Leon Weidner
· 22.10.2026
Seit Monaten ist bekannt, wo die Tour de France 2027 beginnt. Jetzt steht auch fest, wohin sie danach führt. Die 114. Ausgabe startet am 2. Juli in Edinburgh, und erstmals rollt das Peloton durch Schottland und Wales, bevor die Tour nach drei Etappen auf britischem Boden nach Frankreich übersetzt. Bis zum 25. Juli geht es durch Hügel, Hochgebirge und gegen die Uhr. Im Mittelpunkt steht dabei ein Mann, der Geschichte schreiben könnte: Mit einem sechsten Gesamtsieg würde Tadej Pogačar zum alleinigen Rekordsieger der Tour werden. Ob ihm die Strecke dabei hilft oder ob sie seinen Herausforderern neue Chancen eröffnet, zeigt der Blick auf die 21 Etappen.
Bei den Männern steht ein Klassiker der Pyrenäen im Mittelpunkt. Auf der Königsetappe führt der Weg erst über den Col du Tourmalet, den meistbefahrenen Pass der Tour-Geschichte, und danach noch hinauf zum Col du Portet. Mit seinem Gipfel auf über 2200 Metern gehört der Portet zu den höchsten Bergankünften der Pyrenäen und ist für Tadej Pogačar bestens bekannt: 2021 gewann er dort und baute seinen Vorsprung im Gelben Trikot aus. Ähnlich gute Erinnerungen hat er an das zweite große Highlight, den Grand Colombier im Jura. 2020 setzte er sich dort im Sprint gegen Primož Roglič durch, wenige Tage bevor er sich im Zeitfahren zur Planche des Belles Filles das Gelbe Trikot holte.
Gegen die Uhr wird es 2027 gleich zweimal ernst. Mit zwei Einzelzeitfahren bekommen die starken Zeitfahrer unter den Klassementfahrern die Möglichkeit, Zeit gutzumachen, die sie in den Bergen womöglich verlieren. Davon dürfte vor allem Remco Evenepoel profitieren. Auf ein Finale ohne Spannung müssen sich die Zuschauer dabei nicht einstellen. Entgegen einiger Gerüchte führt die Schlussetappe in Paris erneut dreimal hinauf zum Montmartre. Nach der Premiere 2024, als Wout van Aert dort im Regen Pogačar abhängte und die Etappe gewann, sowie dem knappen Triumph von Mathieu van der Poel in diesem Jahr, bleibt das Spektakel in der französischen Hauptstadt also erhalten.
Wo genau die Entscheidung über den Gesamtsieg fallen könnte und welche Etappen dazwischen für Überraschungen sorgen können, zeigen die Höhenprofile aller 21 Etappen.
Der Startschuss der Tour de France 2027 fällt in Edinburgh. Großbritannien ist damit bereits zum fünften Mal Teil der Tour de France. Für die Profis gibt es im Gegensatz zu der Tour der Frauen, die ebenfalls in Großbritannien startet, keine gemütliche Etappe zum einrollen. Über 184 Kilometer geht es für das Peloton bis nach Carlisle, davon die meiste Zeit über schottische Straßen. Erst ganz am Ende führt die Strecke über die Grenze nach England. Für die Sprinter gilt es hier direkt voll da zu sein.
Am zweiten Tag der Tour de France 2027 wird es direkt lang. Ganze 223 Kilometer liegen zwischen Keswick und Liverpool, davon alle in England. Fünf Bergwertungen mit nicht allzu langen Anstiegen müssen bewältigt werden, insgesamt dürfte es aber auch an diesem Tag auf einen Massensprint hinauslaufen. Die Ausreißer sind jedoch nicht chancenlos, vor allem wenn der Wind eine Rolle spielt.
Der dritte und letzte Tag auf der Insel wird deutlich hügeliger als die beiden Etappen zuvor. Erneut müssen 223 Kilometer gefahren werden, mit einigen giftigen Rampen bis zu 11 Prozent Steigung. Von Welshpool nach Cardiff werden die zu fahrenden Kilometer ausschließlich auf walisischem Boden zurückgelegt. Klassikerfahrer dürfen sich diese Etappe bereits im Kalender anstreichen, zumal nur 13 Kilometer vor dem Ziel die Côte de Caerffili ansteht. 2 Kilometer und 8,1 Prozent tut den meisten Fahrern des Feldes noch einmal richtig weh.
