Deutschland dörrt dahin, die Natur dürstet es nach Regen. Jetzt ist die Gefahr von Wald- und Wiesenbränden besonders hoch, und in manchen Orten Deutschlands riecht die Luft sogar schon nach Rauch. Dass der heiße Auspuff eines unachtsam in der Wiese geparkten Autos das trockene Gras leicht entflammen und ein regelrechtes Inferno auslösen kann, hat man vielleicht schon mal gehört. Was viele nicht wissen: Auch ein Fahrrad kann einen Waldbrand auslösen.
Doch, hat es tatsächlich schon gegeben. Vielleicht und hoffentlich gab es nur diesen einen dokumentierten Fall bisher, 2018 in Österreich. Auch die BIKE hatte damals schon davon berichtet, der Artikel ist inzwischen allerdings leider offline. Drum erinnern wir heute wieder an die Gefahr, die von heißen Bremsscheiben ausgeht.
Und die können sehr heiß werden! Wer aus Versehen mit der Wade mal eine Bremsscheibe touchiert hat, die gerade aus den Zwängen einer rasanten Passabfahrt entlassen wurde, weiß das. Wer zweifelt, nehme das:
In Tests auf unserem Prüfstand haben wir schon Bremsscheiben zum Glühen gebracht. Und trotzdem hat die Bremse dabei noch verzögert. Man muss es also gar nicht unbedingt mitbekommen, dass man seine Fahrradbremse schon am Limit betreibt. Je nach Gewicht und gefahrener Geschwindigkeit dürften viele unter uns nach einer herzhaften Vollbremsung ein wahrlich heißes Eisen unterm Hintern haben.
Auf der berüchtigten Bremsen-Teststrecke in Bozen hat BIKE – das Mountainbike Magazin – bereits vor 15 Jahren mit aufwändigen Messungen die tatsächlichen Belastungen von Fahrrad-Scheibenbremsen dokumentiert. Ein mit Temperatursensoren, GPS und Kraftmesshebel ausgestattetes Mountainbike mit 185-mm-Bremsscheiben zeichnete dabei alle relevanten Daten auf.
Die Teststrecke umfasst auch 400 Höhenmeter Abfahrt auf Asphalt mit bis zu 27 Prozent Gefälle. Hier wurden die härtesten Belastungstests durchgeführt. Die Ergebnisse sind also durchaus auch für das Rennrad relevant.
Heraus kam: Bei ganz normalen Abfahrten, bei denen Vorder- und Hinterradbremsen benutzt wurden, traten nach wenigen Verzögerungen Spitzentemperaturen von 477 Grad am vorderen Bremsbelag eines 114-Kilo-Systems (95-Kilo-Fahrer + Bike + Messequipment) auf.
Bei einer leichten Testperson mit 70 Kilo Gewicht waren es immer noch maximal 346 Grad vorne beziehungsweise heißen 269 Grad im hinteren Bremsbelag. Beim Extrem-Test des 95-Kilo-Fahrers mit zusätzlich 28 Kilogramm Anhänger stiegen die Werte auf 550 Grad an den Belägen. Die Bremsscheiben selbst werden nochmals heißer als die Bremsbeläge, erreichten in der Spitze etwa 700 Grad und glühten rot.
Und das reicht dicke! Trockenes Pflanzenmaterial wie Gras, Laub oder Stroh entzündet sich bereits bei Temperaturen zwischen 200 und 300 Grad Celsius (Zeitungspapier noch weniger). Die genaue Zündtemperatur hängt von Feuchtigkeit, Struktur und Dichte des Materials ab. Fein verteilter Zunder wie trockene Grashalme oder dünne Zweige reagiert besonders empfindlich.
Bei direktem Kontakt mit einer heißen Oberfläche reichen bereits 200 Grad für eine Entzündung aus. Die Bremsscheiben einer Fahrradbremse können diese Temperatur leicht erreichen und trockenes Laub oder Gras entzünden, also einen Waldbrand auslösen. Die Spitzenwerte von bis zu 700 Grad liegen sogar weit über dieser Schwelle.
Übrigens: Wer richtig bremst, verhindert das schnelle Überhitzen der Bremse und damit Fading: lieber kurz und heftig, dafür mit kleinen Pausen. Schleifbremsungen verhindern das Abkühlen der Bremse, während Intervallbremsungen mit geöffneter Bremszange zwischen den Verzögerungen die Temperatur deutlich senken.
Die Vorderradbremse trägt die Hauptlast der Verzögerungsarbeit, aber so lange das Hinterrad am Boden ist, kann es mitbremsen. Also Hintern nach hinten und beherzt die Hinterradbremse mitnutzen.
Redakteur
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