Der Countdown läuftDie besten Tipps für den Ötztaler Radmarathon von Janine Meyer

Jens Claussen

 · 27.07.2026

Der Countdown läuft: Die besten Tipps für den Ötztaler Radmarathon von Janine MeyerFoto: Sportograf
Kletterstark: Janine Meyer bei der TOUR-Transalp 2025, die sie auch gewonnen hat
Janine Meyer ist die erfolgreichste deutschsprachige Radmarathon-Fahrerin und hat den Ötztaler schon dreimal mit Bestzeit gewonnen. Hier gibt sie ihre persönlichen Tipps für eine erfolgreiche Teilnahme an den “Weltmeisterschaft der Radmarathons”.

Mit dem Begriff “Weltmeisterschaft der Radmarathons” adelt Janine Meyer das legendäre Jedermann-Event, das in diesem Jahr am 30. August seine 45. Austragung erlebt. Im großen TOUR-Interview meinte sie jüngst: “Als ich dort 2023 zum ersten Mal gewonnen habe, bekam ich viel mehr Aufmerksamkeit als bei anderen Erfolgen. Der Ötztaler ist und bleibt die inoffizielle Weltmeisterschaft im Radmarathon. Und: Man fährt auf komplett gesperrten Straßen, das ist keine Selbstverständlichkeit!”

Tatsächlich gehört der Alpen-Marathon über rund 227 Kilometer und mehr als 5.000 Höhenmeter zu den absoluten Highlights der Jedermann-Szene, ein Start in Sölden steht auf der “Bucket-List” vieler Radsportlerinnen und Radsportler ganz weit oben. Entsprechend schwierig ist es, überhaupt einen der 4000 Startplätze zu ergattern.

Die richtige Einteilung ist wichtig

Der Ötztaler Radmarathon ist lang, hart und schwer - nicht nur Rookies sind bisweilen völlig überfordert von der herausfordernden Abfolge von Kühtaisattel, Brennerpass, Jaufenpass und Timmelsjoch. Viele Jedermannsportler werfen sich übermotiviert gegen das Kühtai und verschleudern ihre Kräfte in der Euphorie des Auftakts. Der nicht sehr steile, aber lange Brenner verleitet zur (zu) schnellen Raserei in Gruppen - und plötzlich stehen mit Jaufen und dem Finale am Timmelsjoch zwei Prüfungen vor dem Rad, die jede für sich schon einen anspruchsvollen Rad-Tag füllen. Wer dort mit leeren Kohlenhydratspeichern ankommt und an den ersten Bergen überzockt hat, wird den Tag verfluchen, an dem er beschlossen hat, am Ötztaler Radmarathon teilzunehmen. Zumindest solange, bis das Ziel in Sölden erreicht ist.

Alle Details müssen passen

Die 48 Jahre alte Janine Meyer kann für die richtige Ötzi-Strategie als Instanz gelten. Sie hat die “Marathon-WM” bereits dreimal gewonnen und jedes Mal eineneue Bestzeit aufgestellt. Über sich selbst sagt sie: “Ich bin schon eine, die tiefstapelt, eher eine ruhige und sehr konzentrierte Person. Struktur ist mir sowohl bei der Arbeit als auch im Sport sehr wichtig. So schaue ich von Tag zu Tag und arbeite meine Aufgaben eine nach der anderen ab.” Und mit Blick auf den Ötztaler ergänzt sie: “Alles muss passen und es ist die Summe all dieser Dinge, damit das Ganze funktioniert.”

Tipps von Janine Meyer für den Ötztaler Radmarathon

  • ​Fahre das Rennen von Pass zu Pass und denke nicht von Beginn an ans Timmelsjoch.
  • Starte in die Anstiege mit etwas weniger Leistung, als du dir vorgenommen hast und schaue dann nur von Kehre zu Kehre.
  • Lass‘ dich nicht von der Geschwindigkeit anderer mitreißen - dann überziehst du schnell.
  • Der Brenner als vermeintlich leichtester Anstieg birgt die Gefahr, zu schnell zu fahren. Fahre dort unbedingt in einer Gruppe, versuche für Jaufenpass und Timmelsjoch Körner zu sparen und stecke die Nase nicht unnötig in den Wind.
  • Teste deine Ernährungsstrategie für den Ötztaler vorher bei langen Trainingsfahrten und/oder Wettkämpfen. Nur so bekommst du ein Gefühl dafür, was dein Körper, insbesondere nach langen Stunden im Rennsattel, noch verträgt. Du solltest trainieren, auch noch zum Ende des Rennens 80-100 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde aufnehmen zu können. Wenn du die Kohlenhydrate nicht ausschließlich flüssig über Gels und Flaschendrinks zuführen möchtest, kannst du immer wieder einen Riegel einstreuen.
  • Gegen Ende lässt die Kraft mehr und mehr nach. Wähle eine Übersetzung an deinem Rad, die es dir ermöglicht, am Timmelsjoch noch auf ein größeres Ritzel zurückgreifen zu können. Beispiel: Kompaktkurbel 50x34 mit einem 34er- oder 36er-Ritzel hinten.

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