Nach dem Auftakt in Großbritannien geht es, mit einem Ruhetag dazwischen, in Frankreich weiter. In Cherbourg-en-Cotentin liegen sowohl Start, als auch Ziel. 171 Kilometer auf leicht welligem Terrain bedeuten lange Zeit keine großen Schwierigkeiten. Allerdings gibt es kurz vor dem Ziel eine knackige Rampe und auch zum Ziel selbst geht es bergauf. Für Sprinter die ansteigende Ankünfte mögen, ist das eine perfekte Etappe.
Am zweiten Tag auf dem europäischen Festland verläuft die Etappe von Pontorson nach Plumelec über 178 Kilometer und im Osten Frankreichs. Wie am Vortag ist es ein eher flacher Parcours mit einem kurzen Anstieg wenige Kilometer vor dem Ziel, sowie einer ansteigenden Zielankunft.
Wenn es an den beiden Vortagen schon flach war, wird es jetzt noch flacher. Ein Tag der mit nahezu an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in einem Massensprint endet. 193 flache Kilometer liegen zwischen Vannes und Angers. Vannes liegt dabei in unmittelbarer Nähe zu Plumelec, dem Zielort der vorherigen Etappe. Für die Fahrer bedeutet das eine Nacht mehr in der selben Unterkunft, was definitiv mehr Erholung mit sich bringt.
In der geografischen Mitte des Lande müssen die Profis das erste Mal im Kampf gegen die Uhr ran. Die siebte Etappe führt von Blois nach Chambord und misst 38 Kilometer. Höhenmeter sind hier Fehlanzeige, in sehr seichten Wellen gilt es jedes Watt zu sparen. Die Zeitfahrspezialisten machen diese Etappe unter sich aus.
Von Bourges nach Le Creusot. Das ist die längste Etappe der Tour de France 2027 mit ganzen 224,5 Kilometern. Die zwei Bergwertungen des Tages warten auf das Feld auf den letzten 35 Kilometern. Dieses Teilstück ist prädestiniert für eine lange Flucht, am Ende brauchen die Ausreißer aber einen großen Motor, um nicht doch noch kurz vor dem Ziel eingesammelt zu werden.
Im südlichen Jura liegt der Grand Colombier, ein Berg der bereits zweimal als Zielankunft einer Tour-Etappe diente. Gestartet wird die neunte Etappe in Villars-les-Dombes, die ersten Kilometer sind zum Einrollen flach. Danach geht es aber gehörig los. Nach drei Bergwertungen die bereits anspruchsvoll sind, warten 17,4 Kilometer bei 7,1 Prozent Kletterspaß auf die Profis. Nach dem Zeitfahren am Freitag zwei Tage zuvor, wird diese Etappe über 162 Kilometer der erste echte Gradmesser für die Favoriten auf den Gesamtsieg.
Nach einem Ruhetag, den vermutlich viele aus dem Feld nötig hatten, wird am Dienstag in Annecy gestartet. Das Peloton arbeitet sich bis ganz in den Westen des Landes vor, dabei stehen sechs Anstiege auf dem Plan, die alle ordentliche Prozente mitbringen. Heraus sticht dabei der Montée de Brison mit 5 Kilometern und 10,2 Prozent. Da er aber noch in der ertsen Hälfte der Etappe über 171 Kilometer liegt, dürfte es für die Favoriten keine riesigen Abstände geben. Die vier Bergwertungen im letzten Drittel laden mit Steigungswerten zwischen 7,5 und zweimal 9,4 Prozent jedoch zum Attackieren ein. Die Côte de Domancy, zu der die 9,4 Prozent gehören, steht regelmäßig im Programm der Tour de France und Tour Auvergne - Rhône-Alpes. Die Fahrer befinden sich dabei im berühmten Département Haute-Savoie.
Auch am Tag darauf bleibt es anspruchsvoll. Früh im Rennen steht der Col de la Colombière und der Col de la Croix Fry an. Zur Hälfte der Etappe wird es etwas weniger bergig, das Finale verlangt den Rennfahrern aber wiederum alles ab. Der Col du Pré und Montée de Bisanne sind beide über 12 Kilometer lang und haben knapp unter (Col du Pré), sowie knapp über (Montée de Bisanne) 8 Prozent im Schnitt. Ziel ist nach 150 Kilometern in Les Saisies. Dortin müssen die Fahrer nach der Überfahrt über den Montée de Bisanne jedoch noch kommen. Eine kurze Abfahrt und ein ebenso kurzer Gegenanstieg müssen noch zurückgelegt werden.
