Bettwanzen in AlpenhüttenNeue Regeln für Übernachtungsgäste

Gitta Beimfohr

 · 07.08.2026

Bettwanzenspürhund Linus schnüffelt im Beisein seiner Hundeführerin Laura Pannasch im Schneibsteinhaus (Berchtesgaden) nach Bettwanzen.
Foto: dpa/pa/Karl-Josef Hildenbrand
Spürhunde, Pflichttüten für Rucksäcke, Mikrowelle - der Alpenverein geht auf seinen Hütten derzeit verstärkt gegen Bettwanzen vor. Übernachtungsgäste müssen in den nächsten Monaten mit gezielten Maßnahmen gegen die Parasiten rechnen.

Sie sind 5,5 Millimeter groß, krabbeln nachts scharenweise ins Bett, stechen schmerzlos und saugen Blut. Im vollgesogenen Zustand sind sie bis zu 9 Millimeter groß und lassen sich mit bloßem Auge gut erkennen. Was man als Mensch aber deutlich spürt, sind ihre juckenden Stiche in den nächsten Tagen. Ähnlich wie bei einem Mückenstich. Also unangenehm, aber harmlos - wenn man keine Allergie entwickelt. Das Problem ist aber: Wenn sich Bettwanzen einmal in einem verwinkelten und ritzenhaltigen Zimmer eingenistet haben, wird man sie nur schwer wieder los. Und da sich die Parasiten nicht nur in Betten, sondern auch in getragenen Klamotten, Taschen und Rucksäcken besonders wohlfühlen, werden sie von den Hüttengästen oft unbemerkt mitgenommen und so von einem Haus ins nächste getragen.

Per Packtaschen der Gäste von Haus zu Haus

Deshalb ergreift der Deutsche Alpenverein nun Maßnahmen, um die wachsende Bettwanzen-Plage einzudämmen. Als Hüttengast muss man derzeit damit rechnen:

  • Rucksäcke/Taschen dürfen nicht oder nur in einer Tüte (3 Euro) ins Bettenlager
  • Schlafsachen werden in der Mikrowelle erhitzt (Wanzen und Eier sterben bei 46 Grad ab)
  • Ausgebildete Spürhunde durchsuchen die Zimmer (Berchtesgaden)
  • Einzelne Hütten könnten geschlossen sein (Kammerjäger im Einsatz)

Optisch sind die Stiche auf der Haut kaum von den Stichen anderer Insekten zu unterscheiden. Ein kleiner Anhaltspunkt könnte sein, wenn mehrere Stiche in einer Reihe zu erkennen sind. Empfindliche Menschen können großflächige Hautentzündungen durch intensives Kratzen entwickeln oder nach mehreren Stichen auch allergische Reaktionen.

Ab einer Höhe von 2000 Metern fühlen sich Bettwanzen übrigens nicht mehr wohl. Hütten im hochalpinen Bereich haben das Problem also eher nicht. Aber wer sich Bettwanzen eingefangen hat, trägt die Parasiten in Kleidung oder Rucksack womöglich auch mit nach Hause. Daher den Rucksack und die Packtaschen nach einer Hüttentour besser nicht sofort ins Haus tragen. Die gesamte Bekleidung am besten direkt in die Waschmaschine stecken und möglichst bei 60 Grad waschen (bei 40 Grad sterben zwar die Wanzen, aber nicht die Eier). Wer eine Mikrowelle zu Hause hat: ab 55 Grad ist man auf der sicheren Seite.

Auch Gefrierfach und Gefriertruhe sind eine gute Idee. Vor allem für die Packtaschen. Allerdings sind Wanzen recht kälteresistent. Sprich, diese Maßnahme hilft erst nach einigen Stunden. Aushungern funktioniert nicht wirklich, denn Wanzen können bis zu 40 Tage ohne Nahrung locker auskommen. Im Bett sieht man sie tagsüber nicht, weil sie sich nach der Mahlzeit in ihre Verstecke zurückziehen. Was man aber mit dem bloßen Auge entdecken kann, sind ihre schwarzen Kotflecken, die sie hinterlassen

Laut Deutschem Alpenverein sind von seinen 320 Hütten jedes Jahr bis zu 20 Häuser betroffen, Tendenz steigend. Das Unangenehme an den Bettwanzen: Sie stechen nicht nur im Sommer und Herbst, wie andere Insekten, sondern auch im Winter und Frühjahr.

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Gitta Beimfohr

Gitta Beimfohr

Redakteurin

Gitta Beimfohr stieg während ihres Tourismus-Studiums ins BIKE-Reiseressort ein, als die Strada delle 52 Gallerie am Pasubio gerade für Mountainbiker gesperrt wurde. Seit Gitta die Alpen zwei Mal im Renntempo überquerte, mag sie am liebsten Mehrtagestouren – mit dem MTB in den Alpen oder per Gravelbike durch deutsche Mittelgebirge.

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