Fahrerin mit ApellDopingkontrolle neben toter Mutter

Kristian Bauer

 · 12.10.2026

Fahrerin mit Apell: Dopingkontrolle neben toter MutterFoto: Getty Images/Marco Bertorello
Valentina Cavallar Giro d'Italia Women 2026
​Valentina Cavallar (SD Worx – Protime) hat in einem Instagram-Post einen schockierenden Einblick gegeben und an mehr Menschlichkeit appelliert. Sie musste eine Dopingprobe abgeben, während ihre tote Mutter im Nebenraum lag. Ein Erlebnis, dass sie traumatisiert hat. Die Österreicherin gehört zu den besten Fahrerinnen im Frauenradsport.

​Die österreichische Bergspezialistin Valentina Cavallar hat seit der Tour de France Femmes kein Radrennen mehr bestritten. Der Tod ihrer Mutter hat sie schwer getroffen. Doch auch die Umstände einer Dopingkontrolle direkt nach dem Todesfall haben Spuren hinterlassen. Das teilt sie in einem Instagram-Post auf ihrem Profil mit:

​Valentina Cavallar Statement

Übersetzung aus dem Englischen:
„Aus persönlichen und familiären Gründen musste ich meine Saison nach der diesjährigen Tour de France vorzeitig beenden. Normalerweise halte ich mein Privatleben lieber aus der Öffentlichkeit heraus, aber ich finde es wichtig, dies zu teilen. Der Verlust meiner Mutter im September hat meine Sicht auf das Leben für immer verändert. Man kann einen so großen Teil seines Lebens damit verbringen, Zielen hinterherzujagen, an seine Grenzen zu gehen und Erfolg an Ergebnissen, Siegen und Leistungen zu messen.

Doch wenn man einen geliebten Menschen verliert, wird einem bewusst, wie wenig all das am Ende wirklich zählt. Im Leben geht es nicht darum, wie viel man erreicht, wie erfolgreich man wird oder wie viele Menschen den eigenen Namen kennen. Es geht um die Menschen, die man liebt, um die gemeinsamen Momente und die Erinnerungen, die man schafft.

Ich wusste schon immer, wie wichtig mir meine Familie ist. Aber ich glaube, ich habe nie wirklich verstanden, wie viel sie mir bedeutet, bis ich erfahren musste, wie das Leben ohne meine Mutter ist. Noch schwerer wurde diese Erfahrung dadurch, dass ich mich nur wenige Stunden nach dem Tod meiner Mutter zu Hause einer Dopingkontrolle unterziehen musste – in dem Zimmer neben dem Raum, in dem sie lag.

Ich verstehe, wie wichtig ein sauberer Sport ist, und ich habe die Verantwortung, die das Leben als Profisportlerin mit sich bringt, stets respektiert. Doch in diesem Moment dachte ich selbstverständlich nicht an den Radsport, an Wettkämpfe oder an meine Pflichten als Athletin. Ich war eine Tochter, die gerade ihre Mutter verloren hatte.

Unter diesen Umständen eine Dopingkontrolle durchlaufen zu müssen, empfand ich als zutiefst schmerzhaft, völlig unangebracht und respektlos gegenüber meiner Familie. Dieser Moment hat mich darüber nachdenken lassen, wie leicht wir vergessen, dass hinter jedem Sportler und jeder Sportlerin ein Mensch steht – mit einem eigenen Leben, einer Familie und Gefühlen, die nicht einfach verschwinden, sobald die Verpflichtungen des Profisports beginnen.

Ich glaube an einen sauberen Sport. Aber ich glaube ebenso, dass Menschlichkeit, Mitgefühl und Respekt niemals vergessen werden dürfen.“

Karierre Valentina Cavallar

Valentina Cavallar (Geboren am 7. März 2001 in Wien) ist eine österreichische Radsportlerin und ehemalige Ruderin. Während ihrer Ruderkarriere nutzte sie das Radfahren zunächst als Ausgleichstraining und konzentrierte sich später vollständig auf den Radsport. 2023 machte sie mit guten Ergebnissen bei internationalen Rennen auf sich aufmerksam und empfahl sich damit für den Profibereich. In der Saison 2024 fuhr sie für das Team Arkéa-B&B Hotels Women und nahm erstmals an der Tour de France Femmes teil. Dort belegte sie den 22. Platz in der Gesamtwertung und wurde auf der letzten Etappe als kämpferischste Fahrerin ausgezeichnet. Bei der Tour Féminin International des Pyrénées stand sie zweimal auf dem Podium. Seit 2026 steht Cavallar beim Team SD Worx-Protime unter Vertrag. In diesem Jahr beendet sie den Giro d’Italia der Frauen auf dem 9. Gesamtrang und die Vuelta Espana Feminina auf Rag 12.

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Kristian Bauer

Kristian Bauer

Redakteur

Kristian Bauer ist gebürtiger Münchner und liebt Ausdauersport – besonders wenn es in die Berge geht. Er ist ein Fan der Tour de France und bevorzugt solide Rennradtechnik. Er führt für TOUR Interviews, berichtet von Events im Hobbyradsport und schreibt Artikel über die Fahrradbranche sowie Trends im Rennradsport.

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