Barbara Merz-Weigandt
· 08.08.2026
Wer kennt es nicht: Der perfekte Tourentag, die Serpentinen einer Passstraße vor dir, fünf Kilometer vom nächsten Parkplatz entfernt. Und dann das. Ein trockenes Knack, ein kurzer Moment der Schwerelosigkeit an der Kurbel – und das böse Erwachen. Kettenriss. Willkommen im Club der unfreiwilligen Schiebetouren.
Dabei muss das Drama nicht zwingend im Desaster enden. Wer vorbereitet ist, hat das Rad in zehn Minuten wieder fahrbereit.
Bevor wir zum Reparatur-Game kommen, kurz zur Ursache: Eine übliche 11- oder 12-fach-Kette ist ein Präzisionsbauteil mit erschreckend wenig Material. Die Laschen sind hauchdünn, die Nieten filigran. Kombiniert man das mit einer verschlissenen Kassette, einem verzogenen Schaltwerk oder dem beherzten Antritt beim Überholmanöver am Gegenanstieg, ist der Bruch nur eine Frage der Zeit.
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen – oder der Fahrer mit Miniwerkzeug vom Fahrer ohne. Eine Auswahl von guten Minitools findet ihr hier.
Das absolute Minimum im Touren-Rucksack:
Ein Kettennieter (oder Multitool mit integriertem Nieter) und ein Quick-Link passend zur eigenen Kettengröße. Das ist kein Luxus, das ist Pflicht. Wer argumentiert, das sei zu schwer oder überflüssig, muss dann gegebenenfalls schieben.
1. Ruhe bewahren und Schaden begutachten Wo genau ist die Kette gerissen? Einzelnes Glied gebrochen, Niet rausgeflogen oder Quick-Link defekt? Wisch die Kette sauber – mit dem Jerseyärmel oder am besten einem Lappen.
2. Schadhafte Glieder entfernen Mit dem Kettennieter das beschädigte Glied (oder die beschädigten Glieder) entfernen. Nie einen alten Niet wieder verwenden! Der Niet ist nach dem Herausdrücken kompromittiert.
3. Quick-Link setzen Die beiden Kettenenden zusammenführen, Quick-Link einhängen, kurz mit Druck auf die Pedale treten – und einrasten lassen. Klingt einfach, vorausgesetzt, du hast den richtigen Link dabei. 12-fach Quick-Links in eine 11-fach-Kette passen nicht.
4. Kettenlänge prüfen Kürzere Kette bedeutet: Vorsicht beim Schalten auf die großen Ritzel. Im Zweifelsfall auf das kleine Kettenblatt und mittlere Kassettenpositionen beschränken. Lieber mit eingeschränktem Schaltumfang nach Hause, als mit gerissener Kette im Schaltwerk.
Quick-Link vergessen, Kettennieter zu Hause gelassen? Dann wird's kreativ. Mit ausreichend entfernten Gliedern lässt sich die Kette so kürzen, dass sie – ohne Schaltwerk – auf einem fixen Gang läuft. Das Schaltwerk wird mit einem Kabelbinder fixiert oder einfach abgehängt, die Kette auf einem mittelgroßen Ritzel gespannt.
Der Kettenriss ist selten ein Unfall. Er ist meistens eine Quittung. Für zu wenig Wartung, zu seltenes Kettenwechseln, zu mutiges Schalten unter Volllast. Die Kette ist das am meisten vernachlässigte Verschleißteil am Bike – dabei ist sie das einzige, das die Power deiner Beine auf die Straße bringt.
Faustregel: Kette alle 1.000 bis 1.500 Kilometer messen. Bei 0,5 Prozent Reckung tauschen. Wer bis 0,75 Prozent wartet, zahlt bald eine neue Kassette.
Und: Immer mit Quick-Link und Multitool losfahren. Das ist die Pflichtausstattung, keine Option. So wie der Helm.
Ihr habt einen besseren Trick für die Notlösung? Her damit. Die besten Touren-Hacks kommen aus der Community

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