Massenentlassungen bei CanyonUnternehmen will bis zu 320 Stellen abbauen

Kristian Bauer

 · 21.01.2026

Massenentlassungen bei Canyon: Unternehmen will bis zu 320 Stellen abbauenFoto: Freudenreich
Canyon Koblenz
Der Fahrradhersteller Canyon schockiert mit einer Mitteilung: um Kosten zu senken, sind Massenentlassungen geplant. Das Unternehmen aus Koblenz plant, bis zu 320 der insgesamt rund 1600 Stellen abzubauen. Der Stellenabbau ist an den Standorten Koblenz und Amsterdam geplant - die Gespräche mit dem Betriebsrat haben begonnen.

Der Fahrradhersteller und -versender Canyon plant einen massiven Stellenabbau. Nach Jahren des starken Wachstums, insbesondere während des Corona-Booms zwischen 2020 und 2023, liefen die Geschäfte zuletzt schlechter. Jetzt plant das Unternehmen aus Koblenz bis zu 320 Arbeitsplätze abzubauen. Der Großteil der Stellen soll am Standort in Koblenz gestrichen werden, ein Teil am Standort Amsterdam. In der niederländischen Niederlassung sind derzeit 60 Mitarbeiter beschäftigt. Unternehmenssprecher Ben Hillsdon erklärte gegenüber TOUR, dass andere weltweite Niederlassungen nicht von Stellenstreichungen betroffen seien. Als Grund für den drastischen Schritt wird die Krise in der Fahrradbranche angegeben. “Die Fahrradbranche befindet sich in einer Phase der Konsolidierung, während globale Faktoren wie US-Zölle, geopolitische Spannungen und gedämpfte wirtschaftliche Prognosen zusätzliche Herausforderungen schaffen”, gibt das Unternehmen als Grund für den Stellenabbau an. Der Betriebsrat sei bereits informiert und die Gespräche hätten begonnen. Hillsdon versprach gegenüber TOUR, dass es für Kunden keine Einschränkungen beim Service geben würde.

Canyon Betriebsrat muss einbezogen werden

Für die Mitarbeiter zahlt sich jetzt aus, dass 2024 ein Betriebsrat gegründet wurde. In der Fahrradbranche ist das ein Novum. Die IG Metall und der Koblenzer Fahrradhersteller hatten 2024 den ersten Tarifvertrag in der Fahrradbranche abgeschlossen. Die Geschäftsführung muss jetzt mit dem Betriebsrat über die geplanten Kündigungen verhandeln und begründen, warum der Schritt notwendig ist. Der Betriebsrat kann den Arbeitgeber zwingen, einen Sozialplan aufzustellen und Vorschläge zur Einigung zu machen. Es ist daher noch nicht absehbar, wie es für die Mitarbeiter bei Canyon konkret weitergeht.

Statement von Unternehmensgründer

Für Roman Arnold, Gründer und Executive Chairman, ist dieser Schritt nach eigenen Angaben besonders schmerzhaft. "Canyon ist eine gewachsene Gemeinschaft, verbunden durch die Leidenschaft für den Radsport. Es ist daher besonders schmerzhaft, dass wir uns von geschätzten Kolleginnen und Kollegen trennen müssen", wird Arnold in einer Mitteilung zitiert. Umso wichtiger sei es ihm, diesen Weg so verantwortungsvoll wie möglich zu gestalten. Für die kommenden Verhandlungen wolle man von Anfang an ein offenes Klima zwischen allen Beteiligten schaffen. Das Unternehmen strebt an, den Prozess transparent, fair und mit größtmöglichem Respekt vor der Leistung der betroffenen Mitarbeitenden zu gestalten.

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Schlechte Zahlen bei Canyon

​Die Mehrheit von Canyon liegt seit 2020 bei der belgischen Investmentholding Groupe Bruxelles Lambert. Durch die Veröffentlichungen von GBL sind die schlechten Zahlen von Canyon schon länger bekannt. So sank der Wert der Canyon-Beteiligung von 460 Mio. auf 261 Mio. Euro, was den Investor GBL zu einer Abschreibung von fast 200 Millionen Euro auf seine Beteiligung veranlasste. 2024 meldete Canyon einen Umsatz von 792 Mio. Euro und einen zweistelligen Verlust. In den ersten drei Quartalen 2025 ging der Umsatz erneut zurück und es wurden erneut Verluste verbucht. Canyon musste zuletzt E-Bike-Akkus in großer Zahl zurückrufen. Laut Hillsdon war das nicht der Grund für schlechte Unternehmenszahlen und die geplanten Kündigungen. Im Geschäftsbericht der GBL zum Geschäftsjahr 2024 werden neben dem schwierigen Marktumfeld explizit auch die Qualitätsprobleme im E-Bike-Bereich genannt. Wegen einem Rückruf musste der Verkauf bestimmter Modelle kurzzeitig ausgesetzt werden.

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