Vuelta-RuhetagDer Stand nach der zweiten Woche der Spanien-Rundfahrt

Leon Weidner

 · 07.09.2026

Vuelta-Ruhetag: Der Stand nach der zweiten Woche der Spanien-RundfahrtFoto: Getty Images/Alexander Hassenstein
Marco Brenner holt nach dem Gesamtsieg bei der Polen-Rundfahrt eine Etappe bei der Vuelta a España
Marco Brenners größter Sieg, ein weiterer Erfolg für Matthew Brennan, zwei Tagessiege für Wout van Aert und ein immer stärkerer Enric Mas: Die zweite Vuelta-Woche hatte einiges zu bieten.

Themen in diesem Artikel

Zwei Wochen sind absolviert, sechs Renntage liegen noch vor den Fahrern der Vuelta a España 2026. Während bereits zahlreiche Entscheidungen bei den Etappensiegen gefallen sind, bleibt der Kampf um das Rote Trikot das große beherrschende Thema. Enric Mas geht als Spitzenreiter in den zweiten und letzten Ruhetag und steht dem größten Erfolg seiner Karriere näher als je zuvor.

Mas baut Vorsprung bei Vuelta aus

Der Mallorquiner hat seine Führung in der Gesamtwertung der Vuelta in der zweiten Rennwoche weiter ausgebaut. Mittlerweile liegt er mit etwas mehr als zwei Minuten Vorsprung an der Spitze des Klassements. Hinter ihm haben Felix Gall und Primož Roglič die Plätze getauscht, wodurch der Österreicher nun erster Verfolger des Spaniers ist.

Der Eindruck der vergangenen Tage ist eindeutig: Aktuell scheint kein Fahrer stärker zu sein als Mas. Immer wieder präsentierte sich der Kapitän von Movistar als der konstanteste Kletterer des Rennens und beantwortete sämtliche Angriffe seiner Kontrahenten souverän. Nach seinen drei zweiten Plätzen bei der Spanien-Rundfahrt könnte ausgerechnet diese Heim-Rundfahrt nun endlich den lang ersehnten großen Triumph bringen.

Das Zeitfahren bleibt Rogličs große Hoffnung

Ganz so einfach wird der Weg zum Gesamtsieg allerdings nicht. Zwar warten in der Schlusswoche der Vuelta a España noch zwei schwere Bergetappen, doch die wohl größte Unbekannte ist der Kampf gegen die Uhr auf der 18. Etappe. Das Zeitfahren könnte die Gesamtwertung noch einmal auf den Kopf stellen.

Meistgelesen

1

2

3

4

5

Mas gilt seit Jahren als einer der besten Bergfahrer im Peloton, im Kampf gegen die Uhr gehört er dagegen nicht zur Weltspitze. Roglič dagegen hat seine größten Erfolge häufig auch seiner Zeitfahrstärke zu verdanken. Mehr als zwei Minuten dürfte der Slowene auf einer einzelnen Prüfung kaum aufholen können, doch ein deutlich kleinerer Rückstand würde die Ausgangslage dramatisch verändern.

Ein durchaus realistisches Szenario: Roglič reduziert den Abstand auf der 18. Etappe deutlich, bevor beide Fahrer nahezu zeitgleich in die entscheidenden Bergetappen 19 und 20 gehen. Die Vuelta könnte dann in einem direkten Duell zwischen dem Spanier und dem Slowenen entschieden werden.

Carapaz rückt auf Rang vier der Vuelta vor

Auch hinter dem Spitzenduo gab es Bewegung. Richard Carapaz verbesserte sich auf den vierten Gesamtrang der Vuelta und verdrängte Oscar Onley. Der Ecuadorianer liegt allerdings bereits 4:24 Minuten hinter Mas zurück und benötigt wohl ein kleines Wunder, um noch ernsthaft in den Kampf um das Podium eingreifen zu können.

Onley folgt mit 5:44 Minuten Rückstand auf Rang fünf. Direkt dahinter lauert Jakob Omrzel. Der Slowene hat inzwischen nur noch 6:14 Minuten Rückstand auf die Gesamtführung und gehört zu den großen Gewinnern der vergangenen Woche.

