Die Achterbahnfahrt rund um die Fahrradgruppe Accell geht weiter: Jetzt scheint es wieder ein Stück bergauf zu gehen. Die Dutech-Gruppe aus Singapur hat Teile des Unternehmens übernommen. Wie niederländische Medien übereinstimmend berichteten, wurde die Übernahme der niederländischen Fahrradmarken von Accell, darunter Batavus, Koga und Carqon, abgeschlossen. Die Transaktion umfasse auch Accells ungarische Betriebe. Dutech ist bereits auf dem europäischen Fahrradmarkt vertreten und hat Erfahrung im Aufkauf insolventer Unternehmen. Der Konzern übernahm 2023 im Rahmen einer übertragenden Sanierung die Vermögenswerte und die Belegschaft der Prophete-Gruppe. Dutech bietet seitdem Fahrräder und E-Bikes der Marken Prophete, Kreidler, vsf fahrradmanufaktur, Rex und e-bike manufaktur an. Dutech Holdings Limited ist ein führender Systemhersteller im Bereich Sicherheitstechnik und Ticketing-Automaten. Bis 2021 war das Unternehmen an der Börse Singapur notiert. In Deutschland stammen die DB-Ticketautomaten von Dutech.
Dutech ist für Accell ein alter Bekannter: Die Übernahme war bereits vor der Accell-Übernahme geplant. Im Juli hatte das Bundeskartellamt einen Antrag auf Übernahme bestätigt. Völlig überraschend wurde die Übernahme dann aber nicht vollzogen und Accell schlitterte in die Insolvenz. Zur damals geplanten Übernahme besteht jetzt ein großer Unterschied: Dutech erwirbt nur ausgewählte Bestandteile – z. B. die Rechte an den Marken. Das Vorgehen ist bei angeschlagenen Unternehmen nicht ungewöhnlich und bietet mehrere Vorteile. Die Schulden, unrentable Verträge und Verbindlichkeiten verbleiben bei der insolventen Altgesellschaft und werden aus der Insolvenzmasse bedient. Der Käufer kann wertvolle Unternehmensteile oft unter Marktwert kaufen, weil die Zeit drängt. Wenn gezielt Markenrechte gekauft werden, sichert sich der Käufer den bestehenden Kundenstamm, das Vertrauen und den Bekanntheitsgrad der Marke. Er kann die Marke in seine eigene Infrastruktur integrieren, ohne Produktions- oder Verwaltungskosten des alten Unternehmens mitzuschleppen. Für die Mitarbeiter gibt es keine verpflichtende Zukunft in einem neuen Konstrukt. Der Käufer kann sich einzelne Rosinen aus der Insolvenzmasse picken, ohne Verpflichtungen zu übernehmen.
Die spannendste Frage bleibt offen: Was passiert mit den deutschen Tochtergesellschaften? Die deutschen Gesellschaften der Accell Group hatten Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Betroffen sind die Accell Germany GmbH mit Sitz in Sennfeld sowie die Tochtergesellschaften Winora Staiger GmbH mit Sitz in Sennfeld, Ghost-Bikes GmbH mit Sitz in Waldsassen und Engelbert Wiener Bike Parts GmbH mit Sitz in Sennfeld. Die Anträge wurden am 5. August 2026 beim Amtsgericht Schweinfurt gestellt. Die Unternehmen führen ihren Geschäftsbetrieb während der vorläufigen Eigenverwaltungsverfahren fort. Ziel des Verfahrens ist nach Unternehmensangaben eine Sanierung und eine Investorenlösung für die deutschen Geschäftsaktivitäten. An den deutschen Standorten bangen rund 370 Mitarbeiter um ihre Zukunft. Während die Löhne und Gehälter im Rahmen der eingeleiteten Eigenverwaltungsverfahren vorübergehend über das Insolvenzgeld abgesichert sind, bleibt die langfristige Zukunft der Beschäftigten ungewiss.
Accell Group ist europäisches Branchengewicht bei E-Bikes und nach eigenen Angaben zweitgrößter Anbieter von Fahrradteilen und Zubehör. Die Mitarbeiter arbeiten eng mit zehntausenden lokalen Händlern in ganz Europa zusammen. Die Gruppe produziert Fahrräder und E-Bikes der Marken Haibike, Ghost, Winora, Batavus, Sparta, Koga, Lapierre, Raleigh sowie Lastenräder der Marken Babboe und Carqon. Nach eigenen Angaben auf der Firmenwebsite hat Accell 2000 Beschäftigte in 15 Ländern - vor vier Jahren waren es noch mehr als 3500 Mitarbeiter.

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