FTP-Test bei ZwiftSo werden Leistungs- und Stufentests durchgeführt und ausgewertet

Robert Kühnen

 · 02.10.2026

FTP-Test bei Zwift: So werden Leistungs- und Stufentests durchgeführt und ausgewertetFoto: Zwift
Bevor man bei Zwift mit wattgesteuertem Rollentraining beginnt, sollte man einen FTP-Test machen.
Bevor man bei Zwift mit wattgesteuertem Rollentraining beginnt, ist es empfehlenswert, einen FTP-Test zu absolvieren. Wir erklären FTP- und Stufentests von Zwift, gehen auf ihre jeweiligen Stärken und Schwächen ein und geben praktische Tipps.

Der Artikel erschien erstmals in 2022, wurde im Oktober 2026 aktualisiert von Sandra Schuberth

Indoor-Training auf Smarttrainern wird über die Tretleistung gesteuert, die in Watt angezeigt wird. Die Leistung in Watt ist der Dreh- und Angelpunkt für alles. Die mögliche Tretleistung variiert nach Fitnesszustand, Körpergewicht – und, ganz entscheidend – der Länge der Belastung. Im Sprint ist ein Vielfaches der Dauerleistung möglich. Als Maß für die Ausdauerleistungsfähigkeit wird meist die FTP-Leistung verwendet (aus dem Englischen: FTP = Functional Threshold Power). Das ist die Maximalleistung über eine Stunde.

Aus der FTP lassen sich die Trainingszonen ableiten, die die Trainingsintensitäten beschreiben. Insbesondere am Berg – drinnen wie draußen – sind Watt pro Kilogramm die Währung, die über das Bergtempo entscheidet. Die FTP gibt sofortige Orientierung, wo ein Sportler in der Leistungspyramide steht: Das Spektrum reicht von 1,5 W/kg (untrainiert) bis 6,5 W/kg (absolute Weltklasse). Regelmäßiges Testen der FTP ist eine Möglichkeit, Leistungsfortschritte sichtbar zu machen.

Da es sehr fordernd ist, über eine Stunde die maximale Leistung abzurufen, wird der FTP-Test in der Regel abgekürzt und die FTP-Leistung aus der 20-Minuten-Leistung hochgerechnet.

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​Wer die Grundlagen klären möchte, findet in unseren Fragen und Antworten zum FTP-Test mehr zu Testbedingungen, Aussagekraft und Grenzen der Messung.

FTP-Tests von Zwift

Der Artikel erklärt die beiden Stufentests und den 20-Minuten-FTP-Test, die in der hier gezeigten Workout-Auswahl zur Verfügung stehen.

​Welcher FTP-Test passt zu mir?

Für die vorgegebenen Belastungen nutzt Zwift einen FTP-Ausgangswert. Die Lite-Variante richtet sich an Fahrerinnen und Fahrer, für die der reguläre Stufentest zu hoch einsteigt. Wer seine Leistung über 20 Minuten möglichst gleichmäßig einteilen kann, wählt den FTP-Test. Das Ergebnis ist ein Schätzwert, den man später mit Training und längeren Belastungen abgleichen sollte.

Wenn man ...Dann ...
noch keinen FTP-Wert hatStufentest
schon einen FTP-Wert hat, aber überprüfen will, ob der Wert stimmtFTP-Test
Die FTP-Tests stehen in der Workout-Auswahl. Welches Protokoll sinnvoll ist, hängt vom bisherigen Leistungsstand ab.Foto: Screenshot Zwift / Sandra SchuberthDie FTP-Tests stehen in der Workout-Auswahl. Welches Protokoll sinnvoll ist, hängt vom bisherigen Leistungsstand ab.

1. Stufentests oder Stufentest Lite für ein erstes Abschätzen der FTP

Wer noch keinen getesteten Wert hat, kann zunächst einen Schätzwert verwenden oder zur Orientierung einen Stufentest fahren. Zwift bietet dafür zwei Varianten an. Der normale Stufentest steigert die Leistung ausgehend von 100 Watt jede Minute um 20 Watt. Dieser Test fühlt sich zu Beginn sehr leicht an. Überschreitet man die persönliche aerobe Dauerleistungsgrenze, dauert es aber nur noch wenige Minuten, bis man die Kurbel nicht mehr rumbringt. Zwift schätzt die FTP mit 75% der letzten absolvierten Stufe ab. Wer 300 Watt schafft, bekommt also eine FTP von 300 * 0,75 = 225 W angezeigt. Eine Variante dieses Tests ist der „einfache“ Stufentest. Hier beginnt der Test mit 50 W, endet aber bei höchstens 250 Watt (nur für Anfänger und sehr leichte Sportler relevant). Der Stufentest ist simpel und nicht sehr genau, da die kurze Stufendauer Verzerrungen durch anaerobe Energieanteile provoziert. Aber der Test geht schnell und taugt für eine erste Abschätzung. Bei Zwift gibt es beide Varianten. Im Bild ist die Version für sehr leichte Fahrerinnen und Fahrer oder wenig Trainierte.

