Alpe d’HuezDie Tour-de-France-Entscheidung - oder doch nicht?

Leon Weidner

 · 27.06.2026

Alpe d’Huez: Die Tour-de-France-Entscheidung - oder doch nicht?Foto: Getty Images/Michael Steele
Alpe d’Huez könnte in diesem Jahr das Duell um das Gesamtklassement entscheiden. Das könnte aber auch schon zuvor geschehen sein...
Wird die Tour de France 2026 schon vor Alpe d’Huez entschieden? Pogačars Dominanz, das Mannschaftszeitfahren zum Auftakt und schwere Berg- sowie Zeitfahrprüfungen könnten früh große Abstände schaffen.

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Die Tour de France lebt von ihren Mythen und kaum ein Ort steht so sehr für Drama, Wendungen und legendäre Duelle wie Alpe d’Huez. Wenn auf den Etappen 19 und 20 das berühmte Bergmassiv angesteuert wird, erwarten Fans traditionell die finale Entscheidung im Gesamtklassement. Doch in diesem Jahr deutet einiges darauf hin, dass dieser Moment bei der Frankreich-Rundfahrt womöglich schon deutlich früher gefallen sein könnte.

Pogačar in bestechender Form für Tour de France

Tadej Pogačar präsentiert sich so stark wie nie zuvor. Der Slowene wirkt aktuell in einer Form, die selbst seine größten Konkurrenten vor enorme Probleme stellt. Insbesondere Jonas Vingegaard, sein wohl schärfster Rivale der vergangenen Jahre, scheint derzeit nicht die Mittel zu haben, um konstant mitzuhalten.

Bereits im Vorjahr hatte Pogačar früh ein Ausrufezeichen gesetzt, als er sich nach dem Einzelzeitfahren auf der 5. Etappe einen Vorsprung auf Vingegaard erarbeitete. Ein Szenario, das sich in ähnlicher, womöglich sogar klarerer Form, wiederholen könnte.

Frühe Schlüsselstellen bei Tour de France

Schon der Auftakt der Tour hat es in sich: Das schwere Mannschaftszeitfahren in Barcelona sorgt früh für erste Abstände. Doch die wohl entscheidende erste Nagelprobe folgt bereits auf der 6. Etappe mit dem Col du Tourmalet.

  • 17,1 Kilometer Anstieg
  • 7,3 Prozent durchschnittliche Steigung

Ein Klassiker, der gnadenlos selektiert. Der Schlussanstieg über 18,7 Kilometer mit 3,7 Prozent im Schnitt könnte ein Solo für Tadej Pogačar bedeuten und bietet Raum für taktische Spielchen ebenso wie für weitere Zeitverluste. Hier könnten nicht nur Sekunden, sondern bereits Minutenabstände entstehen. Sollte Pogačar hier seine aktuelle Dominanz ausspielen, könnte er früh ein komfortables Polster herausfahren.

Plateau de Solaison und das Zeitfahren als Verstärker

Die zweite große Vorentscheidung droht im weiteren Rennverlauf. Die 15 Etappe der Tour de France, zum Plateau de Solaison und das anschließende Zeitfahren am Genfer See sind weitere Möglichkeiten um Zeitabstände größer werden zu lassen. Diese Kombination ist prädestiniert dafür, bestehende Unterschiede im Klassement massiv auszubauen. Gerade Pogačar gilt sowohl im Hochgebirge als auch im Zeitfahren als einer der Komplettesten im Feld. Ein Vorsprung im mittleren einstelligen Minutenbereich erscheint daher absolut realistisch. Ein solcher Abstand würde damit die Dynamik der letzten Tourwoche grundlegend verändern.

Alpe d’Huez: Entscheidung oder Zugabe?

Offiziell richtet sich der Fokus weiterhin auf die Etappen 19 und 20 rund um Alpe d’Huez. Doch die Frage drängt sich auf: Ist das Gesamtklassement zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch offen? Natürlich fällt die endgültige Gewissheit über den Toursieger erst dort. Doch die eigentliche Entscheidung könnte längst gefallen sein. Sollte Pogačar bis dahin klar führen, würden die ikonischen Anstiege eher zur Bühne für Angriffe ohne große Erfolgsaussichten im Gesamtklassement. Die Etappen würden damit nicht an Bedeutung verlieren, wohl aber ihren Charakter verändern.

Neue Chancen für Etappenjäger

Ein früh entschiedenes Gesamtklassement bei der Tour de France öffnet gleichzeitig neue Türen. Klassische Kletterspezialisten würde dies besonders freuen, da sie womöglich eine echte Chance auf den Etappensieg bekommen könnten. Man erinnere sich etwa an den spektakulären Erfolg von Valentin Paret-Peintre am Mont Ventoux 2025, ein Beispiel dafür, wie sich Chancen ergeben, wenn die großen Favoriten primär auf das Gesamtklassement schauen. Auch in Alpe d’Huez könnten dann Fahrer gewinnen, die nicht Pogačar oder Vingegaard heißen.

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Leon Weidner

Werkstudent

Leon Philip Weidner ist Kölner, verfolgt den Profi-Radsport intensiv und ist selbst leidenschaftlich auf dem Rennrad unterwegs. Neben langen Kilometern im Sattel des Straßenrads sitzt er auch regelmäßig auf dem Zeitfahrrad – stets mit dem nächsten Triathlon im Blick. Seine Expertise verbindet sportliche Praxis mit Szenewissen.

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