Aero-Rennrad: Das pfeilschnelle Bike für Spitzenzeiten

Sportlich, schnell und aggressiv: Ein Aero-Rennrad kombiniert futuristisches Aussehen mit maximaler Leistung. Hierfür sorgt die aerodynamische Rahmengestaltung, durch die das Rennrad besonders schnell und windschnittig über die Straße flitzt. Lesen Sie bei TOUR alle wichtigen Eigenschaften der Aero-Renner und erfahren Sie, ob das schnelle Bike zu Ihrem Fahrverhalten passt. Informieren Sie sich außerdem zu aktuellen Neuerscheinungen und Testberichten im Aero-Segment.

Was ist ein Aero-Rennrad?

Das Aero-Bike ist der Sprinter unter den Rennrädern. Wie der Name schon besagt, dreht sich bei dem Rennrad-Typ alles um Luft (aero) und Geschwindigkeit. Und das aus gutem Grund: Ein Rennradfahrer wird schon ab 20 km/h überwiegend durch den Luftwiderstand abgebremst – und dieser wird exponentiell größer, je schneller er fährt.

Radsportler, die ein hohes Tempo auf den Straßen aufrechterhalten wollen, dürfen dem Gegenwind nur wenig Angriffsfläche bieten. Es kommt also nicht nur auf ein geringes Gewicht und weniger Rollwiderstand an. Durch seine aerodynamische Form ist das Aero-Rennrad der ideale Begleiter für echte Tempobolzer.

Was zeichnet ein Aero-Bike aus?

Ein Aero-Rennrad ist ein aerodynamisch optimiertes Bike, welches den Radsportlern erlaubt, besonders schnell zu fahren und dabei weniger Energie zu verlieren. Hierfür haben die Aero-Renner eine ganz besondere Form und kommen meist mit speziellen Komponenten und Laufrädern, die das typische Erscheinungsbild unterstreichen.

Mit Hilfe vom Computermodellen und Tests im Windkanal werden die Aero-Rennräder auf einen möglichst geringen Luftwiderstand optimiert. Das Ergebnis ist ein Hightech-Renner, der auf Höchstgeschwindigkeiten ausgelegt ist.

Der Aero-Rahmen: Steifigkeit und Aerodynamik

Das Aero-Rennrad überzeugt durch eine sportliche und aggressive Geometrie. Gleich auf den ersten Blick lässt sich erkennen, dass der Rahmen im Vergleich zu anderen Allround-Modellen voluminöser ist und eine spezifische Form hat. Die Rohre sind großflächiger und laufen an den Enden kegelförmig zusammen, was die Angriffsfläche für den Fahrtwind verkleinert.

Im Gegensatz zu klassischen Bikes ist das Steuerrohr bei den windschnittigen Modellen etwas kürzer (ca. 140 mm). Dies hat zur Folge, dass der Fahrer flacher und somit auch aerodynamischer auf dem Rad sitzt. Ein flächiger Rahmen sowie große Rohrquerschnitte vermindern zudem den Luftwiderstand, machen das Aero-Rennrad aber auch schwerer und steifer.

Die meisten Aero-Räder haben ein geringes Verhältnis von Reach (normierte Länge des Rennrads) und Stack (normierte Höhe des Rahmens). So kommt den Fahrer in eine gestreckte und tiefe Sitzposition, um noch mehr von der Aerodynamik zu profitieren. Eine weitere Besonderheit, die einem beim Anblick des Renners sofort ins Auge fällt, ist der eckige Rahmen und das meist gerade Oberrohr. Durch diese Eigenschaften erhält das Aero-Bike seine markante Form und besondere Geometrie.

Foto: Markus Greber

Laufräder und Reifen: Segel setzen für noch mehr Speed

Auch bei der Wahl der Laufräder sollte der Rennradfahrer auf die Aerodynamik achten. Typisch sind Felgen mit einem hohen Profil. Die meisten Radsportler wählen ein Felgenprofil mit einer Höhe von 40 bis 80 mm. Diese können einen enormen Vorteil bieten: Bei seitlicher Anströmung des Fahrtwinds kann es zum „Segel-Effekt“ kommen, der für zusätzlichen Vortrieb sorgt.

Obwohl die Felgen meistens aus Carbon bestehen, haben sie dennoch ein höheres Gewicht als die flacheren Modelle. Zudem sind die hohen Felgen bei Seitenwinden weniger stabil.

