Thomas Rögner
· 15.09.2026
Wow. Panoramablicke ohne Ende über saftiggrüne Hügel, Wälder, Weiden und Weinreben. Ich kann mich gar nicht sattsehen. Mein „Tourguide“ David Schöggl muss fast schmunzeln über meine Begeisterung. Der ehemalige Transalp-Sieger ist in der Südsteiermark geboren und kennt diese phantastischen Ausblicke seit Jahren.
Zum Glück konnte ich genügend Kalorien bunkern am reichhaltigen Buffet meines Hotels „Das Schmied“, denn das häufige Auf und Ab verbraucht einige Körner. Die malerische Hügellandschaft ist jedoch nicht das einzige Plus für engagierte Gravelbiker. Das milde Klima, das diese einzigartige Kulturlandschaft an der Grenze Österreichs zu Slowenien prägt, ermöglicht auch eine lange Aktiv-Saison für Radbegeisterte. Fast ganzjährig sind Touren möglich. Die nahegelegene Adria und ihre Hochs sorgen für den typischen goldenen Herbst. Die tiefen Lagen profitieren im Frühjahr bereits von warmen Luftströmungen. „Ich mag kein Schneetraining, meine Heimat ist das beste Winterrevier für mich“, meint David. Seit zwei Stunden sind wir auf der Weinstraßentour mit unseren Gravelbikes unterwegs. Ich versuche mich jedes mal neu zu orientieren, wenn wir wieder einen Rücken zwischen den Flusstälern erklommen haben. Selbst die drohenden Gewitterwolken können der Südsteiermark nichts von ihrer Freundlichkeit nehmen.
Die Touren entlang der Weingärten und Hügel in der Südsteiermark summieren sich auf fast zweitausend Kilometer, die – je nach Radtyp und Anspruch – entsprechend beschildert sind. Einmalig sind auch die Angebote fürs „Carboloading“. Diese Bezeichnung ist eigentlich zu profan für die Region mit ihrer bunten Einkehrkultur, die von leckeren einheimischen Produkten geprägt ist. Der frische knackige Roséwein „Schilcher“ war selbst mir als Traubenliebhaber nicht bekannt. Dabei gibt es für die autochthone Rebsorte eine eigene Weinstraße, die Schilcherweinstraße. Auf unseren Runden durchfahren wir auch immer wieder die Sausaler Weinstraße und die Südsteirische Weinstraße.
Perfekt sind die Wechsel zwischen zügigen Flachpassagen an Flussradwegen und den sanften Anstiegen, die weite Aussichten garantieren, alles auf Schotter- und kleinen Straßen. Eingestreute Wald- und Wurzelpassagen wie bei der Remschniggalm-Tour fordern meine volle Konzentration am Gravel-Lenker. Flüsse und Bäder laden immer wieder zur Abkühlung ein, doch David bleibt zügig im Tritt. Zum Glück ist er im Recovery-Mode unterwegs, da er am Wochenende einen 200-Kilometer-Marathon gefahren ist. Wir nehmen alle Panoramablicke der Weinstraßentour mit, und ich bin versucht, viel häufiger einen Fotostopp einzufordern. Doch die tollen Ausblicke reihen sich aneinander und bald genieße ich es, die Landschaft einfach aufzusaugen.
Ich bin begeistert, wie gut sich die Südsteiermark auf Radsportler ausgerichtet hat. Tourenkarten mit allen Routen, digital und auf Papier, dazu ein Beschilderungssystem mit Farbgebung für Charakter und Schwierigkeitsgrad machen es leicht, die Region aktiv zu erkunden. Aus den neun Gravelstrecken lassen sich sicher mindestens doppelt so viele Touren „stricken“. Bei einem Glas Schilcher und einer üppig gefüllten Jausenplatte im Weingut und Buschenschank Haring-Pichlippi philosophiere ich mit David über andere tolle Radreviere der Welt. Mit diesen kann es die Südsteiermark allemal aufnehmen. Nach den 70 Kilometern spüre ich meine schweren Beine und freue mich schon auf das Schwimmbecken im Hotel „Das Schmied“. Der Abschluss eines perfekten Tags im Sattel.
Die Tour Weite Runde bis Gamlitz mit phantastischen Panoramablicken über die Weinreben und die Hügellandschaft. Mehrere Aufstiege und Abfahrten, wie auf den Schloßberg, Seggauberg, Eichberg, Kranachberg, Karnerberg. Man pendelt zwischen 300 und 600 Metern Höhe. Dazwischen Flachpassagen entlang der Flüsse Sulm und Mur. Knackige Einlagen über Wiesenwege und Trails. Viele Einkehrmöglichkeiten, da man sich von einem Weingut/Buschenschank zum nächsten hangelt. Echte Tagestour: Genügend Zeit einplanen, da allein die Zeit im Sattel je nach Kondition rund sechs Stunden und mehr beträgt.
Da muss man anhalten Wer noch weitere Blicke genießen will, besteigt die Eichberger Kreuzbergwarte. Das Sulmbad am Steinernen Wehr ist die ideale Abkühlpause. Lohnenswert: Schloss Seggau. In Gamlitz große Speisenauswahl im Hotel Wratschko, auf Radsportler spezialisiert.
Startpunkt Hotel Das Schmied in Arnfels, hotel-schmied.at
Einkehr
Die Tour Coole Runde für Grenzgänger, die wir im Uhrzeigersinn gefahren sind. Der längere Anstieg zur Remschniggalm benötigt gute Beine. Danach wird man auf dem Weg zur Kirche St. Pongratzen mit sportlichen Geländeeinlagen, mehrmaligen Grenzübergängen nach Slowenien (keine Kontrollen!) und weiten Aussichten über die Almenlandschaft und Weinberge belohnt. Je nach Startort kann man sich im Tal entlang der Saggau warmfahren. Startet und endet man in Eibiswald, empfiehlt sich das Weingut und Buschenschank Haring-Pichlippi abends als perfekter Abschluss. Insgesamt sollte man sich von den „wenigen“ Kilometern nicht täuschen lassen. Durch den Gesamtanstieg von rund 800 Höhenmetern ist die Tour durchaus anspruchsvoll.
Da muss man anhalten Pausenstopp in der frei gelegenen Remschnigg Almhütte, die südlichste Alm der Steiermark. Auf rund 750 Metern wird man mit typischer steirisch-deftiger Kost bewirtet.
Startpunkt Hotel Das Schmied in Arnfels, hotel-schmied.at
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