Der kürzere der beiden Stufentests bei Zwift beginnt bei 50 Watt und erhöht den Widerstand jede Minute um 10 Watt.Foto: Screenshot Zwift / Sandra SchuberthDer kürzere der beiden Stufentests bei Zwift beginnt bei 50 Watt und erhöht den Widerstand jede Minute um 10 Watt.

2. FTP-Test

Der 20-Minuten-Test erfasst durch den längeren Belastungsabschnitt die Dauerleistung anders als ein Stufentest. Der Standard-FTP-Test von Zwift dauert 45 Minuten.

Durchführung: Nach dem Aufwärmen folgen zwei harte Belastungen über drei und zwei Minuten. Sie sollen die anaeroben Energiereserven vor dem eigentlichen Test reduzieren. Ist der FTP-Ausgangswert zu hoch angesetzt, können bereits diese Vorbelastungen zu schwer werden.

Anschließend folgen 20 Minuten freie Fahrt. Das ist der eigentliche Test. Ziel ist eine möglichst hohe, gleichmäßige Leistung über die gesamte Dauer. Zwift schätzt die FTP anhand von 95 Prozent der durchschnittlichen Leistung in diesem Abschnitt.

Standard-FTP-Test bei ZwiftFoto: Screenshot Zwift / Sandra SchuberthStandard-FTP-Test bei Zwift

Bei Leistungseinbruch den FTP-Test wiederholen

Es empfiehlt sich, mit dem Schätzwert der FTP in die Fahrt einzusteigen. Nach hinten raus kann man noch eine Schippe nachlegen, sollte das möglich sein. Bricht die Leistung in den 20 Minuten stark ein, ist man zu hart losgefahren und sollte den Test wiederholen, weil der Durchschnittswert bei gleichmäßiger Fahrt höher ausfällt.

Das Zwift-Testprotokoll deckt sich mit den Empfehlungen von TOUR. Die so ermittelte FTP-Leistung und die daraus abgeleiteten Zonen sind gut nutzbar. Klappt der Test beim ersten Mal nicht perfekt, lässt er sich leicht wiederholen. Zwift kann eine höhere FTP auch ohne gesonderten Test erkennen, etwa bei einer freien Fahrt, einem Workout oder einem Rennen. Dafür berücksichtigt die Plattform nicht nur neue 20-Minuten-Bestleistungen, sondern auch intensive Belastungen anderer Dauer. Meldet Zwift einen höheren Wert, sollte man prüfen, ob die daraus abgeleiteten Trainingsintensitäten in der Praxis passen.

​Was mache ich mit dem FTP-Ergebnis?

Der ermittelte Wert dient als Ausgangspunkt für wattgesteuerte Workouts. Man sollte in den folgenden Einheiten prüfen, ob die vorgegebenen Intensitäten zum eigenen Belastungsempfinden passen. Fühlen sich wiederholt viele Intervalle unerwartet leicht oder kaum durchführbar an, sollten Testbedingungen und FTP-Einstellung überprüft werden. Spätere Tests sollten möglichst mit demselben Protokoll und unter ähnlichen Bedingungen durchgeführt werden, um vergleichbar zu sein.

Stärken und Schwächen der Zwift FTP-Tests

Der FTP-Test beruht auf voller Ausbelastung – grundsätzlich, nicht nur bei Zwift. Das ist immer hart und das Ergebnis ist stark von der Motivation abhängig, alles zu geben. Ausbelastung heißt auch, dass man gesund sein muss. Wer sonst nie an seine Grenzen geht, sollte sich vorher sportmedizinisch untersuchen lassen.

Der Test sollte gut vorbereitet werden. Diese Dinge sind essenziell neben erprobter Smarttrainer-Technik:

  • Kühlung (Ventilator)
  • Keine Störung/Unterbrechung
  • Motivierendes Bild-/Audiomaterial

Der FTP-Test liefert korrekt durchgeführt wertvolle Leistungs-Eckdaten für den Formcheck.

Kritiker bemängeln, dass der FTP-Test nichts über die physiologischen Ursachen der Leistung verrät – zum Beispiel auf welchem Weg der Körper die Energie für die ermittelte Leistung bereitstellt. Diese Kritik ist berechtigt. Die aus 20 Minuten auf eine Stunde hochgerechnete FTP kann zudem fehlerbehaftet sein. Mit mehr Daten aus Training und Wettkampf lassen sich die Werte aber verifizieren. Durch Kombination mit weiteren Tests über kürzere Zeiträume sind weitergehende Aussagen zum Stoffwechsel möglich. INSCYD bietet solche Auswertungen an, die allerdings auch Kosten verursachen.