Mehr Leistung: Weitere Komponenten des Aero-Rads

Ein Aero-Renner ist bis ins kleinste Detail auf Aerodynamik konzipiert. So sind Bremsen, Kabel und Züge in Lenker und Rahmen integriert, während Sattelstützen und Sattelrohr mit dem Rahmen verschmelzen. Typisch sind auch spezielle Aero-Lenker, die besonders wenig Windwiderstand bieten. Für die Profis gibt es spezielle Lenker-Vorbau-Einheiten, sogenannte Aero-Cockpits, die meist leichter sind als die Kombination aus klassischem Vorbau und Lenker.

Viele Sportler wählen bei ihrem Aero-Fahrrad eine relativ große Übersetzung, um so die Trittfrequenz auf jede Geschwindigkeit perfekt abstimmen zu können. Je nach persönlichen Vorlieben kann der Rennradfahrer dabei auf eine mechanische oder elektrische Schaltung zurückgreifen. Beliebte Schaltgruppen sind zum Beispiel Shimano Dura-Ace Di2, SRAM Force eTap AXS oder Campagnolo Super Record EPS.

Aufgrund der hohen Geschwindigkeiten, die mit einem Aero-Bike erzielt werden, setzten viele Hersteller in der Vergangenheit lange auf Felgenbremsen. Scheibenbremsen hingegen galten anfangs als wenig aerodynamisch. Allerdings wurden die Bremsanlagen immer besser in den Rahmen integriert, sodass es kaum noch messbare Unterschiede zu den Felgenbremsen gibt. Daher greifen immer mehr Rennradfahrer zu den teureren Scheibenbremsen. Meist entscheidet aber die persönliche Präferenz über die letztliche Wahl der Bremsen.

Aus welchem Material sind Aero-Rennräder?

Die Rahmen der Aero-Bikes werden beinahe ausschließlich aus Carbon gefertigt. Dies liegt mitunter daran, dass sich die Carbonfasern leichter modellieren lassen und daher besser für die aerodynamische Form der Rahmen geeignet sind. Zudem hat Carbon ein geringeres Gewicht als Aluminium und kann somit den Nachteil der schwereren Rahmenkonstruktion ausgleichen.

Wie fährt sich ein Aero-Bike?

Durch das kurze Steuerrohr und das gerade Oberrohr sitzt der Rennradfahrer auf einem Aero-Bike sehr flach und gestreckt. Die aerodynamische Position ermöglicht hohe Geschwindigkeiten und der Sportler kann dank des geringen Windwiderstands Kraft sparen.

Aufgrund der Steifigkeit und des flachen Rahmens fährt sich das Aero-Rad zunächst ungewohnt. Es ist insbesondere mit hohen Felgen anfällig für Seitenwind und auch enge Kurven können zunächst ein Hindernis darstellen. Auch unebener Untergrund kann unter Umständen problematisch sein. So bieten die dünnen Reifen des Renners vor allem auf ebener Straße guten Grip.

Foto: Tino Pohlmann

Für wen eignet sich ein Aero-Bike?

Das Aero-Rennrad ist erst in den letzten Jahren so richtig „in Mode“ gekommen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Radtyp zunächst ausschließlich von den Profi-Rennfahrern im Peloton gefahren wurde. Diese konnten auf den windschnittigen Rennern in Sekundenschnelle aus dem Fahrerfeld ausbrechen und sich durch die hohen Geschwindigkeiten absetzen. Ausgelegt auf pure Aerodynamik, hatten die Rennräder damals noch eher wenige Komfort-Features, weshalb sie eine Randsparte bedienten.

Dies hat sich im Laufe der Zeit geändert. Durch breitere Reifen, ein geringeres Gewicht und eine verbesserte Sitzposition kommt der Aero-Renner häufiger zum Einsatz. Auch Hobbysportler schätzen die aerodynamische Fahrposition und fahren das Rennrad in den eigenen Gefilden. Aero-Rennräder richten sich nach wie vor an einen speziellen Fahrertyp, auf den die folgenden Punkte zutreffen:

  • sportlich ambitionierter Fahrstil
  • konstant hohe Geschwindigkeiten
  • Leistungsverbesserung und Bestzeiten
  • Wettbewerbsgedanke

Ein Aero-Bike eignet sich vor allem für Fahrer, die auf flachen Straßen unterwegs sind. Dabei profitiert der Sportler allerdings nicht nur bei Sprints und auf kurzen Distanzen von den hohen Geschwindigkeiten, sondern spart auch bei längeren Strecken einige Watt ein. Das macht sich an der Fitness bemerkbar. Auch Triathleten, die sich kein spezielles Zeitfahrrad bzw. Triathlon-Rad zulegen wollen, können auf ein Aero-Rennrad zurückgreifen. Für lange Bergetappen und langsame Kletterpassagen ist das Bike aufgrund seines höheren Gewichts eher weniger geeignet.

