Leon Weidner
· 22.10.2026
Am 30. Juli 2027 startet die Tour de France Femmes in Leeds, zum ersten Mal in Großbritannien. Wohin es danach in Frankreich geht und wo Demi Vollering ihren dritten Tour-Sieg holen will, verrieten die Veranstalter in Paris bei der offiziellen Streckenvorstellung.
Vier Wochen nach den Männern sind die Frauen an der Reihe, und auch ihre Tour beginnt auf der Insel. Die sechste Ausgabe der Tour de France Femmes startet am 30. Juli in Leeds. Erstmals beginnen damit beide Rennen im selben Land außerhalb Frankreichs. Schon der Auftakt hat es in sich: Die zweite Etappe durch den Peak District könnte laut Renndirektorin Marion Rousse die schwerste werden, die es bei einem Grand Départ je gab. Danach folgt in London das erste Mannschaftszeitfahren der Renngeschichte. Titelverteidigerin ist Demi Vollering, die 2026 als erste Fahrerin die moderne Tour zum zweiten Mal gewann. Was sie und ihre Konkurrentinnen bis zum Finale am 7. August erwartet, verrät die neue Strecke.
Höhepunkt der Tour de France Femmes 2027 ist der Puy de Dôme. Die Straße auf den erloschenen Vulkan bei Clermont-Ferrand windet sich in einer Spirale zum Gipfel, auf den letzten Kilometern mit rund zwölf Prozent Steigung. Berühmt wurde der Berg am 12. Juli 1964. Damals fuhren Jacques Anquetil und Raymond Poulidor Schulter an Schulter hinauf, Anquetil innen an der Felswand, Poulidor außen am Abgrund. Erst kurz vor dem Gipfel konnte sich Poulidor lösen und nahm Anquetil 42 Sekunden ab. Für das Gelbe Trikot reichte das aber nicht, und Anquetil gewann in Paris seine fünfte Tour. Für 2027 können wir also ein solches Duell erneut erwarten. Hier wird die Tour de France Femmes entschieden.
Los geht es für die Tour de France der Frauen in Leeds. Wie auch die Männer, gibt es drei Etappen in Großbritannien, bevor in Frankreich die weiteren Etappen gefahren werden. Mit der Côte de Meltham steht genau zur Hälfte der Etappe die erste Herausforderung für das Feld an. Mit 8,4 Prozent auf 3,2 Kilometern tut der Anstieg den Sprinterinnen das erste Mal richtig weh. Um sie alle loszuwerden dürfte das jedoch nicht reichen. Aber: Ausreißerinnen haben hier trotzdem ihre erste Chance. Mit 86 Kilometern ist der Auftakt allerdings alles andere als lang, weshalb ein Sprint aus einem leicht dezimierten Peloton am wahrscheinlichsten erscheint.
Das zweite Teilstück führt die Fahrerinnen von Manchester nach Sheffield. Ein sehr hügeliger Kurs mit viel Auf und Ab. Nur sechs Kilometer vor dem Ziel wartet mit der Côte de Jenkin Road auf 800 Metern mit 10,8 Prozent ein fieser Stich. Für antrittsstarke Klassikerspezialistinnen ein Traum. Aber auch die Favoritinnen könnten hier das erste Mal Vollgas geben. Abstände sind jedoch nicht zu erwarten. Ein Sprint aus einer Gruppe heraus dürfte das wahrscheinlichste Szenario sein, auch wenn Ausreißerinnen abermals dem Peloton ein Schnippchen schlagen könnten.
Es geht in die Hauptstadt. In London wird das erste Teamzeitfahren der Tour de France Geschichte der Frauen ausgetragen. Fast flach wird hier auf 18 Kilometern das Team der Favoritinnen eine besonders große Rolle spielen. Wer hier erste Sekunden, oder sogar Minuten sammeln kann, setzt bereits mit einem Vorsprung nach Frankreich über.
Der Start in Frankreich führt von Le Touquet-Paris-Plage nach Calais. 123 Kilometer auf erneut welligem Terrain. Fünf kategorisierte Anstiege mit allesamt knapp einem Kilometer Länge. Die Steigungsprozente bewegen sich um die sieben bis acht Prozent. Die Sprinterinnen wollen hier in jedem Falle die Etappe unter sich ausmachen.
Von Neufchâtel-en-Bray nach Magnanville heißt der Speiseplan für den fünften Abschnitt. Acht Anstiege, mit sechs auf den letzten 50 Kilometern der 161 Kilometer langen Strecke. Erneut alle einen bis zwei Kilometer lang, jedoch mit teilweise über 10% Steigung. Auch das Finale ist ansteigend. Das ist eindeutig etwas für Klassikerfahrerinnen oder bereits die Klassementfahrerinnen.
Flach ist das Motto der sechsten Etappe. Hier gibt es auf 138 Kilometern zwischen Orléans und Bourges keine nennenswerten Hindernisse. Die Kontrolle des Feldes dürfte hier die Ausreißerinnen im Zaum halten und auf einen Massensprint hinauslaufen.
La Loge des Gardes heißt das Ziel der siebten Etappe. Von Nevers aus geht es auf 155 Kilometern zu dem schweren Anstieg. 6,7 Kilometer bei 7,1 Prozent heißt die große Tagesaufgabe am Ende der Etappe. Zuvor geht es die meiste Zeit auf flachen Straßen in Richtung der Bergankunft.
Nach dem schweren Bergfinale der siebten Etappe, geht es auf dem achten Teilstück auch anspruchsvoll weiter. Sechs kategorisierte Anstiege allesamt zwischen 5 und 6,5 Prozent im Schnitt, lassen die Beine müde werden. An diesem Tag geht es pausenlos hoch oder runter.
Das große Finale der Tour de France 2027 der Frauen heißt Puy de Dôme. Sieben Bergwertungen gilt es zuvor schon zu bezwingen auf der neunten Etappe zwischen Clermont-Ferrand und dem Puy de Dôme. Warm dürfte es den Fahrerinnen also schon sein, wenn sie zum Scharfrichter der Frankreich-Rundfahrt kommen. 11,3 Kilometer und 7,8 Prozent im Mittel sind kein Kinderspiel. Die Gesamtsiegerin steht am Ende dieser Etappe fest, vielleicht ein und dieselbe Fahrerin.
Mit dem Puy de Dôme als Schlusspunkt haben die Organisatoren die Dramaturgie klar gesetzt: Die schwerste Aufgabe wartet ganz am Ende. Wer die Tour gewinnen will, muss sich die Kräfte bis zum letzten Tag einteilen, denn am Vulkan kann sich die Gesamtwertung noch einmal komplett drehen. Ein Wermutstropfen bleibt dennoch. Wie schon im Vorjahr umfasst die Tour de France Femmes nur neun Etappen. Nachdem das Rennen seit seinem Neustart 2022 Jahr für Jahr gewachsen ist, gibt es 2027 keine zusätzliche Etappe. Der Schritt zu einer längeren Frauen-Tour muss also mindestens noch ein Jahr warten.

Redakteur
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.