Irrer Duathlon von Anton PalzerMarienplatz - Zugspitzgipfel in 4:43 Stunden

Kristian Bauer

 · 09.07.2026

Anton Palzer Zugspitze
Foto: Anderl Hartmann
Diese Zeit kann man kaum glauben: Der 33-jährige Anton Palzer absolviert am 23. Juni 2026 einen “Duathlon” vom Münchner Marienplatz auf die Zugspitze in 4 Stunden, 43 Minuten und 46 Sekunden. Die Gesamtstrecke umfasst 115 Kilometer und 3036 Höhenmeter. Der Berchtesgadener startet um 3 Uhr morgens, radelt 100 Kilometer bis ins Reintal und läuft die letzten 15 Kilometer mit 1950 Höhenmetern über die Reintal-Route zum Gipfel.

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Der ehemalige Radprofi des Teams Red Bull-BORA-hansgrohe nutzt seine Form aus der Radsportkarriere für ein sportliches Projekt: Mit dem Rennrad vom Marienplatz in München zum Fuß der Zugspitze und dann laufend bis zum Gipfel. Am 23. Juni um 3 Uhr morgens drückte Anton Palzer am Münchner Marienplatz den Startknopf seiner Sportuhr. Die Route führte über Sendling, Baierbrunn, Schäftlarn und Wolfratshausen nach Süden. Ab Penzberg wurde es hell, die Berge wurden sichtbar. Nach 2 Stunden und 17 Minuten erreichte Palzer das Olympia-Skistadion von Garmisch-Partenkirchen zum Sonnenaufgang.

„Aus eigener Kraft von der Landeshauptstadt zum Gipfel der Zugspitze - diese Idee hat mich fasziniert. Ich wollte einfach austesten, in welcher Zeit ich das schaffen kann. Es ist eine Strecke, auf der ich meine Fähigkeiten und Leidenschaften ausspielen kann. Seit 2023 hatte ich diese Idee im Hinterkopf. In den letzten Jahren als Radprofi war es terminlich nicht möglich, ich wollte aber für dieses Projekt auch noch von der guten Form auf dem Rad profitieren - der Zeitpunkt war also jetzt perfekt", erklärt Palzer am Zugspitzgipfel.

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Die Radstrecke von Anton Palzer

Die 100 Kilometer lange Radstrecke mit 1086 Höhenmetern stellte die erste Etappe dar. Palzer kämpfte mit Gegenwind, der die Zeitplanung erschwerte. Der steile Anstieg über die Hornschlittenbahn zur Partnachalm forderte die Beine. „Auf der Radstrecke war mehr Gegenwind als erwartet. Im Rahmen der angepeilten Zeit zu bleiben, war echt hart. Über die Hornschlittenbahn zur Partnachalm hat's dann ganz schön weh getan - das sind brutale Rampen da hoch. Die letzten Meter über die Forststraße zum Umschlagplatz im Reintal konnte ich dann kurz nutzen, um die Beine vor dem Berglauf ein wenig aufzulockern", beschreibt der Athlet die Strapazen.

Um 5:41 Uhr erreichte Anton Palzer sein Materialdepot im Reintal. Die Radstrecke mit 1086 Höhenmetern hat er in einem Schnitt von 37,3 km/h absolviert. Ein extremer Schnitt für so eine Distanz. Der Wechsel vom Rad zum Berglauf dauerte nur drei Minuten. Die Alpinliteratur veranschlagt für die folgende Strecke normalerweise 9 Stunden. Vor Palzer lagen 15 Kilometer und 1950 Höhenmeter bis zum Gipfel.

„Früh zu starten, war in vielerlei Hinsicht entscheidend. Wenig Verkehr in München und Garmisch ist entspannter und schneller. Auch am Gipfel ist es ein Privileg, wenn man den Moment am höchsten Berg Deutschlands für sich alleine genießen kann. Dementsprechend musste ich auf jeden Fall vor der ersten Gondel oben sein", begründet Palzer die frühe Startzeit.

