Gitta Beimfohr
· 31.07.2026
Fünf Jahre und drei Monate lang schufteten insgesamt 2000 Arbeiter am Kurvenmeisterwerk Stelvio. Dann konnte der österreichische Kaiser Franz I. die 50 Kilometer lange Verbindung zwischen Südtirol und Lombardei schließlich für den Verkehr freigeben. Es war das Jahr 1832. Eine Zeit also, in der keine Autos, sondern Pferdeschlitten auf der Passstraße loszuckelten. Von Prad nach Bormio konnte man es in den Wintermonaten auf diese Weise in 9 Stunden schaffen - wenn man unterwegs mehrmals die Pferde wechselte.
Heute versuchen sich Radfahrer an ganz anderen Rekordzeiten auf den berühmten 48 Kehren der Südtiroler Seite. Die schnellste bisher gemessene Zeit für die 24,9 Kilometer und 1846 Höhenmeter von Prad aufs Stilfserjoch hält offiziell der kanadische Radrennfahrer Jack Burke mit 1:08:27 Stunden. Fakt ist, dass bei solchen Fabelzeiten nichts dazwischen kommen darf. Vor allem kein Lindwurm aus Autos, Motorrädern und Linienbussen, so wie es im Sommer eigentlich jeden Tag der Fall ist.
Außer an diesem einen Samstag Ende August, wenn die Stilfserjoch-Straße für den motorisierten Verkehr gesperrt und nur für Radfahrer geöffnet wird. Passstraßen-Fans aus aller Welt werden am 29. August um 8 Uhr wieder in Prad an der Startlinie stehen - egal bei welchem Wetter. Denn diesen Tag, an dem man jede einzelne Kehre frei von Gehupe, Drängelei und Abgasen inhalieren darf, möchte kein echter Radsportler verpassen.
Es gibt keine Anmeldung oder Zeitnahme und es ist auch völlig egal, mit welcher Art Zweirad man zu diesem Event angerollt kommt. Wobei man als Mountainbiker an diesem Tag gern - wie im Mittelalter -die “Pferde wechseln” würde. So könnte man mit dem Rennrad die legendäre Passstraße hochzwirbeln und oben am Stilfserjoch aufs Mountainbike wechseln, um anschließend einen der nicht weniger gefeierten Abfahrtstrails in Angriff zu nehmen. Zum Beispiel Goldseeweg, Bimbam-Trail oder den Supertrail vom nahen Umbrailpass hinunter. Vorteil an dieser Variante: Man hat bergab freie Bahn. Auf der Straße werden sich an diesem Tag bei schönem Wetter etwa 10.000 Radfahrer tummeln und sie haben bis 16 Uhr Zeit.

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