Vuelta FemeninaBlasi fängt van der Breggen noch ab und feiert Grand-Tour-Sieg

Sebastian Lindner

 · 09.05.2026

Vuelta Femenina: Blasi fängt van der Breggen noch ab und feiert Grand-Tour-SiegFoto: Getty Images / Szymon Gruchalski
Paula Blasi gewinnt zwar nicht die Etappe, kann am Angliru aber trotzdem den Gesamtsieg bei der Vuelta Femenina feiern.
Paula Blasi (UAE Team ADQ) hat Anna van der Breggen (SD Worx - Protime) am letzten Tag der Vuelta Femenina noch abgefangen und die Rundfahrt gewonnen. Dafür genügte ihr Rang zwei im Tagesergebnis bei der Bergankunft am Angliru hinter der Schweizerin Petra Stiasny (Human Powered Health). Blasi ist bei der 12. Austragung die erste Spanierin, die das Rennen auf dem Podium beenden kann.

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Die 23-Jährige konnte bereits vor dem Zielstrich die Arme zum Jubeln hochreißen, denn van der Breggen konnte früh das Tempo ihrer 13 Jahre jüngeren Rivalin nicht mehr mitgehen. Das steilste Schlussstück des gefürchteten Angliru hatte gerade erst begonnen, als die Lücke aufging. In der Gesamtwertung siegte Blasi mit 24 Vorsprung auf die Niederländerin, 49 Sekunden Rückstand weist die erst 21 Jahre alte Französin Marion Bunel (Team Visma | Lease a Bike) auf.

Dahinter klafft eine riesige Lücke. Usoa Ostolaza (Laboral Kutxa - Fundación Euskadi) ist mit 2:31 Minuten Rückstand Gesamtvierte, Juliette Berthet (FDJ United - Suez), die Tagesdritte, Fünfte mit 2:36 Minuten Rückstand. Kasia Niewiadoma (CANYON//SRAM zondacrypto), als Mitfavoritin auf den Gesamtsieg ins Rennen gegangen, konnte auch am Angliru nicht mithalten und wurde Achte. Auch Ricarda Bauernfeind (Lidl - Trek), die am Vortag noch Tuchfühlung zu den Top 10 hatte, rutschte am Schlusstag noch auf Rang 15 ab.

“Ich hatte heute nicht das beste Gefühl, wusste nicht, was nach sechs Tagen noch drin war”, sagte Blasi in ihrem Siegerinterview, dachte aber im größten Moment ihrer bisherigen Karriere zuerst an ihr Team. “Es hat unglaubliche Arbeit geleistet, ich könnte nicht dankbarer sein.” Die Taktik zum Gesamtsieg: “Nicht darüber nachdenken, was passiert. Ich wusste, dass der Anstieg etwa 50 Minuten dauern würde, also sagte ich mir einfach: Weitermachen, finde deinen Rhythmus und solange du diesem folgen und deinen Rhythmus beibehalten kannst, wirst du nicht zusammenbrechen. Dann sah ich, wie Anna van der Breggen zu kämpfen hatte, und sagte mir: Jetzt geht es um den Sieg.”

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Ex-Triathletin Stiasny: “Der Angliru ist mein Anstieg”

Auch für Tagessiegerin Stiasny ist der Sieg am Angliru der mit Abstand größte Erfolg ihrer Karriere, die überhaupt erst während der Corona-Zeit begonnen hat. Die ebenfalls erst 24 Jahre alte Schweizerin war zuvor Triathletin, ihr einziger Sieg auf dem Rad stammte bisher von einem Bergzeitfahren in El Salvador. “Ich kann es noch nicht ganz fassen und bin ein bisschen sprachlos”, sagte Stiasny im Ziel. “Ich habe mich schon lange auf diesen Tag gefreut. Seit bekannt wurde, dass der Angliru Teil der Vuelta sein wird, hatte ich nur noch eine Sache im Kopf. Es war mein Traum, hier zu gewinnen. Das ist mein Anstieg, das ist die richtige Steigung für mich. Als wir am Fuß des Berges waren, habe ich mich frei gefühlt. Ich habe es sehr genossen.”

