Einstellbereiche passen für alle, die es nutzen wollen. Sonst: Direktantrieb mit je einem Rad pro Person, oder Wheel-on für den schnellen Wechsel.
Die Maximalwattzahl auf dem Karton sagt dir wenig. Was zählt: ob Trainer, Software und deine Trainingsform zusammenpassen. Schau in den TOUR-Test – dort stehen die Messwerte.
Und du: Wheel-on, Direktantrieb oder doch ein Indoor-Bike – was rollt bei dir diesen Winter? Schreib es in die Kommentare.

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