Vor allem bei den flachen Etappen der Grand Tours sind immer mehr Profi-Fahrer auf den Hochleistungsmaschinen unterwegs, denn hier zählt manchmal jede Sekunde. Insbesondere Ausreißer können von dem windschnittigen und steifen Bikes profitieren und sich trotz starken Gegenwinds allein bis an die Spitze kämpfen. Auch bei explosiven Sprints und schnellen Abfahrten kann ein Aero-Bike dem Fahrer zu Höchstgeschwindigkeiten verhelfen.

TOUR testet Aero-Rennräder im Windkanal.Foto: Robert Kühnen
TOUR testet Aero-Rennräder im Windkanal.

Welche Nachteile hat ein Aero-Rennrad?

Wer ein Aero-Rennrad fahren will, dem geht es hauptsächlich um die Geschwindigkeit. Durch die gestreckte und aggressive Sitzposition ist der aerodynamische Fahrrad-Typ weniger komfortabel als andere Modelle. Zudem sind die Bikes weitaus schwerer als andere Carbon-Renner und nicht jedem gefällt der futuristische Look.

Ein Aspekt, der auch als Nachteil gesehen werden kann, ist der hohe Preis der Aero-Bikes. Oftmals sind die Rennräder mit einem hohen Forschungsaufwand verbunden. Die Modelle werden über Monate im Windkanal getestet, um die bestmögliche Leistung erzielen zu können. Dies macht sich natürlich am Preis der Aero-Räder bemerkbar. Einstiegsmodelle gibt es zwar schon für knapp 1800 Euro, allerdings liegen die Rennräder mit einer guten Ausstattung und Komponenten, die Spitzengeschwindigkeiten möglich machen, schnell über 3500 Euro. Eine große Auswahl an Aero-Bikes gibt es z.B. bei Fahrrad XXL*.

Gut zu wissen: Mit der aerodynamischen Sitzposition an die Spitze des Feldes

Der Großteil (ca. 75%) des Luftwiderstands wird nicht vom Rennrad erzeugt, sondern vom Fahrer selbst. Um daher besonders schnell auf der Straße unterwegs zu sein, sollte der Radsportler enganliegende Radbekleidung tragen, die nicht im Wind flattert, und im besten Fall einen strömungsgünstigen Aero-Helm.

Zudem ist eine möglichst flache Sitzposition für absolute Spitzenzeiten essenziell. Hierbei sollte der Fahrer allerdings immer darauf achten, dass ihm die Haltung keine Schmerzen bereitet oder die Atmung durch die aggressive Position beeinträchtigt wird.

Aero-Bikes: Welche Marken und Hersteller gibt es?

Beinah jeder große Hersteller bietet mindestens ein Aero-Modell an, welches meist auch von den Profi-Radsportlern auf den großen Rundfahrten wie der Tour de France gefahren wird. Wer mit seinem Fahrrad Höchstgeschwindigkeiten erzielen will, wird sowohl bei Marken wie Cannondale, Specialized oder Cervélo fündig, als auch bei Bianchi, Canyon, Orbea oder Pinarello. Je nach Ausstattung kann das Aero-Rad zwischen 2500 und 15.000 Euro kosten – es ist also für jeden etwas dabei.

Was ist der Unterschied zwischen einem Aero-Rennrad und einem Race-Rennrad?

Obwohl Aero und Race-Rennräder auf den ersten Blick ziemlich identisch aussehen, gibt es wesentliche Unterschiede zwischen den Rennern. Zwar sind beide auf hohe Geschwindigkeiten ausgelegt, allerdings ist das Race-Modell meistens leichter als der Aero-Renner. Dies liegt an der unterschiedlichen Form des Rahmens.

Der Rahmen des Aero-Rads ist flacher und hat meistens ein gerades Oberrohr, während das Race-Rennrad häufig rundere Rohrformen beim Rahmen und ein leicht abfallendes Oberrohr besitzen. Das ist auch der Grund, warum das Race-Rennrad angenehmer zu fahren ist, da der Sportler eine bequemere Sitzposition einnimmt. Auch viele Profis fahren auf einem Race-Rennrad, wenn eine Bergetappe ansteht und sie nicht im Sprint um Etappensiege kämpfen.

Fazit: Das Aero-Rennrad – ein absoluter Renner

Mit einem Aero-Rennrad können Radsportler echte Spitzenzeiten hinlegen. Durch die aerodynamische Rahmengestaltung und die richtigen Komponenten trotzt der Fahrer dem Windwiderstand und spart dabei auch noch Kraft. Der Aero-Renner eignet sich vor allem für den Kampf um Bestzeiten und flachere Strecken. Bei langen Bergetappen sollte der Fahrer lieber auf ein leichteres Bike ausweichen.

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