Die Race-Version des Shave wird das Arbeitsgerät der Unibet Rose Rockets für die Saison 2026 sein. Die käufliche Variante des Shave FFX präsentiert sich – im Gegensatz zum quietschbunt lackierten Teamrad von Dylan Groenewegen & Co. – auffällig unauffällig: unifarben und fast gänzlich ohne Schriftzüge, dafür mit klarer Linienführung. Diese neue Designsprache soll sich auch bei zukünftigen Modellen von Rose fortsetzen. Selbst auf ein Steuerrohr-Logo haben die Designer verzichtet. Gegenüber dem Vorgänger Xlite scheint der Rahmen formal nur behutsam überarbeitet: Das Unterrohr bekam ein ausgeprägteres Aero-Profil, Front und Sitzrohr wurden etwas schlanker und länger, auch die Gabel wirkt aerodynamischer.
Aus technischer Sicht erregte das Modell in der TOUR-Redaktion schon Aufsehen, lange bevor ein Einsatz im Profizirkus zum Thema wurde. Als Prototypen konnten wir das Shave FFX bereits im vergangenen Jahr im Windkanal testen. Die Ergebnisse mussten wir bis zur offiziellen Vorstellung des Rades unter Verschluss halten. Dabei versprachen die Messungen einen großen Wurf. Mit 205 Watt liefert das Shave FFX in dieser Disziplin eine erstklassige Performance ab und reiht sich zwischen vielen spezialisierten Aero-Boliden namhafter Konkurrenten ein.
Im Vergleich zum Vorgänger Xlite macht es mehr als zehn Watt gut. Zu den schnellsten Spezialisten, die wie das Storck Aerfast.5 die 200-Watt-Marke in unserem Versuchsaufbau knacken, fehlt zwar noch etwas. Luft nach oben ist kaum noch, denn mit hohen Felgen und speziellen Aero-Reifen von Schwalbe, die an allen Ausstattungsvarianten des Shave FF montiert sind, bleibt kaum noch Tuningpotenzial.
Doch Rose verspricht mit dem Shave FFX einen Allrounder, der auch mit geringem Gewicht glänzen soll. Unser Serienmodell löst das Versprechen ein: 6,7 Kilogramm Gesamtgewicht sind auf diesem aerodynamischen Niveau eine echte Kampfansage. Das leichte Rahmen-Set – Rose kommuniziert für den Rahmen 795 und für die Gabel 370 Gramm – zahlt darauf ebenso ein wie die Carbonspeichen, beides Merkmale der Top-Varianten. Nur wenige Modelle schaffen einen ähnlichen Spagat.
Weil das Rahmen-Set im Tretlager extrem steif ist, steht den Rockets auf dem Papier ein beinahe ideales Arbeitsgerät für alle Fahrertypen zur Verfügung. Die gut trainierten Profis dürften verschmerzen, dass der Komfort des Rades nicht überdurchschnittlich hoch ausfällt. Im TOUR-Test schrammt das Shave FFX dadurch nur knapp an der bisherigen Bestnote von 1,5 vorbei, die sich derzeit Canyon Aeroad, Scott Foil, Scott Addict und Specialized Tarmac teilen.
Doch nicht nur im TOUR-Labor wirkt das Rose rennmäßiger abgestimmt als das bisherige Xlite. Die Geometrie ist deutlich geschärft, der Lenker sitzt tiefer als bisher, es liegt viel Gewicht auf dem Vorderrad. Mit der versatzlosen Sattelstütze sitzt der Fahrer weit vorne über dem Tretlager und kann seine Kraft optimal in Vortrieb umsetzen. Auf der Straße fährt sich der Bolide ausgesprochen wendig. Ein kürzerer Radstand und steilere Winkel, aber auch die leichten Laufräder lassen das Rad lebendiger wirken, als man es bisher von den eher gutmütig abgestimmten Rose-Rennern gewöhnt ist. Einmal auf Tempo, rollen die mit TPU-Schläuchen bestückten Reifen fast wie von selbst, in steilen Anstiegen wie schnellen Abfahrten reagiert das steife Fahrwerk absolut mustergültig.
In der Gesamtschau finden sich an der getesteten Top-Version kaum Kritikpunkte, denn auch das Preis-Leistungs-Verhältnis kann sich sehen lassen: Mit Shimanos Dura-Ace ist das Shave FFX für glatt 8000 Euro zu haben, bei manchen Nobelmarken kann für ein solches Set-up schon mal das Doppelte auf dem Preisschild stehen. Ein Powermeter ist bei allen Varianten inklusive, bei den Shimano-Varianten kommt der Leistungsmesser von 4iiii. Die günstigeren FF-Derivate kommen mit einem etwas schwereren Rahmen-Set (Mehrgewicht laut Hersteller: 75 Gramm) und mit Stahlspeichen in den Laufrädern. Mit Shimanos Ultegra Di2 (5600 Euro) oder SRAM Force AXS (5900 Euro) sollen sie knapp über sieben Kilo wiegen, bei gleicher Aero-Performance.