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Während Blasi die Gesamtwertung für sich entschied und im Vorbeigehen auch noch das Bergtrikot einsackte, ist Bunel beste Nachwuchsfahrerin. Im Kampf um das Punktetrikot behielt Lotte Kopecky (SD Worx - Protime) die Nase vor Franziska Koch (FDJ United - Suez), die am letzten Zwischensprint der Rundfahrt zwar nochmal Boden gutmachte, mit der Belgierin direkt am Hinterrad aber nicht genug aufholen konnte, um das Grüne Trikot noch übernehmen zu können.

Vuelta Femenina 2026 - Ergebnisse der 7. Etappe



So lief die 7. Etappe der Vuelta Femenina 2026

Das Profil der 7. Etappe der Vuelta Femenina 2026Foto: UnipublicDas Profil der 7. Etappe der Vuelta Femenina 2026

Die mit 132 Kilometern längste Etappe der Rundfahrt begann mit einer frühen Bergwertung (3. Kategorie), an der das Feld zum ersten Mal am Tag auseinanderbrach. Ashleigh Moolman-Pasio (AG Insurance - Soudal Team) sammelte hier Zähler für das Bergtrikot und setzte sich damit virtuell an die Spitze, doch für den Gewinn des Leibchens sollte es am Ende nicht reichen.

Erst danach formierte sich nach einer Attacke von Femke Markus (SD Worx - Protime) eine Spitzengruppe, zu der später auch ihre Schwester Riejanne (Lidl - Trek) und Liane Lippert (Movistar Team) gehören sollten. Das Trio fuhr sich im Tagesverlauf bis zu vier Minuten Vorsprung heraus. Schon in der Anfahrt zur zweiten Bergwertung des Tages (3. Kategorie) war die Lücke wieder kleiner geworden, was Moolman-Pasio dazu veranlasste, es auf eigene Faust zur Spitze zu schaffen. Sie scheiterte und musste sich mit einem Zähler zufrieden geben, rund 20 Kilometer später blieben ihr am Anstieg der 2. Kategorie vier.

Dann bereitete sich alles auf den zwölf Kilometer langen Schlussanstieg vor, bei dem die ersten sechs Kilometer noch mit vergleichsweise verhaltenen Steigungsprozenten aufwartete, die zweite dafür durchgängig im zweistelligen Bereich lag. Genau dort, wo es richtig steil wurde, hatte die Favoritengruppe Lippert als letzte Ausreißerin gestellt.

Stiasny räumt das Feld von hinten auf

Aus der Gruppe um das Rote Trikot von van der Breggen attackierte 4,4 Kilometer vor dem Ziel Bunel. Am Hinterrad der Französin konnte sich lediglich Blasi festbeißen. Den nur kleinen Rückstand auf van der Breggen in der Gesamtwertung hatte die Spanierin damit schnell herausgefahren. Während die Niederländerin hinten Gesellschaft durch ihre österreichische Teamkollegin Valentina Cavellar, Stiasny, Berthet und Pogacar-Freundin Urška Žigart (AG Insurance - Soudal Team) bekam, hatte sich Bunel etwas übernommen. 3,3 Kilometer vor dem Ziel war Blasi allein vorn.

Doch die Verfolgerinnen konnten ihren Rückstand gemeinsam reduzieren. Nach einer weiteren Tempoverschärfung war es dann aber nur Stiasny, die den Sprung zu Blasi 2000 Meter vor dem Ziel schaffte. Aber die frühere Triathletin hielt sich nicht lange bei Blasi, behielt ihr hohes Tempo und war 300 Meter später alleinige Führende. Daran sollte sich bis ins Ziel nichts mehr ändern. 23 Sekunden fuhr die 24-Jährige noch auf Blasi heraus.

Doch die wusste genau, dass ihr von hinten keine Gefahr mehr drohte und bejubelte ihren Gesamtsieg schon vor dem Zielstrich. 20 Sekunden hinter ihr wurde Berthet Dritte, mit 59 Sekunden Rückstand auf die Tagessiegerin erreichten dann auch Bunel und van der Breggen das Ziel.

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