TOUR Online
· 15.07.2026
Viele Profis träumen von der Tour de France, doch nicht jeder bekommt seine Chance. Auch einige prominente Fahrer haben die Frankreich-Rundfahrt trotz langer Karriere noch nie bestritten. Eine Übersicht über bekannte Namen ohne Tour-Start.
184 Fahrer haben in Barcelona die 113. Tour de France in Angriff genommen. Für einige von ihnen ist ein Tour-Start inzwischen Routine, für andere geht damit ein Lebenstraum in Erfüllung. Schließlich dürfte sich für manche Fahrer eine Karriere ohne Tour-Start irgendwie unvollkommen anfühlen. Bei maximal acht Startplätzen pro Mannschaft ist ein Einsatz allerdings alles andere als garantiert. Selbst einige renommierte Namen haben auch nach Jahren im Profipeloton noch nie die Tour de France bestritten. Eine Übersicht:
Der Australier gehört zu den Elite-Kletterern im Peloton. Neben vier Etappensiegen gewann er zweimal die Bergwertung der Vuelta a España. Auch den Giro d’Italia bestritt er bereits dreimal. Nur die Tour de France fehlt noch in seiner Vita. Ob Vine in diesem Jahr als Helfer von Tadej Pogacar eingeplant gewesen wäre, ist müßig zu diskutieren: Ein Ellenbogenbruch auf der 2. Etappe des Giro d’Italia nahm ihm jede Chance auf einen Tour-Start. Vor zwei Jahren musste Vine im Juli ebenfalls wegen eines Wirbelbruchs pausieren. Grundsätzlich bringt er alle Fähigkeiten mit, um einen Platz im starken Tour-Aufgebot von UAE Team Emirates zu rechtfertigen. Die Konkurrenz im Team ist jedoch groß, zudem könnte seine hohe Sturzquote intern als Manko gewertet werden. Entsprechend wartet Vine weiter auf sein Tour-Debüt.
In Frankreich gilt Magnier als kommender Star. Diesen Status untermauerte er zuletzt eindrucksvoll mit drei Etappensiegen beim Giro d’Italia. Bereits in der Vorsaison feierte er 19 Tagessiege – eine Bilanz, die in der Jahresbestenliste nur von Tadej Pogacar übertroffen wurde. Umso verwunderlicher ist es, dass ein Franzose mit dem Potenzial Migniers auch im dritten Profijahr nicht zur Tour de France fährt. Würde der Sprinter für ein französisches Team fahren, dann – so ist anzunehmen – wäre sein Tour-Debüt nun fällig. Bei seiner belgischen Mannschaft Soudal Quick-Step gehen die Verantwortlichen die Sache mit Magnier jedoch behutsamer an und setzen bei der Tour vorerst auf Sprinter Tim Merlier. Für Magnier standen stattdessen die Klassiker und der Giro im Fokus. Für 2027 dürfte aber auch Magnier ungeduldig werden, was seine Tour-Premiere angeht.
Ende Juni feierte Hayter in Lincoln seinen vierten Titel bei den britischen Zeitfahrmeisterschaften. Das Meistertrikot darf er jedoch erneut nicht bei der Tour de France präsentieren. Für sein Tour-Debüt fuhr Hayter bislang stets im falschen Team. Bei seinem aktuellen Arbeitgeber Soudal Quick-Step ist Tim Merlier der bevorzugte Sprinter für die Tour – inklusive festem Helferteam. Bei Hayters vorherigem Team INEOS war die Konkurrenz um einen Platz im Tour-Aufgebot zu groß, zudem war sein Profil dort nicht unbedingt gefragt. 2023 stand Hayter zwar auf der Auswahlliste für die Tour, brach sich beim Critérium du Dauphiné kurz zuvor jedoch das Schlüsselbein.
Bei Visma | Lease a Bike gehörte Oomen 2021 und 2022 bei der Vuelta a España zur siegreichen Mannschaft um Primoz Roglic. Für das Tour-Aufgebot des niederländischen Teams reichte es für den bergstarken Oomen allerdings nie. Das gilt auch für seinen aktuellen Arbeitgeber Lidl-Trek, weshalb der 30-Jährige selbst im elften Profijahr noch nie die Frankreich-Rundfahrt bestritten hat. Ob sich das noch ändert, ist fraglich: Seit zwei Jahren stehen in seinem Rennkalender nur noch maximal einwöchige Rundfahrten. 2019 war er für das damalige Team Sunweb hingegen für die Tour de France vorgesehen, brach sich beim Giro d’Italia allerdings die Hüfte.
