Sebastian Lindner
· 02.09.2026
Die 12. Etappe der Vuelta ähnelt vom Verlauf der des Vortages. Start in Mittelmeernähe, Fahrt ins Landesinnere nach Westen. Das sind dann aber auch schon die einzigen Gemeinsamkeiten. Denn statt eines relativ flachen Tages warten 4500 Höhenmeter und eine veritable Bergankunft am Calar Alto.
Doch auch der Weg dorthin ist schon nicht ganz ohne. Eine erste Bergwertung (3. Kategorie) nach 16 Kilometern ist mit 3,8 Prozent Steigung auf etwas mehr als acht Kilometern noch relativ harmlos. Das Terrain steigt auch in der Folge weiter an, die nächste Bergwertung nach 57 Kilometern (3. Kategorie) ist aber immer noch gut machbar. Bis Rennmitte wartet dann der Collado Garcia (2. Kategorie), der auf 18 Kilometer lang ist und zwei Zwischenabfahrten mit sich bringt. Danach folgen 20 Kilometer bergab, bevor der schwierigste Teil des Tages eingeläutet wird.
Das erste von zwei großen Hindernissen ist der Alto de Velefique (1. Kategorie). Der bringt es offiziell auf 13,1 Kilometer mit 7,2 Prozent Steigung, aber auch schon die 15 Kilometer vor dem Beginn des Anstiegs, der mit dem Zwischensprint eingeläutet wird, sind ansteigend. Auf 13 Kilometer Abfahrt folgt dann der Schlussanstieg zum Calar Alto (1. Kategorie).
Der Anstieg auf das Plateau, auf dem mehrere riesige astronomische Teleskopanlagen stehen, ist zweigeteilt. Die ersten sieben der insgesamt 17 Kilometer sind relativ gleichbleibend steil bei mehr als neun Prozent, wobei in der Spitze auch mal kurz 18 drin sind. Danach wird es unrhythmisch. Steigungen um die sechs Prozent wechseln sich mit zwei kleinen Zwischenabfahrten ab, vier Kilometer vor dem Ziel warten nochmal rund 1000 Meter mit fast zehn Prozent. Auch im letzten Kilometer ist nochmal ein flacher, so leicht abschüssiger Part dabei, auf dem für die letzten ansteigenden Meter Schwung geholt werden muss.
Zum vierten Mal endet hier eine Etappe der Vuelta. Nach 2004 und 2006 war das Rennen zuletzt 2017 zu Gast.
Mittlerweile hat sich Enric Mas (Movistar Team) daran gewöhnt, im Roten Trikot unterwegs zu sein. Der Spanier zeigte sich auch auf den Flachetappen der letzten Tage hellwach und immer präsent, falls doch Gefahr drohte. Mas scheint - zumindest noch nicht - unter dem Druck des Trikots zu leiden. Und das dürfte ihm zum Vorteil gereichen, hatte er doch auch schon mit seinem Etappensieg bei der Bergankunft direkt nach dem Pogacar-Aus gezeigt, dass er auch die Beine hat, hier tatsächlich um den Vuelta-Sieg zu fahren.
Das setzt die Konkurrenz unter Druck, denn sie weiß, dass der Mas das Trikot nicht von allein hergeben wird. Während Primoz Roglic (Red Bull - BORA - hansgrohe) aufs Zeitfahren hoffen wird und auch auf der 12. Etappe den Plan haben dürfte, keine weitere Zeit zu verlieren, muss Felix Gall (Decathlon CMA CGM) versuchen, Boden gutzumachen. Die ersten Kilometer des Calar Alto sind dafür wie gemacht. Die ersten drei Kilometer bringen es auf mehr als zehn Prozent im Mittel. Hier muss die Attacke kommen, um die Konkurrenz abzuschütteln, denn hintenraus wird der Berg flach, hat sogar kleinere Abfahrten drin. Dort lässt sich ein Vorsprung verteidigen, vielleicht auch ein Rückstand aufholen. Um Löcher aufzureißen ist es spätestens nach sieben Kilometern Anstieg aber zu spät.
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