Neues Profi-Team, neue Rennräder, neues Erscheinungsbild: Hersteller und Versandhändler Rose startet mit einem Paukenschlag ins Jahr 2026. Schon einige Monate vor der offiziellen Vorstellung des überarbeiteten Straßen-Portfolios war die Bocholter Marke präsent in den Radsport-Schlagzeilen. Im Oktober wurde bekannt, dass Rose als Ausrüster beim UCI-Pro-Team Unibet Tietema Rockets einsteigt, das seitdem Unibet Rose Rockets heißt. Mit der Verpflichtung von Marcel Kittel als Sprinttrainer und den Tour-de-France-Etappensiegern Wout Poels, Victor Lafay und Dylan Groenewegen dokumentiert das Projekt professionellen Ehrgeiz. Ende Januar holte Groenewegen prompt den ersten Sieg auf einem neuen Rose-Bike. Das ausgegebene Ziel ist ambitioniert: Team und Ausrüster wollen zur Tour de France – und dort Etappensiege erringen. Für 2026 musste der Rennstall dieses Vorhaben allerdings begraben.
Für das Unternehmen mit Sitz in Bocholt ist die ganz große Radsportbühne Neuland; bisher konzentrierte man sich auf kleinere Teams und viel Engagement für den Nachwuchs. Doch der Deal ist kein Zufall, sondern Teil einer neuen Wachstumsstrategie, wie Brand Manager Jonas Tenbrock gegenüber TOUR erläutert. „Wir wollen uns nicht mehr auf den deutschsprachigen und niederländischen Markt beschränken. Unser Ziel ist, in ganz Europa und darüber hinaus bekannter zu werden und auf neuen Märkten mit unseren Stärken zu punkten“, sagt er. Insofern kam die Gelegenheit, nach dem Ausstieg von Cannondale als Ausrüster bei den Rockets einzusteigen, zwar überraschend, aber nicht ungelegen. „Eigentlich hatten wir ein Profi-Engagement erst 2027 als Ziel. Da wir vom neuen Modell schon Prototypen hatten, haben wir uns für das Sponsoring beworben – und sind uns einig geworden“, berichtet Tenbrock.
In den vergangenen Monaten stand deshalb viel Arbeit an in der Firmenzentrale in Bocholt. Der ursprünglich fürs späte Frühjahr geplante Launch wurde in den Februar vorgezogen, die neue Plattform ist ab sofort in allen Varianten, Farben und Größen auf der Rose-Webseite und in den Stores erhältlich. Dabei handelt es sich genau genommen um zwei unterschiedliche Modelle: Das Shave, so der neue Name, gibt es in zwei Ausführungen. Es ersetzt zum einen das komfortabel ausgerichtete Marathon-Rennrad Reveal; mit dem Zusatz FF („Fast Forward“) ist es gleichzeitig der Nachfolger des Wettkampf-Modells Xlite.
Damit folgt Rose der Nomenklatur, die bereits beim Gravelbike Backroad eingeführt wurde: Auch hier gibt es ein vielseitiges, komfortables Backroad und das ausnehmend sportliche, aerodynamisch designte Backroad FF. Doch während Backroad und Backroad FF optisch deutlich verschieden sind, muss man beim Shave schon sehr genau hinschauen, um den Komfortrenner von der Rennsemmel zu unterscheiden.
Die Rahmen der Shave-Versionen sind formal fast identisch: Gleiche Silhouette, gleiche Rohrformen, auch die gleiche Lenkerkombi und Aero-Flaschenhalter sind an beiden Rädern montiert. Die wesentlichen Unterschiede liegen in Sitzposition und Ausstattung, die auf die jeweilige Zielgruppe abgestimmt sind. Die Idee dahinter sei es, die schleppenden Verkäufe der Endurance-Kategorie wieder etwas anzukurbeln, verrät Jonas Tenbrock: „Wir haben gemerkt, dass viele Kunden lieber das Xlite kauften, obwohl das Reveal besser zu ihren Ansprüchen gepasst hätte. Für sie sah das sportliche Rad einfach besser aus. Dem wollen wir mit dem Konzept des Shave nun Rechnung tragen.“
So ist die Geometrie des Endurance-Shave deutlich entspannter; es gibt breitere Reifen, kleinere Übersetzungen und insgesamt günstigere Ausstattungsvarianten. Das Shave FF hingegen bekommt eine radikale Wettkampf-Geometrie, die Lenkerkombi ist etwas länger und schmaler designt für eine noch aerodynamischere Sitzposition. Die teuersten Ausstattungen von Shimano und SRAM sowie neue Laufräder mit Carbonspeichen bleiben der Top-Version FFX vorbehalten, die außerdem eine höherwertige Carbonqualität besitzt.
Ob die Performance des Arbeitsgeräts der Rockets mit der Konkurrenz im Peloton mithalten kann und was die Hobby-Version davon unterscheidet, steht im Test der beiden Modelle: TOUR hat das Shave FFX mit Shimano Dura-Ace und das Shave mit SRAM Force AXS genauer unter die Lupe genommen.
Von jeder Plattform bietet Rose je viel Modellvarianten an. Die rennorientierte “Fast Forward”-Serie unterteilt sich dabei nochmals: Die zusätzlich mit einem “X” markierten Versionen basieren auf einer höheren Carbonqualität (Torayca M40X) und erhalten außerdem leichtere Laufräder mit Carbonspeichen. Das Shave FF bzw. Shave FFX kostet zwischen 5600 und 8500 Euro, das Shave bieten die Bocholter zu Preisen zwischen 3600 und 5200 Euro an. Alle Neuheiten sind mit elektronischen Schaltgruppen von Shimano (105, Ultegra, Dura-Ace) oder SRAM (Rival, Force, Red) ausgestattet und kommen ab Werk mit einem Powermeter.