Alternativ oder ergänzend ist eine klassische Labordiagnostik möglich (Laktatdiagnostik und/oder Spiroergometrie), die auch mehr Informationen liefern kann und auch nicht immer bis zur Ausbelastung gehen muss. Labordiagnostiken alleine haben den Nachteil, dass sie meistens zu selten durchgeführt werden – auch weil sie teuer sind. Außerdem sind nicht alle Labordiagnostiken gleich gut und wertvoll. Deren Qualität zu beurteilen, ist schwierig.

Die Do-it-yourself–Methode beim FTP-Test ermöglicht es, einfach mal loszulegen und Erfahrungen zu sammeln. Wer sich regelmäßig selbst testet und viel mit Smarttrainer/Powermeter fährt, bekommt leicht ein ziemlich umfassendes Bild seiner Leistungsfähigkeit. Das kann weitere Diagnostiken überflüssig machen. Ob die FTP realistisch getestet wurde, erkennt man leicht im Abgleich mit Realdaten. Sagt der FTP-Test 250 Watt voraus und man kommt in einer Stunde Bergfahrt bei voller Belastung nur auf maximal 220 Watt, dann ist klar, dass der Test zu optimistisch war und die Ermüdung unterschätzt wurde. Der reale FTP-Wert ist dann 220 Watt.

Alle Methoden zusammen, FTP-Test, Labordiagnostik und Powermeterdaten ergeben das vollständigste Bild. Egal wie man testet: Die Werte sollten immer auf Plausibilität hinterfragt werden.

Wann und wie oft sollten FTP-Tests gemacht werden?

Ein Test ist vor jeder intensiven Trainingsphase zur Orientierung zu empfehlen, eine Wiederholung ist nach frühestens sechs bis acht Wochen ratsam und dient der Erfolgskontrolle. Man sollte immer ausgeruht und mit vollen Energiespeichern ans Testen gehen. Das heißt, dass die Tests in eine Erholungsphase fallen sollten. Die Leistungsmessung sollte so genau wie möglich sein – ggf. Powermeter als Datenquelle nutzen, wenn vorhanden. Auf lange Sicht ist die absolute Genauigkeit der Leistungsmessung wichtiger als man anfangs denkt, denn nur verlässliche Daten haben langfristig einen Wert und machen auch kleine Fortschritte sichtbar.

Da der Test selbst belastend ist, ist ständiges FTP-Testen nicht ratsam. Man muss abschätzen zwischen dem Nutzen des immer gleichen Protokolls (Vergleichbarkeit) und der zusätzlichen Trainingsbelastung durch das Testprotokoll. Nicht zu unterschätzen ist dabei auch die mentale Belastung, sich auf einen All-Out-Test einzulassen. Die dazu nötigen Körner sind in einem (Indoor-)Rennen eventuell besser investiert.

Den FTP-Test kann man auch draußen fahren. Aber Achtung: Draußen erzielen die meisten Radsportler etwas höhere Werte als Indoor, bergauf höhere Werte als flach. Um Leistungsfortschritte zu dokumentieren, sollte man stets vergleichbar testen.

Indoor FTP-Tests bei Zwift sind ein guter Start

Die FTP-Tests von Zwift sind sehr gut für eine erste Orientierung und Erfolgskontrolle geeignet. Wer viele intensive Intervalle fährt und mit Powermeter Wettkämpfe bestreitet, bekommt auf diesem Weg weitere und oft relevantere Daten als mit einem einzelnen FTP-Test. Bestwerte der Tretleistung werden in der Regel immer erst im Wettkampf erzielt.

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Robert wurde 1964 in Düsseldorf geboren und fuhr seine ersten Straßenrennen mit 17 Jahren. Zum Spitzenrennfahrer reichte es nicht, aber zu späten Nischenerfolgen. 2011 gelang es Robert, Zeitfahrweltmeister der Journalisten zu werden. Nach seinem Maschinenbaustudium in Essen führte ihn sein Weg bereits 1993 zur TOUR, wo er anfangs mit der Legende Hans Christian Smolik zusammenarbeitete. Heute ist Robert freiberuflich für TOUR und BIKE unterwegs, mit den Schwerpunktthemen Aerodynamik, Messtechnik und Entwicklung neuer Prüfmethoden. Motto: Geht nicht? Gibt‘s nicht. Robert berät auch die Radindustrie und Profiteams, coacht Athleten und kümmert sich um den Radsportnachwuchs. Als Radsportler mag es Robert kurz und schnell, auf schmalen wie auf breiten Reifen.

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