Bikepacking-Finale fürs GravelbikeCanyon Grizl im 3000 km Dauertest

Jan Timmermann

 · 04.08.2026

Gemacht fürs Abenteuer: Das Canyon Grizl CF 8 Esc w/Eclips musste im Dauertest beweisen, aus welchem Holz es wirklich geschnitzt ist.
Foto: Georg Grieshaber
Kaum ein Testrad hat in so kurzer Zeit so viele Kilometer gesammelt wie das Canyon Grizl CF 8 ESC w/ECLIPS. Der Grund liegt auf der Hand: Es begleitete uns zuverlässig im täglichen Pendelverkehr und bewährte sich anschließend auf einer anspruchsvollen Bikepacking-Tour. Im abschließenden Fazit zum Langzeittest werfen wir einen Blick darauf, wie sich das Gravelbike von Canyon in puncto Vielseitigkeit, Alltagstauglichkeit und Langlebigkeit geschlagen hat.

Themen in diesem Artikel

Im Dauertest musste das Canyon Grizl CF 8 Esc w/Eclips so manchen Alptraum überwinden: Schneematsch, Salzkrusten und Schlaglöcher im Winter, Staub, grobes Gelände und Überlast im Sommer. Auf 3000 Kilometern haben wir das Carbon-Gravelbike mit Lichtanlage und Vollausstattung nicht geschont. Hat das Grizl davon ein Trauma davongetragen? Wir ziehen die Dauertest-Abschlussbilanz!

​Fazit

Als vielseitiges Do-It-All-Gravelbike habe ich das Grizl liebgewonnen. Egal ob Pendlerfahrt durch den Winter oder als Packesel unter der Sommersonne: Das Canyon macht alles mit. Vielseitigkeit und Haltbarkeit überzeugen auch auf Dauer. Einzige Einschränkung: Für die schnelle Runde über Asphalt oder sanfte Schotterwege ist das Abenteuer-Gravelbike zu träge. - Jan Timmermann, TOUR-Redakteur

Info Canyon Grizl CF 8 Esc w/Eclips

  • ​Einsatzbereich: Gravelbike
  • Preis: 3999 Euro
  • getestetes Zubehör: Canyon Defend Grizl Fast Fender Schutzbleche (119,95 Euro), Canyon Load Front Gepäckträger (39,95 Euro), Canyon Load FidLock QuickLoader (139,95 Euro)
  • Material Rahmen und Gabel: Carbon
  • Laufradgewicht: 4109 g (inkl. Reifen, Tubeless-Setup, Kassette, Bremsscheiben)
  • Laufradträgheit: 2706 kg x cm2 (je niedriger der Wert, desto besser die Beschleunigung)
  • ​Übersetzung: 40 / 10-51 (510%)
  • Besonderheiten: Eclips-Beleuchtungs- u. Akkusystem inkl. Nabendynamo, Full Mounty Cockpit, Canyon VCLS Blattfeder-Sattelstütze

Täglich grüßt die Pendel-Strecke

Die erste Hälfte des Langzeit-Tests war fürs Gravelbike von Canyon durch Dunkelheit, Kälte und Nässe geprägt. Überzeugen konnten die robusten aber schweren Alu-Schutzbleche und die ausgeprägte Fahrsicherheit bei widrigen Wetterbedingungen. Probleme bereitete das integrierte Beleuchtungssystem. Die Ladekraft des Nabendynamos alleine reicht nicht aus, um einen entladenen Pufferspeicher aus dem Schlaf zu wecken. Dafür muss das Grizl CF 8 Esc w/Eclips an die Steckdose. Entladungen im Stillstand waren über Nacht das größere Problem. Canyon macht eine übersensible USB-C-Ladebuchse dafür verantwortlich und tauscht betroffene Teile nach Rücksprache mit den Kunden aus.

Als sehr praktisch erwies sich das Front-Rack fürs Canyon Grizl. Darauf lässt sich geschützt in einem wasserdichten Packsack auch ein Laptop transportieren, ohne dass dafür ein Rucksack bemüht werden muss. Auch die spezielle Rahmentasche ist für eine Minimal-Ausstattung an Wechselklamotten praktisch, sitzt mit Fid-Lock-System auf rauem Untergrund aber nicht zuverlässig. Insgesamt addieren das üppige Zubehör und Pedalen gut zwei Kilo zum Gewicht von knapp zehn Kilo. Beladen mit den Essentials eines Fahrrad-Pendlers landet das Bike bei rund 16 Kilo. Damit zeigte sich das Canyon Gravelbike in der kalten Jahreszeit als praktisch und vielseitig, nicht aber als agil und sportlich.

