TOUR Transalp 2022 - Etappe 4Mythen & Legenden

Marc Schneider

 · 13.05.2022

TOUR Transalp 2022 - Etappe 4: Mythen & LegendenFoto: Uwe Geissler

TOUR-Transalp-Streckenchef Marc Schneider hat für 2022 eine Route voller Herausforderungen und Panoramen zusammengestellt. Viel zu Schade, nur für das Rennen. Deswegen stellen wir die sieben Etappen zum Nachfahren vor.

Etappe 4: Von Livigno nach Aprica

Diese Etappe der TOUR Transalp 2022 steht ganz im Zeichen des Passo Mortirolo, der ein stolzer Mythos ist und auf wenigen Kilometern die Hälfte der Höhenmeter der gesamten Etappe beansprucht. Wer ihn in einem Jahr erklimmt, in dem Ende Mai der Giro d’Italia hier gastiert hat und es danach nicht zu viel geregnet hat, kann vielleicht noch die vielen von Fans auf die Straße gemalten Anfeuerungs-Sprüche aufsaugen – und ihnen vielleicht selbst noch etwas Motivation entlocken. Eng verbunden ist der Mortirolo mit Marco Pantani, dem sie in einer Kehre ein Denkmal errichtet haben. Diese enge Straße hinauf ist zweifelsohne ein gelebtes Stück Radsportgeschichte.

Verlagssonderveröffentlichung
Am Mortirolo erinnert ein Denkmal an Marco PantaniFoto: Uwe Geissler
Am Mortirolo erinnert ein Denkmal an Marco Pantani

Eine ganz andere Geschichte weiß das obere Veltlin zu erzählen, noch bevor es zum Einstieg des Mortirolo geht. Wenn man auf dieser Etappe von Livigno kommend Bormio links liegen lässt, führt die Strecke talauswärts in Richtung Tirano. Zwischen den Dörfern Cepina und Le Prese sticht ins Auge, dass im Tal massive Erdbewegungen im Gange waren. Am 28. Juli 1987 löste sich in der Ostflanke des Pizzo Copetto ein Bergsturz, der ein Dorf unter sich begrub, Menschenleben forderte und den Fluss Adda vorübergehend aufstaute.

Im unteren Veltlin mussten 20.000 Bewohner evakuiert werden, weil der durch den Bergsturz entstandene Damm zu brechen und der entstandene See ins Tal zu rauschen drohte. Es gelang aber glücklicherweise, den See kontrolliert abfließen zu lassen. Die Wunden im Tal sind mittlerweile beseitigt. Aber es fällt auf, dass der Talboden nun von Menschenhand planiert ist. Den Abbruch rechts oben kann man aber auch heute noch gut erkennen und man bekommt einen Eindruck von der Gewalt, die hier gewirkt hat.

Hochmoor Pian di Gembro

Geologisch interessant ist aber nicht nur diese Stelle. Eine weitere Besonderheit, weniger imposant, eher beschaulich, liegt kurz vor Aprica am Straßenrand: das Hochmoor Pian di Gembro. Das Naturreservat ist eine Oase der Ruhe, nur wenige Minuten von Aprica entfernt. Neben der Straße von Trivigno nach Aprica kann man in die Natur dieses alten Torfmoores eiszeitlichen Ursprungs eintauchen, das eine äußerst seltene Fauna beherbergt, darunter auch fleischfressende Pflanzen.

Neben einem Themenweg mit Schautafeln über die Entstehung und seine Merkmale kann man im Sommer auch die kleinsten Bewohner dieses Sumpfgebiets – Frösche, Kröten, Molche und Salamander – beobachten. Was man aber tunlichst vermeiden sollte, ist, den Versuch zu starten, das Moor zu Fuß zu überqueren. Es ist besser, den Mythos Mortirolo mit der eigenen Leistung zu befeuern, als eine Moorleichen-Legende am Pian di Gembro zu schaffen.

