Den Tourmalet und Alpe d’Huez hatten die Frauen bereits bei vorangegangenen Austragungen im Programm, ebenso den Col de la Madeleine, Le Markstein oder die Planche des Belles Filles. Bei der 5. Austragung der Tour de France Femmes steht nun ein weiterer legendärer Anstieg auf dem Plan: der Mont Ventoux.
Der “Riese der Provence”, der “Große Kahle” mit seinen knapp 2000 Metern ist das unbestrittene Highlight dieser Ausgabe. Auf der 7. Etappe überstrahlt er alle anderen Anstiege, die auf anderen Etappen keinesfalls komplett zu vernachlässigen wären, um Längen. Dabei sind mit dem Col de la Grande Limite und dem Col de Suzette zwei Berge der 2. Kategorie dabei. Viel schwieriger war es im Lauf der Rundfahrt bisher nicht.
Der Tag, der es auf insgesamt 3500 Höhenmeter bei 147 Kilometern bringt, beginnt in La Voulte-sur-Rhône unweit des Etappenziels vom Vortag und führt dabei zunächst lange Richtung Süden. Nach knapp 14 Kilometern wartet die erste Bergwertung, die zweite nach 41, die dritte nach 105. Rund 1500 Höhenmeter sind bis dahin schon gemacht. Doch erst jetzt beginnt der Tag so wirklich. Denn die Strecke fährt ein in die Provenzalischen Voralpen und nimmt Kurs auf den Ventoux, der schon den ganzen Tag über im Sichtfeld der Fahrerinnen steht.
Der Parcours führt zunächst durch Malaucène. Dort beginnt die Westauffahrt auf den Ventoux. Doch das Feld lässt sie links liegen, fährt noch ein paar Kilometer weiter nach Bédoin und nimmt die etwas schwierigere Südauffahrt in Angriff. 15,7 Kilometer und im Schnitt 8,8 Prozent warten auf die Frauen. Der Anstieg ist dabei relativ gleichmäßig, nur rund ums Chalet Reynard zu Beginn des letzten Drittels ist es kurz etwas flacher.
127 Kilometer Vorgeplänkel für das große Finale: Es ist nicht auszuschließen, dass auf dem Weg bis zum Ventoux überhaupt nichts passiert. Einen Bonussprint für wertvolle Sekunden gibt es auf dieser Etappe nicht, der Zwischensprint ist angesichts der Übermacht von Lorena Wiebes (SD Worx - Protime) beim Kampf um das Grüne Trikot kein lohnenswertes Ziel. Das Bergtrikot sitzt derweil relativ sicher auf den Schultern von Puck Pieterse (Fenix-Premier Tech).
Ein Ausreißersieg ist im Grunde ausgeschlossen. Die Favoritinnen werden vor dem entscheidenden Anstieg nichts unternehmen, alle anderen zusehen, keine Kräfte zu verschleudern. Denn gerade für Fahrerinnen aus den kleineren Teams - das Leistungsgefälle im Frauen-Peloton ist immer noch verhältnismäßig groß - könnte der Ventoux ohnehin das Ende der Rundfahrt bedeuten, denn die Karenzzeit könnte hier zu einem ernstzunehmenden Faktor werden. Gerade dann, wenn sich keine Gruppe findet, das Tempo niedrig ist und vielleicht doch schon jemand am ersten Berg abgehängt wird.
Am Ventoux selbst sprechen dann nur noch die Beine. Und die scheinen vor allem bei Demi Vollering (FDJ United - SUEZ) in ausgezeichneter Form zu sein. Die Niederländerin ist die Top-Favoritin auf den Sieg, auch wenn vor allem Pauline Ferrand-Prévot (Team Visma | Lease a Bike) nach ihrem schwachen Zeitfahren und dem Zeitverlust im Beaujolais unter Zugzwang steht und auf der Etappe, die ihr am meisten liegt, zwingend Boden gutmachen muss. Dafür dürfte ein gewisses Risiko notwendig sein, sprich eine frühe Attacke. Vollering jedoch hat auch das deutlich stärkere Team, kann die Französin gerade bei einem frühen Vorstoß jagen lassen.
Wer am Ende auch gewinnt: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es eine Solosiegerin sein wird. Auch dahinter ist die Chance groß, dass es kaum Gruppen geben wird, jede ihr eigenes Tempo fährt. Große Abstände und ein ziemlich durcheinandergewürfeltes Gesamtklassement sind beinahe garantiert - Vorentscheidungen inklusive.
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.