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​Vom Schnee in die Toskana

Neben vielen weiteren Pendelfahrten stand im Mai 2026 das große Beziehungshighlight mit dem Canyon Grizl CF 8 Esc w/Eclips an: Ein zweiwöchiger Bikepacking-Trip durch die Toskana auf den Spuren der Maremma-Challenge. Das italienische Hinterland ist bekannt für besonders grobe Schotterpisten und raues Gelände. Ich gönnte dem Grizl deshalb ein Upgrade auf richtig dicke Reifen. Maxxis steuerte Gummis in der Mountainbike-Dimension 29 x 2,1 Zoll bei. Die Shimano GRX BL-RX820 Scheibenbremsen sind per se nicht schlecht, besitzen durch die Kombination mit der mechanischen Schaltfunktion aber einen langen Hebelweg und einen nicht immer stabilen Griff. Um das Bike für technisch anspruchsvolle Abfahrten mit Gepäck vorzubereiten, wollte ich deshalb etwas für die Bremspower tun und rüstete auf extrastarke Trickstuff Power Beläge auf.

Der Umbau von Reifen und Bremsen zahlen voll auf die Stärken des Canyon Grizl ein. Mit breiten Tubeless-Schlappen und bissigen Stoppern nimmt es das Gravelbike mit jedem Gelände auf. Klar: Das Grizl ist kein Mountainbike. Für Trips in die Wildnis empfehle ich Abenteurern nach wie vor lieber ein zuverlässiges MTB-Hardtail. Auf den Offroad-Pisten der Maremma-Naturparks scheppert das Canyon mit Starrgabel und steifem Carbon-Lenker ordentlich auf die Handgelenke. Dank langer, laufruhiger Geometrie aber nimmt es das Grizl mit Gelände auf, wo andere Gravelbikes längst abgewunken haben. Dank Mountainbike-Kassette gilt das auch für steile Anstiege - jedenfalls so lange die Beine fit genug sind ein 40er Blatt zu treten.

Als Gewichtslimit gibt Canyon 120 Kilo frei. Für große Fahrer kann das im Bikepacking-Einsatz in abgelegenen Gebieten grenzwertig werden. Ich reizte die Vorgabe mit Zelt, Schlafsack, Isomatte, Kocher, Verpflegung, etc. großzügig aus und hatte dennoch keine Probleme im Praxistest. Die vielen Befestigungsmöglichkeiten am Gravelbike sind, beim Crizl ein absolutes Muss und lassen sich kreativ nutzen. Gerade das Rahmendreieck fällt riesig aus und lässt sich mit verschiedenen Taschen gut befüllen. Auch praktisch: Im Untterrohr sitzt ein Minitool, darunter eine dritte Flaschenhalteraufnahme. Im Bikepacking-Modus gibt’s einen Daumen hoch.

Verschleißerscheinungen

Aus dem TOUR-Testlabor kommen zum Ende des Dauertests gute Nachrichten fürs Canyon Grizl CF 8 Esc w/Eclips. Der Laufradsatz läuft ohne Achter und dreht sich auch in den Lagern noch geschmeidig. Auch Tret- und Steuersatzlager sind trotz Salzwasser-Beschuss im Winter noch fit für viele weitere Kilometer. Alles dreht sich spielfrei und leichtgängig. Die Bremsscheiben wurden auf eine Dicke von 1,6 Millimeter heruntergebremst und liegen damit nur noch knapp über der Verschleißgrenze von 1,5 Millimetern. Auch an der Kette rät die Verschleißlehre nun bald zum Tausch. Nach 3000 Kilometern im Dauer-Einsatz ein normales Bild.

Stärken und Schwächen

Pro

  • große Reifenfreiheit
  • praktische Bikepacking-Features
  • sehr hohe Fahrsicherheit auf grobem Untergrund

Contra

  • zu schwer und zu träge für schnelle Fahrten auf leichten Strecken
  • Systemintegration nicht fehlerfrei

​Geometrie in Größe XL

  • Sitzrohrlänge: 580 mm
  • Kettenstrebenlänge: 433 mm
  • Radstand: 1116 mm
  • BB-Drop: -75 mm
  • Lenkwinkel: 71,3 mm
  • Sitzwinkel: 73,8 mm
  • Steuerrohrlänge: 200 mm
  • Lenkerbreite: oben 430 mm / unten 510 mm
  • Reach / Reach+: 425 / 578 mm
  • Stack / Stack+: 639 / 713 mm

Wie seht ihr das: Lieber ein vielseitiges, laufruhiges oder ein agiles, spitz konzipiertes Gravelbike? Schreibt eure Meinung in die Kommentare!

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Jan Timmermann

Redakteur

Jan Timmermann ist ein Mountainbiker aus echtem Schrot und Korn. Dabei deckt sein Interesse von Marathon- bis Trailbikes und von Street bis Gravel fast alles ab. Getreu dem Motto „das Leben ist zu kurz für langweilige Fahrräder“ hängt Herz des Technik-Redakteurs jedoch vor allem an Bikes mit Charisma. Nebenbei leitet Jan auch noch das Fitness-Resort unserer Radsport-Marken.

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