Robert Kühnen
· 25.07.2026
Noch bis zum 26. Juli messen sich die besten Radsportler der Welt bei der Tour de France. Über Sieg und Niederlage auf den Straßen Frankreichs entscheiden dabei nicht nur die Beine, sondern auch das Material. Das TOUR Tech-Briefing zur 20. Etappe.
Schlussakt Teil 2: Das Ziel ist erneut Alpe d’Huez, allerdings nicht über die bekannten 21 Kehren sondern aus östlicher Richtung über den Col de Sarenne kommend. Von dort sind es noch 14,4 Kilometer wellig bis ins Ziel.
Die 20. Etappe ist die schwierigste der ganzen Tour. 5650 Höhenmeter sind zu erklettern. Damit hat die Etappe das Potential, das Klassement durcheinander zu wirbeln. In der Mitte wartet das Dach der Tour, der Col du Galibier, 2631 Meter hoch. 35 Kilometer Anstieg am Stück müssen die Fahrer bewältigen und dabei ziemlich dünne Luft atmen.
Wer heute einen schlechten Tag hat, kann viele Minuten Rückstand kassieren bevor der Schlussanstieg überhaupt erreicht wird.
Wir erwarten den finalen Kampf ums Gesamtklassement. Das Podium sollte nach dem Zieleinlauf feststehen.
Wer hat materialmäßig die besten Karten, wenn es schon am Galibier zum Kampf der Chefs untereinander kommt?
Wir simulieren eine Heldentat, eine Attacke gleich unten zum Beginn des Col du Télégraphe, 95 Kilometer vor dem Ziel.
Welches Bike wäre dafür das richtige? Leicht oder Aero? Kennst du die Antwort?
Das Rad-Podium der 95-Kilometer-Flucht:
Platz 2: Specialized Tarmac SL9
Platz 3: Colnago Y1Rs
20 Sekunden beträgt der Vorsprung des Cervelo S5 auf das zweitplatzierte Tarmac SL9. Aero-Bike schlägt Allrounder auf der härtesten Bergetappe der Tour!
Welches Rad zuerst in Alpe d’Huez einfährt, wird allerdings am Fahrer liegen.
Das (fast) vollständige Feld im Überblick*:
Basierend auf den eigenen Windkanaltests stellen wir Simulationsberechnungen für das Tour de France Tech-Briefing an. So testet TOUR: Aero-Rennrad-Test im Windkanal.
Wir gehen dabei der Frage nach, welche Räder in welcher Situation einen technischen Vorteil bieten können. Variablen, die wir in der Simulation beeinflussen können, sind Radgewicht, Fahrergewicht, Trägheit der Laufräder, Luftwiderstandsbeiwert, Rollwiderstandsbeiwert und die Effizienz des Antriebsstrangs.
Für die Modellierung der Fahrzeiten setzen wir realistische Leistungen und Gewichte für die Fahrer an, kombinieren sie mit unseren Windkanaldaten und lassen die Fahrer virtuell über ausgesuchte Streckenabschnitte rasen, die wir aus den offiziellen Streckendaten extrahieren; zentral sind dazu die abgeleiteten Höhenprofile. Zur Modellierung gehören auch Kurven, die wir realistisch anbremsen können und einstellbare Powerprofile für verschiedene Fahrertypen. So unterscheiden wir zwischen Antritten am Berg und richtigen Endspurts. In der Summe macht dies die Simulierung realitätsnah. Was wir nicht abbilden können, sind fahrdynamische Effekte wie das individuelle Verhalten der Räder auf verschiedenen Untergründen.
Die ermittelten Fahrzeiten für die rennentscheidenden Streckenabschnitte machen den Einfluss der Räder sichtbar – unter der Voraussetzung, dass die Fahrer sich in einem Szenario immer gleich verhalten.

Redakteur
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