Zur Erinnerung, falls du meinen ersten Artikel verpasst hast: Ende Juni fahre ich die 3-Tages-Challenge der TOUR Transalp. Drei Etappen durch Osttirol und die Dolomiten, rund 350 Kilometer und 6.000 Höhenmeter, mit Pässen wie dem Staller Sattel und dem Passo Giau. Nach einem Jahr, in dem ich wegen Verletzungen kaum auf dem Rad saß. Klingt nach einer Schnapsidee? Vielleicht. Aber genau deshalb mache ich es.
Bleibt die Frage, wie man sich auf so etwas vorbereitet. Und da wird es interessant.
Wenn ich ehrlich bin, war mein Training wenig strukturiert. Zweimal saß ich auf dem Rennrad. Der Rest: Gravel, ein paar Intervalle, hier und da eine Einheit auf dem Smart Bike. Kein klassischer Trainingsplan mit Wochenstruktur, Belastungssteuerung und sauberen Blöcken. Eher das, was zwischen Job und Schlafen gepasst hat.
Der mit Abstand sinnvollste Teil meiner Vorbereitung war keine Trainingseinheit, sondern ein Urlaub.
Eine Woche lang war ich mit dem Gravelbike und Bikepacking-Gepäck in den Alpen unterwegs – als Urlaub geplant, nicht als Vorbereitung. Und trotzdem war es genau das. Von Tirol über die Schweiz bis nach Italien, Tag für Tag über Pässe. Die Zahlen sprechen für sich: Meine Queen's Stage hielt über 3.000 Höhenmeter bereit – so nennt man die schwerste Etappe eines Rennens, im Männerrennen ist es die Königsetappe. An mehreren anderen Tagen fuhr ich deutlich über 1.500. Unterm Strich rund 9.700 Höhenmeter in einer Woche – mit Gepäck, auf Schotter, oft bei 38 °C.
Das war kein Intervalltraining. Aber es war genau das, was meine Beine und noch viel mehr mein Kopf vor drei Tagen Radrennen brauchen: Stunden im Sattel, Höhenmeter, die Überzeugung, dass ich es kann. Ich tankte neues Selbstbewusstsein. Dass meine Beine sich jeden Tag fast frisch anfühlten, machte mich zwar stutzig – aber im positiven Sinn. Es hat nicht gestört, nur gepusht und meinen Kopf wieder von den Fähigkeiten meines Körpers überzeugt. Wer schon mal mehrere Tage hintereinander in den Bergen gefahren ist, weiß: Dieses Gefühl, dass der Körper Tag für Tag mitmacht, kann man auf der Rolle nicht erzeugen.
Nach der Tour war klar: Die Form ist da, und vor allem der Glaube daran. Zum ersten Mal seit langem hatte ich wieder das Gefühl: Ich kann das.
Zehn Tage vor dem Start stand eine Muttermal-Operation an. Nichts Dramatisches, aber genug, um mich zu einer Sportpause zu zwingen. Ausgerechnet jetzt, in der Phase, in der man eigentlich die letzten Reize setzt.
Ich hatte mit drei bis vier Tagen Sportverbot gerechnet. Dass es länger werden würde, hat mich dann doch etwas erschüttert. Die Ärztin sagte: 14 Tage. Ich sagte: In zehn Tagen habe ich ein Radrennen.
Dann erklärte sie es mir genauer. Theoretisch könnte ich auch morgen wieder fahren – aber Schweiß kann zu Entzündungen führen, deshalb besser ein paar Tage Pause. Und wer nach zehn Tagen wieder in die Pedale tritt, riskiert, dass die Narbe nicht so schön verheilt. Ich dachte mir: Zum Glück sitzt sie hinten am Schulterblatt. Die sehe ich sowieso nie.
Also: Tapering deluxe – nur nicht ganz freiwillig.
Ehrlich gesagt ist das gar nicht das schlechteste Szenario. Nach einer fordernden Bergwoche ist Erholung sowieso das, was den Körper stärker macht. Der Trick ist, dem Ganzen nicht in die Quere zu kommen. Vielleicht baue ich noch ein paar einbeinige Kniebeugen und Split Squats ein, um die Muskulatur wach zu halten und dem Körper ein bisschen Spannung zu geben – aber vorsichtig, ohne viel zu schwitzen, damit die Narbe in Ruhe verheilt. Da kommt es mir auch gelegen, dass es gerade keine 30 Grad mehr hat – weniger Schwitzen, weniger Risiko.
Eine seriöse Vorhersage gibt es zehn Tage vorher noch nicht – aber das typische Juni-Muster in den Dolomiten ist ziemlich verlässlich: sommerlich warm, viele Sonnenstunden, dazu die Gefahr, dass sich nachmittags Quellwolken auftürmen und einzelne Gewitter losbrechen. In den Bergen kann das schnell gehen. Mit meiner finalen Packliste warte ich also noch. Eins ist aber klar: Sonnencreme und Regenjacke werden Teil meines Gepäcks. Sonnencreme nutze ich jeden Tag, die Regenjacke nehme ich mit, damit es nicht regnet. Bei dem Wetter und dieser Kulisse fällt mir die Vorfreude leicht – und vielleicht geht es euch beim Lesen ja ähnlich.
Wäre das ein klassischer Trainingsplan, würde an dieser Stelle stehen: alle Häkchen gesetzt, perfekt vorbereitet. So ist es nicht. Aber ich habe Höhenmeter in den Beinen, einen Kopf, der wieder Lust auf Herausforderung hat, und ein Rad, das passt.
In einer Woche geht es los. Mal sehen, was die Beine sagen.
Warst du schon mal bei der TOUR Transalp dabei – oder steht es noch auf deiner Liste? Ich freue mich über deine Erfahrungen, Tipps und Geschichten in den Kommentaren. Und vielleicht sehen wir uns ja sogar an der Strecke. Bist du dieses Jahr dabei?
Falls du noch nicht angemeldet bist, aber beim Lesen spontan Lust bekommen hast, selbst zu starten: Für die TOUR Transalp gibt es noch Last-Minute-Startplätze. Hier geht's zur Anmeldung.

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