Das Hochmoor Pian di Gembro bietet eine atemberaubende KulisseFoto: Elio Della Ferrera
Das Hochmoor Pian di Gembro bietet eine atemberaubende Kulisse

Hier kann man einkehren

In Valdidentro nach der Abfahrt vom Passo Foscagno gibt es auf dieser Etappe der TOUR Transalp 2022 einige Bars und Restaurants am Straßenrand. Wer sich vor dem 1.250 Höhenmeter-Anstieg zum Passo Mortirolo noch stärken will, sollte spätestens in Grosotto einkehren, z.B. im Hotel le Corti. Auf dem Weg hinauf zum Pass gibt es nämlich keine Einkehrmöglichkeit. Wer oben am Pass einkehren will, muss die Strecke kurz nach links in Richtung Monno verlassen. Nach nur 750 Metern befindet sich am Straßenrand die Albergo Passo Mortirolo. Kurz vor Aprica liegen rund ums Naturschutzgebiet Pian di Gembro einige Ausflugslokale. In Aprica gibt es eine gute Auswahl, wie etwa das Ristorante Pizzeria La Caveja oder das Ristorante Francesco an der Hauptstraße.

Ein Blick auf ApricaFoto: apricaonline.com
Ein Blick auf Aprica

Abkürzungen / Varianten zur Original-Strecke

Kurz vor Grosio biegt eine Variante hinauf zum Passo Mortirolo ab, die rund 150 Höhenmeter weniger aufweist. Aprica kann zwar auch weiter unten im Tal von Cologna über Trivigno erklommen werden, aber den Mortirolo auszulassen, hieße, dieser Etappe der TOUR Transalp 2022 das Herz herauszureißen.

Der Aufstieg zum Passo MortiroloFoto: Uwe Geissler
Der Aufstieg zum Passo Mortirolo

Die Etappe als Kurztrip

Mit genug Zeit im Gepäck kann es an langen Tagen gelingen, von Aprica hurtig hinab nach Tirano zu rollen und mit der Bahn hinauf zum Bernina-Pass zu fahren, ein Erlebnis. Dann vom Bernina-Pass mit dem Rad zurück über die Forcola di Livigno (plus 300 Hm) nach Livigno rollen. Auf Radfahrer eingestellt ist aber auch All Transfers Taxi.

Die Etappe als Teil einer Rundtour (2 bis 4 Tage)

Die Etappe von Livigno nach Aprica kann man in dieser Weise zu einer Zwei-Tagestour kombinieren. An Tag zwei von Aprica bergab ins Veltlin und über Stazzona nach Tirano. Jetzt über die Schweizer Grenze und den Hammer-Anstieg über rund 1.900 Höhenmeter hinauf zur Forcola di Livigno, auf der die Schweiz wieder verlassen wird. Vorsicht! In Poschiavo verlaufen Bahngleise auf der Straße, die bergauf aber gut zu kontrollieren sind.

Marc Schneiders Tipp

Zwischen Passo Mortirolo und Aprica führt die kleine Straße über den Kamm zwischen Valtellina und Valcamonica. Bevor es hinab nach Trivigno und weiter nach Aprica geht, öffnet sich der Wald links und die Straße verläuft auf einem Panorama-Balkon vor der Gletscherwelt der Adamello-Gruppe. Hier muss man einfach mal kurz anhalten, um diesen Blick in vollen Zügen aufzusaugen.

Allgemeine Info

Wer übernachten will oder auf der Suche nach anderen touristischen Angeboten ist, wird fündig unter livigno.eu und apricaonline.com. Wer einen Fahrradservice braucht, findet in Livigno einige Shops unter livigno.eu/de/geschaefte. In Aprica ist es der Bike Shop an der Eni-Tankstelle im Zentrum an der Hauptstraße.

Die 4. Etappe von Livigno nach Aprica, 107,68 km und 2.441 Höhenmeter.

TOUR Transalp 2022 Etappe 4 HöhenprofilFoto: Veranstalter
TOUR Transalp 2022 Etappe 4 Höhenprofil

Die GPS-Daten gibt es nach der TOUR Transalp 2022, die vom 19.-25. Juni stattfindet, auf der TOUR-Website zum Download.

Wer es sich doch noch überlegt vom Touri- in den Race-Modus umzuschalten, findet alle Details zum Jedermann-Rennen über die Alpen unter www.tour-transalp.de