Rose setzt bei seinen neuen Straßen-Modellen auf einen einheitlichen Modellnamen, bildet damit aber zwei grundsätzlich unterschiedliche Rennrad-Kategorien ab. Das Rose Shave (ohne FF) ist das Endurance-Derivat der Plattform und richtet sich an Hobbyfahrer und Langstrecken-Enthusiasten. Es löst damit das bisherige Reveal im Portfolio ab.
Das Rahmendesign ist beinahe identisch zum Wettkampfmodell Shave FF, was im Umkehrschluss heißt, dass auch Käufer des Shave zumindest beim Material von der Aero-Performance der Neukonstruktion profitieren. In den beiden höherwertigen der vier Ausstattungsvarianten sind auch Aero-Felgen aus Carbon Teil des Pakets. Die schnittige, an Profi-Boliden angelehnte Optik dürften indes auch Menschen gut finden, die sich weniger für technische Höchstleistungen interessieren.
Prägender Unterschied zwischen den Rädern ist die Sitzposition: Der Lenker thront am Langstrecken-Modell fast vier Zentimeter höher. Damit ist das Rad immer noch deutlich sportlicher ausgelegt als der Vorgänger Reveal. Weil das Shave FF aber extrem rennmäßig ausfällt, ist der Unterschied in der Sitzhaltung dennoch groß.
Auch der Lenker ist am komfortorientierten Bike breiter und der Vorbau etwas kürzer. Da eine Sattelstütze mit 14 Millimetern Versatz montiert wird, fällt die Sitzlänge unterm Strich etwa gleich aus. Das führt dazu, dass man auf dem Shave insgesamt aufrechter und mehr über dem Hinterrad sitzt, was vor allem beim Pedalieren an langen Anstiegen angenehmer ist. Beim Fahrverhalten hingegen ist die Verwandtschaft offensichtlich, denn auch das gemütlicher ausgelegte Shave reagiert ähnlich spritzig auf Lenkbefehle wie der Wettkampfrenner.
Mit den schwereren Laufrädern wirken Antritte und zackige Richtungswechsel, verglichen mit dem ein Kilo leichteren FFX, zwar etwas träger; im Kontext ähnlicher Konkurrenzmodelle ist das Rad aber nicht behäbig. Tuning-Potenzial sehen wir bei den Reifen und dem Aufbau mit schweren Butylschläuchen, denn mit Top-Reifen im Tubeless- oder TPU-Set-up würde das Rad noch etwas spritziger wirken und geschmeidiger rollen.
Die enge Anlehnung an das Wettkampfmodell hat allerdings auch Kehrseiten. Das Rahmen-Set ist ebenso straff abgestimmt wie das Shave FF, was für diese Kategorie und nach heutigem Stand der Technik schon fast ungewöhnlich hart wirkt. Konkurrenten wie Cannondale (Synapse), Canyon (Endurace), Giant (Defy) oder Trek (Domane) legen hier Wert auf deutlich mehr Federweg, besonders am Sattel federn die besten Räder doppelt so gut. Lediglich die etwas breiteren Reifen am Shave fangen Unebenheiten besser ab als das Shave FF. Sehr viel mehr Komfort lässt sich dabei nicht erreichen: In den Rahmen passen bis zu 36 Millimeter breite Reifen, auch hier bietet die Konkurrenz mehr Platz, an einigen aktuellen Modellen passen bis zu 40 Millimeter.
Mit dem puristischen Ansatz verzichtet Rose zudem auf praktische Features, die an vielen Langstreckenrennern inzwischen Standard sind: Schraubösen für eine Oberrohrtasche finden sich an dem Rad ebenso wenig wie Schutzblechösen oder ein integriertes Staufach für Pannen-Set und Kleinkram. Auch die Hoffnung auf eine fest verbaute Lichtanlage, wie sie beim Gravelbike Backroad integriert wurde und die Cannondale jüngst auch am Endurance-Rennrad Synapse etablierte, müssen Rose-Fans begraben. Das Shave ist ein Marathonrad klassischer Machart, ein puristischer Renner, der sich deutlich von Allroad- und Gravelbikes abgrenzt. Das kann man durchaus gut finden, eine interessante Strategie ist es allemal.
Das Shave gibt es in vier Ausstattungsvarianten, auch in der Endurance-Version ist es nur für elektronische Schaltungen ausgelegt. Der Einstieg beginnt dennoch deutlich günstiger als beim Shave FF, mit einer 105 Di2 und Aluminiumfelgen ist das Rad ab 3600 Euro zu haben. Eine SRAM Rival kostet 200 Euro mehr, auch an diesen Modellen sind (einseitig messende) Powermeter Serie. Die Top-Versionen tragen Ultegra Di2 (5000 Euro) oder SRAM Force AXS wie unser Testrad. High-End-Schaltungen sind nicht im Programm, auch eine höhere Carbonqualität wie beim Shave FFX gibt es für den Marathonrenner nicht.