Omrzel greift nach Weiß

Besonders bemerkenswert ist Omrzels Entwicklung in der Nachwuchswertung. Sein spektakulärer Sieg auf der schweren 12. Etappe brachte ihm nicht nur einen großen Sprung im Gesamtklassement ein, sondern auch die Chance auf das Weiße Trikot.

Aktuell trennen ihn lediglich 30 Sekunden von Oscar Onley. Angesichts der verbleibenden Bergetappen erscheint ein Führungswechsel bei den Nachwuchsfahrern durchaus möglich. Eine dritte starke Woche bei der Vuelta wäre für beide Talente enorm wichtig.

Brennan und Van Aert prägen die zweite Woche

Während sich die Klassementfahrer belauerten, sammelten andere Fahrer weiter fleißig Etappensiege. Matthew Brennan setzte seine beeindruckende Serie fort und hat inzwischen drei Tagessiege.

Noch erfolgreicher verlief die Woche für seinen Teamkollegen. Wout van Aert gewann die Etappen 13 und 15 und unterstrich einmal mehr seine enorme Vielseitigkeit. Das Team Visma | Lease a Bike hat damit bereits fünf Etappensiege.

Brenners großer Moment an der Sierra de La Pandera

Für einen der emotionalsten Momente der zweiten Rennwoche bei der Vuelta sorgte Marco Brenner. Der Deutsche gewann die schwere Bergankunft an der Sierra de La Pandera nach einem dramatischen Finale. Kurz vor dem Ziel schien Brenner alles unter Kontrolle zu haben, im Sprint sollte er das Rennen aus der kleinen Gruppe heraus gewinnen können. Im Glauben an den Sieg begann er sogar, sein Trikot für das Zielfoto zu schließen. Genau in diesem Moment setzte Santiago Buitrago seine Attacke. Plötzlich drohte der sicher geglaubte Erfolg doch noch verloren zu gehen.

Brenner reagierte jedoch rechtzeitig, schloss die entstandene Lücke wieder und besaß im Schlusssprint sogar noch die nötigen Reserven, um sich den größten Sieg seiner bisherigen Karriere zu sichern. Für die Sponsoren ist das perfekte Zielfoto wichtig, für Brenner hätte der kurze Moment der Unachtsamkeit dagegen fast in einer Katastrophe geendet.

Die Hitze greift bei der Vuelta ein

Nachdem bereits die erste Rennwoche durch Hagel und Starkregen beeinträchtigt worden war, musste auch in der zweiten Woche eine Etappe wetterbedingt verändert werden. Die ursprünglich knapp 190 Kilometer lange 15. Etappe wurde aufgrund der extremen Temperaturen auf nur noch 110 Kilometer verkürzt. Im Zielort wurden Werte von deutlich über 40 Grad gemessen. Eine enorme Belastung für Fahrer, Betreuer und Organisatoren.

Für die entscheidende Schlusswoche sind die Aussichten deutlich besser. Mit Temperaturen von etwas über 30 Grad bleibt es zwar heiß, die extremen Bedingungen der vergangenen Tage dürften allerdings der Vergangenheit angehören.

Sechs Tage bis Granada

Die Vuelta 2026 verspricht ein Finale, wie es sich die Organisatoren kaum besser hätten wünschen können. Enric Mas steht kurz vor dem größten Erfolg seiner Laufbahn und wirkt derzeit stärker denn je. Doch mit Primož Roglič lauert ausgerechnet einer der erfahrensten Rundfahrer der vergangenen Jahre auf seine Chance.

Zwei schwere Bergetappen und das abschließende Zeitfahren stehen noch bevor. Noch trägt Mas das Rote Trikot mit komfortablem Vorsprung. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Reichen etwas mehr als zwei Minuten wirklich aus, um Roglič bis Granada in Schach zu halten? Die Antwort darauf liefert die letzte Woche einer bislang faszinierenden Spanien-Rundfahrt.

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Leon Weidner

Leon Weidner

Redakteur

Leon Philip Weidner ist Kölner, verfolgt den Profi-Radsport intensiv und ist selbst leidenschaftlich auf dem Rennrad unterwegs. Neben langen Kilometern im Sattel des Straßenrads sitzt er auch regelmäßig auf dem Zeitfahrrad – stets mit dem nächsten Triathlon im Blick. Seine Expertise verbindet sportliche Praxis mit Szenewissen.

Meistgelesen in der Rubrik Profi - Radsport

Shorts