Sebastian Lindner
· 04.08.2026
Luftlinie sind es keine 25 Kilometer, die zwischen dem Start in Mâcon und dem Ziel der 5. Etappe in Belleville-en-Beaujolais. Entlang der Saône, an der beiden wäre auch die Anzahl der Höhenmeter, die auf der direkten Verbindung liegt, sehr übersichtlich. Doch die A.S.O. will es anders. Sie schickt das Frauen-Peloton über 140 Kilometer mit 2900 Höhenmetern durch das Beaujolais und damit eine der schönsten Weinanbaugebiete Frankreichs.
Südlich vom Burgund geht es wie schon auf dem dritten Teilstück der Rundfahrt direkt in eine Bergwertung (2. Kategorie) - die erste von satten acht Stück. Mit knapp zehn Kilometern ist es gleich der längste Anstieg des Tages. Im weiteren Verlauf der Etappe warten noch zwei weitere Anstiege der 2. Kategorie, drei der 4. Kategorie und zwei der dritten Kategorie.
Das Gros der Bergwertungen und auch der Höhenmeter wartet in der ersten Rennhälfte. Mit dem Mont Brouilly (2. Kategorie) wartet elf Kilometer vor dem Ziel dann aber doch nochmal eine Schwierigkeit. Drei Kilometer mit 7,7 Prozent im Schnitt müssen dort nochmal bewältigt werden. Vor allem die zweite Hälfte bewegt sich dabei fast durchgängig im zweistelligen Bereich. Die letzten Kilometer bis ins Ziel sind dann überwiegend abschüssig.
Obwohl keine der acht Bergwertungen für sich stehend ein besonders bemerkenswertes Hindernis darstellt, macht die Summe der Anstiege den Tag am Ende doch zu einem für die Klassementfahrerinnen. Die erste Hälfte der Etappe ist ein ständiges Auf und Ab, das die Sprinterinnen abschütteln wird. Der Spielverderber für die endschnellen Klassikerfahrerinnen dürfte dann der Mont Brouilly zehn Kilometer vor dem Ende werden.
Die GC-Spitze hat im bisherigen Rennverlauf gezeigt, dass sie bereit ist, auch an kurzen, steilen Anstiegen die Muskeln spielen zu lassen. Mindestens mal zum Testen der Gegnerschaft, im Erfolgsfall aber auch mit dem Willen, durchzuziehen. Die letzten anderthalb Kilometer des Brouilly bringen es im Mittel fast auf zehn Prozent - das reicht locker, um für eine ordentliche Selektion zu sorgen. Das abschüssige Finale bietet dann kaum mehr die Chance, viel Zeit aufzuholen. Wahrscheinlich wird der Tagessieg aus einer kleinen Gruppe im Sprint ermittelt.
Vor allem Kim Le Court (AG Insurance Soudal Team) erwies sich im Laufe der Rundfahrt in ähnlichen Situationen als besonders stark. Da sie im Gesamtklassement letztlich nicht für das Podium in Frage kommen dürfte, könnte die Frau von Mauritius auch im Zeitfahren im Vergleich zur direkten Konkurrenz ein paar Körner sparen, die auf der 5. Etappe möglicherweise entscheiden.
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