Rennrad-Highlight in der ValtellinaPasso di Gavia und Mortirolo autofrei erleben

Gitta Beimfohr

 · 26.05.2026

Die Südauffahrt zum Gavia hat 5 Serpentinen mehr und die landschaftlich spannendere Landschaft.
Foto: Stevens / Markus Greber
Zwei Giro d’Italia-Legenden auf einen Streich: Sommer im Nationalpark Stilfserjoch! Ab Juni werden die Asphaltkehren von Gavia- und Mortirolo-Pass für die Saison 2026 eröffnet. An diesen vier Tagen im Rahmen der "Enjoy Stelvio Valtellina" sind die Pässe sogar autofrei.

“Passo della Testa di Morto” wurde der Gaviapass im Mittelalter ehrfürchtig genannt. Auf deutsch: “Totenkopfpass”. Angelegt als Hauptverbindungsroute zwischen Venedig und Nordeuropa machte er den Händlerkarawanen mit Lawinen, Nebel und Steinschlag das Leben schwer. So mancher kam dabei zu Tode. Auch deshalb wird der 2621 Meter hohe Pass zwischen Bormio und Ponte di Legno heute nur im Sommer für den Verkehr freigegeben (Juni bis Mitte Oktober). Erst 2022 wurden seine Kurven komplett neu asphaltiert, was ihn vor allem für Motorradfahrer so attraktiv macht. An zwei Tagen im Jahr aber, wird der Gavia für den motorisierten Verkehr gesperrt und ausschließlich für Radfahrer freigegeben. Eine mit 1400 Höhenmetern und einigen Rampen versetzte, aber landschaftliche beeindruckende Panoramafahrt.

Gavia - nie haben die Profis beim Giro mehr gelitten

Man muss sich nur entscheiden, von welcher Seite man den legendären Giro d’Italia-Pass angehen möchte: Auf der breiteren Nordrampe mit mehr Steigungsprozenten und zehn strammen Kehren auf halber Höhe im Wald oder lieber von der Südseite her. Diese Passseite ist erst seit den 90er-Jahren durchgängig asphaltiert und teilweise so schmal und engkurvig angelegt, dass der Autoverkehr einspurig geführt werden muss.

Wichtig wäre nur, dass an den beiden autofreien Tagen Freitag, 5. Juni und Sonntag, 30. August 2026 schönes Wetter über dem Gavia glänzt. Nur so kann das Ortler- und Gletscher-Panorama, das mit jeder erkurbelten Kehre wächst, auch zur Geltung kommen. Leider ist der Pass eher für seine sommerlichen Wintereinbrüche bekannt, wenn es um Radsport-Veranstaltungen geht. Als im Juni 1988 das letzte Mal das Fahrerfeld des Giro d’Italia durch seine Kehren schoss, hagelte es Schnee und Graupel vom Himmel. Es waren die härtesten Wetterbedingungen, die je beim Giro durchlitten werden mussten. Auch die BIKE Transalp stand vor ein paar Jahren Mitte Juli bereits in den Startlöchern, als ein massiver Gewittersturm über den Gavia fegte und die Etappe abgesagt werden musste.

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Doch bei den autofreien Passtagen handelt es sich ja um Events ohne Stoppuhr. Die Teilnahme ist gratis für sämtliche Fahrrad-Kategorien, und eine Anmeldung ist auch nicht nötig. Am besten plant man gleich die große Klassikerrunde ein: Die führt über die Mazzo-Auffahrt zum Mortirolo-Pass (1852 m) und nimmt anschließend die Südrampe zum Gavia hinauf. Gesamt: 110 Kilometer und 3200 Höhenmeter. Auch für den Mortirolo gibt es zwei autofreie Tage im Sommer, allerdings zeitlich um ein paar Tage zum Gavia versetzt (9. Juni, 8:30 - 13 Uhr) / 28. August (8:30 - 12 Uhr).

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Nordrampe Gaviapass:

  • Startort: Bormio (1217 m)
  • Länge: 26 km
  • Bergauf: 1401 Höhenmeter

​Die 26 Kilometer lange Nordanfahrt von Bórmio (1217 m) zum Gaviapass hinauf führt durchs Valfurva und folgt anfangs dem Torrente Frodolfo, dem wilden Schmelzwasser des Forni-Gletschers bis nach S. Caterina (1736 m). Diese ersten 13 Kilometer halten bereits ein paar 12-Prozent-Rampen bereit. Im Wald geht es mit den Serpentinen los. Die Straße wird schmäler und ist hier in zehn kernige Schleifen verlegt. Doch dann treten die Bäume zurück und der Blick auf die Punta San Matteo (3678 m) wird frei. Die Straße wird flacher, man passiert das Rifugio A. Berni und dann sind es nur noch zwei Panorama-Kilometer bis zur Passhöhe.

Südrampe Gaviapass:

  • Startort: Ponte di Legno (1258 m)
  • Länge: 18 Kilometer
  • Bergauf: 1360 Höhenmeter

​15 Kehren: Die Südanfahrt von Ponte di Legno (1258 m) ist mit ihren 15 Kehren deutlich entspannter und landschaftlich vielleicht noch einen Tick schöner: In Sant' Apollonia stehen die ersten zehn Serpentinen in den Stilfserjoch Nationalpark hinauf an. Dann verjüngt sich die Straße auf einspurig, lässt Steigungsprozente von 14 und 16 Prozent los, öffnet aber auf einer Geraden Ausblicke in beide Richtungen. Allerdings erst, wenn man den 800 Meter langen Tunnel hinter sich gelassen hat. Die Umfahrung der alten Strecke ist derzeit mit einem Bauzaun gesichert. Aber ob und wann eine Sanierung ansteht, war nicht in Erfahrung zu bringen. Auf den letzten drei Kilometern helfen nochmal Serpentinen eine Felsstufe hinauf mit Traumblick auf den Lago Nero in seinem hochalpinen Almbett.

Termine 2026:​

  • Gavia-Pass: 5. Juni (Freitag) / 30. August (Sonntag) jeweils von 9 - 13 Uhr
  • Mortirolo-Pass: 9. Juni (Dienstag, 8:30 - 13 Uhr) / 28. August (Freitag, 8:30 - 12 Uhr)

Info: bormio.eu

Gitta Beimfohr

Gitta Beimfohr

Redakteurin

Gitta Beimfohr stieg während ihres Tourismus-Studiums ins BIKE-Reiseressort ein, als die Strada delle 52 Gallerie am Pasubio gerade für Mountainbiker gesperrt wurde. Seit Gitta die Alpen zwei Mal im Renntempo überquerte, mag sie am liebsten Mehrtagestouren – mit dem MTB in den Alpen oder per Gravelbike durch deutsche Mittelgebirge.

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