Die alte Passstraße, die das schweizer Albulatal bereits seit 1695 mit dem Oberengadin verbindet, ist nur vier Monate im Jahr geöffnet (Juli bis Oktober). Wenn sie dann noch einmal im Jahr nur für Radfahrer freigegeben ist, dann sollte man diesen Tag nutzen. Zum Einen, weil die Straße selbst bereits eine gewisse Historie hat. Zum Anderen, weil es praktisch hinter jeder Kehre etwas zu bestaunen gibt: Man passiert Filisur und Bergün, zwei ausgesprochen hübsche romanische Dörfer mit Dorfplatz und Sgrafitti verzierten Häusern. In der Bergüner Klamm geht’s durch eine Felsgalerie, während 100 Meter tiefer die Albula tost und immer wieder kreuzen die Schienen des Glacier Expresses. Der überquert auf diesem Abschnitt Viadukte und legt bei Muot sogar eine 360-Grad-Kehre hin. Schließlich erreicht man ein hochalpines Hochplateau, das allein mit seiner Aussicht auf die 3000er Piz Eta und Piz Kesch erfrischt.
Apropos erfrischen: Der Pass ist bekannt für seine kurzen Wintereinbrüche. Auch schon mal im Hochsommer. Warme Klamotten sollten daher immer mit auf die Tour. Hartgesottene können auch die Badesachen einpacken, denn es geht weiter am tiefgrünen Lai da Palpuogna vorbei, bevor im Val di Diavel (Teufelstal) rechts und links noch die Felstrümmer des letzten Felssturzes vom Piz de la Plais herumliegen. Relativ kurz fällt nach der Passhöhe auf 2315 Metern die Abfahrt ins Oberengadin aus: 9 Kilometer, 9 Serpentinen und 654 Tiefenmeter. Allerdings genießt man dabei eine Art Balkon-Ausblick aufs Inntal.
Am autofreien Sonntag im September dürfen (E-)Radfahrer aller Art, aber auch alle anderen unmotorisierten Rollsportfans (z. B. Inlineskater, Rollskifahrer) den Albulapass von beiden Seiten angehen. Wer die maximal 12 Prozent Steigung fürchtet, darf sogar in die Rhätischen Bahn einsteigen und abkürzen. Ab Bahnhof Preda sind es dann nur noch 500 Höhenmeter zum Selbstkurbeln.
Allerdings verpasst man dann einiges von dem geplanten Jubiläumsprogramm: Es wird Live-Musik entlang der Strecke geben und natürlich jede Menge Verpflegungsstände am Dorfmarkt in Filisur, aber auch den legendären Alpenkebab in Bergün, Crespelle beim Albula Hospiz, Gerstensuppe auf der Alp Alesch und Pizokels in La Punt. Außerdem sind dieses Jahr Gewinnspiele, ein Bogenschieß-Parcours und eine Alpin-Sauna oben am Pass geplant.
Es wäre also schade, wenn man diesen Tag nur für einen neuen Strava-Rekord nutzen und all diese Highlights und Programmpunkte nur aus den Augenwinkeln erleben würde. Man darf sich auf den 30 Kilometern und 1300 Höhenmetern ruhig auch mal locker machen und diese sechs Stunden motorenlärm-freie Zeit gebührend genießen.
Termin: 6. September, 10 - 16 Uhr
Westauffahrt von Filisur: 21,8 km / 1344 hm
Ostauffahrt von La Punt im Oberengadin: 9,1 km / 654 hm
Details: slowup.ch/albula

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