Chambéry war auch schon 2026 Etappenort bei der Tour de France. Ohne kategorisierte Anstiege verläuft der erste Teil leicht Auf und Ab, die zweite Hälfte der 162 Kilometer sind in der Tendenz abfallend. Nach zähen Tagen im Gebirge heißt das für die endschnellsten Männer des Peloton, dass endlich wieder ein Massensprint ansteht.
Und weil es so schön war, gibt es am folgenden Tag, auf der 13. Etappe, direkt noch eine Gelegenheit für die Sprinter. Zwischen Aubenas und Montpellier gibt es keine nennenswerten Hürden.
In Montpellier startet am 14. Renntag auch die nächste Etappe. Ausreißer dürften auf diesem Teilstück ihre Chance wittern. Allerdings stehen ihnen echte Aufgaben im Weg zum Sieg. Zur Halbzeit der 199 Kilometer der Etappe muss der Col de la Lusette bezwungen werden. Bei 11,6 Kilometern und 7,3 Prozent, ist das kein Leichtgewicht. Kurz vor dem Ziel steht dann noch die Côte de l’Estrade und die Côte de la Croix Neuve im Weg. Vor allem Zweite dürfte über den Etappensieg entscheiden, da sie knapp über 10 Prozent im Mittel misst und drei Kilometer lang ist. Auch für die Gesamtklassementfahrer wird das spannend. Hier könnten einige Kandidaten Attacken setzen.
Von Rodez nach Albi gibt es ein weiteres Mal auf 168 Kilometern keine großen Herausforderungen. So ganz flach ist es trotzdem nicht. Ein ständiges Hoch und Runter prägt den Tag durch die Region Ségala, eine Hochebene. Nochmals sind hier die Sprinter gefragt.
Vom Ruhetag geht es sofort zum Einzelzeitfahren. 33 Kilometer mit Start und Ziel in Toulouse sind wieder die Spezialisten gefragt. Bei Kilometer 24 wartet, neben einer ansonsten flachen Strecke, die Côte de Pech David. 800 Meter lang und 12,4 Prozent. Das ist eine echte Ansage, hier bleibt kein Fahrer im Zeitfahrlenker.
Zwischen Muret und Pau liegen 186 Kilometer und keine kategorisierten Anstiege. Die Sprinter haben hier erneut ein großes Interesse daran den Vorsprung der Ausreißergruppe im Rahmen zu halten. Am Ende läuft es wahrscheinlich auf einen Massensprint hinaus.
Nach flachen Etappen und einem Zeitfahren geht es ins Gebirge. Zwei Tage Pyrenäen warten auf das Feld. Nach dem Col du Soulor steht der berüchtigte Col du Tourmalet an. 19 Kilometer und 7,4 Prozent im Mittel sind mehr als nur ein Aufwärmen für das was da noch kommt.
Aber damit nicht genug: nach dem Hourquette d’Ancizan gibt es am Col du Portet eine Bergankunft. 16 Kilometer bei 8,7 Prozent und das bei einer Etappen-Gesamtlänge von 174 Kilometern. Eine Vorentscheidung des Gesamtklassement steht könnte hier bereits fallen.
Auch auf der 19. Etappe geht es noch einmal durch die Pyrenäen. 160 Kilometer insgesamt, darunter der Col de Burdincurutcheta, der Col de Soudet und der Col de Marie Blanque. Letzterer wird hinten raus richtig steil. Kilometer mit über 12 und 13 Prozent warten dort auf die Fahrer. Danach geht es hinunter ins Ziel, wo der Sieger der Tour de France 2027 feststeht.
Denn auf der 20. Etappe ändert sich im Gesamtklassement nichts mehr. Kaum Höhenmeter stehen hier auf dem Plan. Nach 198 Kilometern kommt es wohl ein weiteres Mal zu einem Massensprint.
Die Finale Etappe nach Paris beginnt in Saint-Quentin-Yvelines. Zuerst wird traditionell gemütlich gerollt und mit Champagner angestoßen, im Anschluss geht es auf den Runden in Paris um den letzten Etappensieg. Dreimal wird der Montmartre überfahren, Spektakel ist deshalb vorprogrammiert.

Redakteur
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.