Der Berglauf zum Gipfel

Die Laufstrecke beginnt entlang der Partnach. Der Weg führt an der Bockhütte und der Reintalangerhütte vorbei zum Talschluss. Am Reintalanger erlebte Palzer einen besonderen Moment. „Am Reintalanger dann endlich die ersten Sonnenstrahlen. Das Berggras hat im Morgentau geglitzert, ich war völlig alleine in diesem riesigen Talkessel unterwegs - der Moment hat nochmal richtig Energie geliefert", schildert er die Eindrücke.

Steile Serpentinen führen zur Knorrhütte. Das Moränengelände des Zugspitzplatt folgt. Um 7:26 Uhr passierte Palzer das Schneefernerhaus. Die letzten Höhenmeter über den Südwestgrat zum Münchner Haus wurden zur größten Herausforderung. „Die Kamelbuckel zwischen Knorrhütte und Schneefernerhaus ziehen sich ordentlich, man fühlt sich ziemlich klein in dieser imposanten Umgebung. Am Südwestgrat wurde es dann hart. Ich war schon ziemlich leer, die Stufen zum Münchner Haus musste ich dann mal kurz auf allen vieren bewältigen", berichtet der 33-Jährige.

Ankunft von Anton Palzer am Gipfelkreuz

Um 7:43 Uhr erreichte Anton Palzer das Gipfelkreuz der 2962 Meter hohen Zugspitze. Nebel zog von Westen heran, von Osten schien die Sonne. Der Athlet hangelte sich an den Stahlseilen entlang und stoppte seine Uhr: 4 Stunden, 43 Minuten und 46 Sekunden. „Das hat schon weh getan, im roten Bereich war ich Dauergast heute. Mich auf dem Rad und in den Bergen immer wieder am Limit zu bewegen, ist für mich aber pures Glück", fasst Palzer die Belastung zusammen.

Zur Frage nach einem Rekord äußert sich der Berchtesgadener zurückhaltend. „Mein Ziel war eine Zeit unter fünf Stunden. Das habe ich geschafft und dafür habe ich wirklich alles gegeben. Ob wir jetzt von einem Rekord sprechen oder nicht, das ist mir gar nicht so wichtig. Ich bin zufrieden und freue mich jetzt auf ein zweites Frühstück", erklärte er am Gipfel.

Der Athlet und seine Karriere

Anton Palzer war vor seiner Radsport-Karriere in mehreren Bergsportdisziplinen auf Weltklasse-Niveau aktiv. “Goschn polieren” ist das Markenzeichen von “Doni”. Von 2021 bis 2025 fuhr Palzer als Radprofi für das UCI WorldTour Team Red Bull-BORA-hansgrohe. Er startete beim Giro d'Italia und bei der Vuelta a España. Im Skibergsteigen erreichte er den Vize-Weltmeistertitel und mehrere Weltcup-Siege. 2026 gewann er die Tour du Rutor.

Im Berglauf hält Palzer seit dem 26. Juni 2020 die Rekordzeit für die Watzmann-Überschreitung. Die Bestmarke liegt bei 2 Stunden und 47 Minuten. Die Kombination aus Ausdauer, technischer Geländekompetenz und Radsport-Erfahrung zeichnet seine sportliche Vielseitigkeit aus. Das Projekt München-Zugspitze hatte Palzer seit 2023 geplant und wartete auf den richtigen Zeitpunkt nach dem Ende seiner Radprofi-Karriere.

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Kristian Bauer

Kristian Bauer

Redakteur

Kristian Bauer ist gebürtiger Münchner und liebt Ausdauersport – besonders wenn es in die Berge geht. Er ist ein Fan der Tour de France und bevorzugt solide Rennradtechnik. Er führt für TOUR Interviews, berichtet von Events im Hobbyradsport und schreibt Artikel über die Fahrradbranche sowie Trends im Rennradsport.

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