Unwahrscheinlich, dass ich erwischt werde, wenn ich hier, im abgelegenen Bergwald, mein Zelt einfach aufschlage. So dürfte auch so mancher Gravelbiker vielleicht denken. Wenn nicht zufällig der Förster oder Jäger des Weges kommt, mag das auch so sein. Doch im ausgewiesenen Naturschutzgebiet “Allgäuer Hochalpen” scheinen solche Overnighter so stark zugenommen zu haben, dass sich die Behörden zu drastischen Maßnahmen gezwungen sehen. Ab sofort setzen die Ranger dort autonom fliegende Drohnen mit Wärmebild-Kameras ein, um illegale Camper im Zelt, aber auch in Wohnmobilen (auf Wandererparkplätzen) aufzuspüren. Damit lassen sich Feuerstellen, aber auch Körper im dichtesten Unterholz am Bildschirm darstellen. Und dann kann es teuer werden: Bis zu 600 Euro Bußgeld sind für eine verbotene Übernachtung im Naturschutzgebiet fällig.
Warum? In Naturschutzgebieten ist schon das Verlassen der Wege verboten. Parkranger berichten dazu von “Vandalismus” in Form von illegalen und in der Trockenzeit hochgefährlichen Feuerstellen, abgerissenen Ästen, zerstörter Fauna und hinterlassenem Müll. Außerdem würde das Wild und die Tierwelt häufig in der Brutzeit gestört. Auch im Naturpark Karwendel kommt es bereits seit einiger Zeit zu typischen “Insta-Hotspots”. Allerdings setzt man hier noch nicht auf Drohnen mit Wärmebild-Kameras, sondern auf Social Media: Wird dort ein Campingbild samt Ortsangabe präsentiert, wissen auch die Ranger, wo sie in den nächsten Wochen vermehrt auf Streife gehen müssen, um das nächste gefährliche Lagerfeuer zu verhindern.
Wildcampen ist in Deutschland, wie fast überall in Europa, grundsätzlich verboten. Geduldet wird lediglich ein “Notbiwakieren” mit Schlafsack, Isomatte und Rettungsdecke bis einfachem Tarp. Was im Detail bedeutet: “Eine ungeplante Nacht im Freien zu verbringen, um in einer Notsituation das eigene Leben und die Gesundheit zu schützen.” Solche Notsituationen können sein:
Erlaubt ist das Übernachten im Wald auch auf den offiziell eingerichteten Trekkingcamps im Wald. Fast jedes deutsche Mittelgebirge bietet mittlerweile solche kleinen Plätze im Wald an. Meist groß genug für vier bis fünf Zelte, mit Feuerstelle, bereitliegendem Brennholz und einer Kompost-Toilette. Man bucht diese Plätze für eine Nacht online und erhält gegen eine kleine Gebühr (ca. 5-15 Euro) die GPS-Daten der jeweiligen Standorte.

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