Der Belgier gehört seit Jahren zu den auffälligen Protagonisten der Frühjahrsklassiker. Dass er durchaus auch Potenzial für Grand Tours mitbringt, bewies De Bondt 2022 mit seinem Etappensieg beim Giro d’Italia aus einer Fluchtgruppe heraus. Trotzdem ist De Bondt eher ein Mann für belgische Eintagesrennen oder kleinere Rundfahrten, die seinen Rennkalender in jeder Saison dominieren. Eine Tour de France hat De Bondt bislang nie bestritten. Ob er diese Lücke mit 34 Jahren künftig noch füllt?
Der Brite erlebte ein starkes Frühjahr mit vier Sprintsiegen. Im Prinzip hätte für Vernon in diesem Jahr die Tour de France im Kalender stehen sollen. Doch im Winter verpflichtete die Teamleitung Biniam Girmay – und brachte damit die interne Sprinterhierarchie durcheinander. Vernon bestritt daraufhin im Mai den Giro d’Italia, allerdings ohne den ganz großen Erfolg. Vernon befindet sich in seinem letzten Vertragsjahr bei NSN, ein Abschied erscheint daher denkbar – womöglich auch mit Blick darauf, künftig als Sprintkapitän seine Tour-Premiere zu geben.
Womöglich liegt einem Italiener der Giro d’Italia dann doch näher als die Tour de France. Zumindest nahm Scaroni seine Heimat-Rundfahrt jedes Jahr in Angriff, seit er 2023 das Astana-Trikot trägt. 2025 gewann er in Italien die Bergankunft in San Valentino, außerdem belegte er in jenem Jahr Platz zwei in der Bergwertung. Mit seiner offensiven Fahrweise bringt er gewiss auch Potenzial für die Tour mit und wäre eine vielversprechende Option für Astana in Frankreich. Doch bislang sahen Scaronis Saisonpläne stets andere Rennen vor.
Der 23-Jährige kam einst mit riesigen Vorschusslorbeeren in den Profibereich. Dass er auch im sechsten Profijahr weiterhin ohne Start bei der Tour de France ist, hat indes seine Gründe: Beim damaligen Team DSM fand Brenner ab 2021 in seinen ersten Profijahren zunächst nicht das erhoffte Umfeld, um sich zu entwickeln. Bei Tudor kamen ab 2024 dann die Ergebnisse – inklusive des deutschen Meistertitels. Dennoch sollte Brenner kontinuierlich aufgebaut werden. 2025 stürzte er beim Giro d’Italia schwer und brauchte Monate, um wieder zu genesen. 2026 ist nun dazu auserkoren, wieder Fuß zu fassen. Die Tour de France ist daher noch eine Nummer zu groß.
Der Brite geht in dieser Saison in sein siebtes Profijahr. Grand Tours fanden sich bislang nur selten in seinem Rennplan – weder zuvor bei INEOS noch nun bei Visma | Lease a Bike: 2022 nahm er am Giro d’Italia teil, im Vorjahr dann an der Vuelta a España. Für dieses Jahr stand Tulett derweil auf der Auswahlliste der niederländischen Equipe für die Tour, wie er zu Jahresbeginn berichtete. Letztlich erhielt er aber keine Nominierung. Seine gute Form im Frühjahr bewies er jedoch mit zwei dritten Plätzen bei Eschborn-Frankfurt und dem Flèche Wallonne. Tulett soll später im Jahr die Spanien-Rundfahrt bestreiten.
Seit 2019 gehört der Kolumbianer zu UAE Team Emirates und ist damit einer der dienstältesten Fahrer im Kader. Einen Platz im Tour-Aufgebot der Mannschaft hat ihm das allerdings bis heute nicht eingebracht. Das liegt vor allem an der Ausrichtung des Teams: Seit 2020 dreht sich bei UAE alles um den Tour-Sieg von Tadej Pogacar. Ein Sprinter wie Molano ist daher im Aufgebot nicht gefragt. Solange Molano für UAE fährt, dürfte ihm ein Debüt bei der Frankreich-Rundfahrt verwehrt bleiben. Immerhin kommt er auf insgesamt neun Starts beim Giro d’Italia und der Vuelta a España. In Spanien gewann er 2022 und 2023 jeweils eine Etappe.
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.