Laura Claus von GRL PCK ist überzeugt, eine solche Rally verändert zwar nicht gleich den gesamten Sport, aber verändert bei einzelnen Menschen ganz konkret etwas. Und wenn viele Communities solche Zugänge zum Radsport schaffen, entsteht daraus irgendwann etwas Größeres.
Als feststand, dass die Tour de France Femmes avec Zwift 2026 in Lausanne startet, fragte sich das Team von GRL PCK: Warum fahren wir nicht selbst mit dem Rad dorthin – inklusive Umweg durch die Alpen? Und warum machen wir daraus ein Abenteuer, zu dem wir andere Frauen einladen?
So entstand die GRL PCK Rally: rund 800 Kilometer von München nach Lausanne, sieben Tage unterwegs – und am Ende gemeinsam an der Strecke stehen und die Profis anfeuern.
GRL PCK entstand 2017 aus einer Gruppe von Freundinnen, die gerne zusammen Rad fuhren. An diesem Kern hat sich bis heute wenig geändert.
Sofie fährt Routen, die für andere absurd lang wären – zuletzt das Transcontinental Race 2025. Ami gestaltet die Jerseys der Gruppe und ist auf Rennrad und Gravel gleichermaßen glücklich. Maria liebt Bikepacking und hat eine auffällig hohe Toleranz für Regen. Manche fahren auch Rennen – aber eher wegen der Menschen und des Drumherums als wegen irgendeiner Platzierung.
“Manche wollen weit, andere schnell, andere einfach irgendwo schön hin und danach ein Eis", sagt die Mitgründerin Laura Claus. “Hauptsache, es macht Spaß.”
Aus dieser kleinen, leidenschaftlichen Gruppe ist inzwischen eine bekannte Frauen-Cycling-Community geworden – unterstützt von Partnern wie SRAM, Rapha und Canyon.
Bei der GRL PCK Rally fahren alle dieselbe Route, aber jede fährt in ihrem eigenen Tempo. Es ergeben sich kleine Gruppen, deren Zusammensetzung immer wieder wechselt. Morgens startet man vielleicht zu fünft, und ein paar Stunden später fährt man mit ganz anderen Leuten.
Community bedeutet für uns nicht, dass alle permanent zusammen sein müssen. Sondern dass man füreinander da ist. – Laura Claus, GRL PCK
Die Rally ist self-supported. Jede entscheidet selbst, wo sie schläft, wie sie den Tag bewältigt – und ob sie zwischendurch vielleicht auch mal einen Zug nimmt. Alleine muss es trotzdem niemand durchstehen. Wer einen Platten hat, bekommt Gesellschaft und Unterstützung. Wer einen schlechten Tag hat, findet eine Gruppe, die das Tempo anpasst. Genau diese Mischung aus Eigenverantwortung und Gemeinschaft macht die Rally aus.
Fragt man die Teilnehmerinnen nach den schwersten Momenten, fallen fast immer zwei Namen: der Anstieg zum Rifugio San Lucio und der Nufenenpass.
Der erste war ein Elf-Kilometer-Anstieg, die letzten fünf Kilometer auf Gravel, durchschnittlich zehn Prozent Steigung und mit Rampen über 20 Prozent. Viele haben geschoben. Der Nufenenpass kam nach mehreren langen Tagen auf dem Rad – und war für viele weniger körperlich als mental zermürbend.
An beiden Anstiegen war gut zu sehen, was die Rally zusammenhält. Die Fahrerinnen haben sich gegenseitig den Berg hochgeschrien, gewartet, geschoben, angefeuert. Auf dem Nufenen hatten die Organisatorinnen die Namen aller Teilnehmerinnen vorher auf die Straße gemalt. Laura Claus beschreibt es so: “Wenn man nach Stunden auf dem Rad plötzlich seinen eigenen Namen auf dem Asphalt sieht und von oben schon die anderen hört, die einen anfeuern, gibt das nochmal erstaunlich viel Energie.”
Laura Claus, neben GRL PCK selbst in der Radbranche aktiv, erklärt: “Im Radsport wird viel darüber gesprochen, wie man mehr Frauen für den Sport begeistern kann. Sichtbarkeit und Profisport spielen dabei eine wichtige Rolle, aber Inspiration allein reicht nicht. Es braucht auch Räume, in denen Menschen selbst erleben können, dass dieser Sport für sie ist.”
Klar, eine Rally mit 50 Teilnehmerinnen verändert den Frauenradsport nicht im Alleingang. Trotzdem glaubt GRL PCK an die Wirkung. Drei Viertel der Teilnehmerinnen waren vorher noch nie bei der Tour de France Femmes gewesen. Eine Woche später standen sie gemeinsam in Lausanne an der Strecke – nachdem sie selbst anspruchsvolle 800 Kilometer per Rad angereist waren.
Viele haben nach der Rally erzählt, dass sie sich jetzt größere Bikepacking-Abenteuer zutrauen. Andere verfolgen seither mehr Frauenrennen oder haben mit neuen Freundinnen aus der Rally das nächste gemeinsame Abenteuer geplant.
Nach sieben Tagen kamen die Fahrerinnen nach und nach in Lausanne an. Sie wurden von anderen Teilnehmerinnen, Freunden, Partnern und Menschen aus anderen Communities regelrecht ins Ziel geklatscht und dann herzlich begrüßt.
Viele sind abgestiegen und haben erstmal geweint. Menschen, die sich eine Woche vorher nicht kannten, lagen sich plötzlich in den Armen. Ein paar Stunden später saßen alle zusammen mit einem Aperol Spritz da und haben schon das nächste Abenteuer geplant. Unterwegs sind echte Freundschaften entstanden.
Die GRL PCK Rally wird es auch 2027 wieder geben. Wohin die Route führt und wie das Format aussieht, steht noch nicht fest. Der Kern soll bleiben: ein großes gemeinsames Abenteuer auf einem herausfordernden Weg zur Tour de France Femmes.

Redakteurin
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