Sebastian Lindner
· 05.07.2026
Zum ersten Mal während dieser Tour sehen die Fahrer Barcelona nur aus der Ferne. Der Startort Granollers liegt 25 Kilometer nördlichen des Zentrums der katalanischen Metropole und geht als stark industriell geprägte Vorstadt durch. Hier beginnt die mit 195,0 Kilometern zweitlängste Etappe der Frankreich-Rundfahrt in diesem Jahr. Sie wird in Frankreich enden, führt aber noch zum großen Teil durch Spanien.
Die Marschrichtung des Tages ist klar: nordwärts Richtung Pyrenäen. Den ersten, hügeligen Vorgeschmack auf das, was noch kommt, gibt es bereits nach 17 Kilometern in Saint Feliu des Codines (3. Kategorie). Insgesamt sind die ersten 30 Kilometer bis Les Comes überwiegend leicht ansteigend. Erst dann bleibt es für eine gute Rennstunde vorwiegend flach. Doch schon vor dem Zwischensprint in Campdevànol (KM 98,4) beginnt das Profil wieder anzusteigen. Höhepunkt wird dabei der Col de Toses, der erste Anstieg der 1. Kategorie der diesjährigen Tour. 9,3 Kilometer bei 6,5 Prozent verschaffen ihm diese Ehre.
Auf der Abfahrt vom Toses wird La Molina durchgefahren - das prominenteste Zeichen dafür, dass die Pyrenäen erreicht sind. Schluss ist hier aber noch nicht. Es geht weiter bergab bis Puigcerda, wo die Grenze zu Frankreich überfahren wird. Vorbei an der spanischen Exklave Llívia ist der Col du Calvaire das nächste Hindernis. Trotz mehr als elf Kilometern länge ist er mit gut vier Prozent Steigung nur ein Anstieg der 3. Kategorie. Knapp 25 Kilometer sind es von dort noch bis ins Tagesziel Les Angles, einen knapp 600 Einwohner großen Wintersportort, etwa zu gleichen Teilen als Ab- und Auffahrt.
In Les Angles auf knapp 1800 Metern über dem Meeresspiegel endet erstmals eine Etappe der Tour. Die letzten neun Kilometer führen bergauf, machen nochmal knapp 300 Höhenmeter. Nur die letzten 1,7 Kilometern als steilstes Stück mit 6,5 Prozent werden als Bergwertung klassifiziert, weshalb es auch hier nur zur 3. Kategorie reicht. Vor dem Teufelslappen warten ein paar Serpentinen, ansonsten geht es ins Ziel zunächst gerade aus, bevor im absoluten Finale ein langgezogener Rechtsbogen die optimale Sicht bei der Zielanfahrt versperrt.
Die Pyrenäen sind schneller erreicht, als es so manchem Fahrer im Tour-Peloton gefallen dürfte. Dafür ist das Gebirge in diesem Jahr insgesamt deutlich weniger schwierig als bei anderen Austragungen. Auch die 3. Etappe dürfte trotz der kleinen Bergankunft nicht reichen, die großen Favoriten auf das Klassement aus der Reserve zu locken.
Ein Etappensieg hier verspricht weder das Prestige aus Barcelona noch die Chance, besonders viel Zeit gutzumachen. Dafür sind alle Anstiege einfach nicht steil genug. Dazu kommt, dass die größte Herausforderung des Tages mit dem Col de Toses zu weit vom Ziel entfernt ist. Kräfte sparen für die entscheidenden Tage dürfte angesagt sein. Somit deutet viel auf eine Chance für die kletterstarken Ausreißer hin, die am Vortag am Montjuïc vielleicht noch nicht zum Zug kamen oder ihre Meister in Tadej Pogacar und Co. fanden.
Lenny Martinez (Bahrain - Victorious) etwa hat angekündigt, nicht aufs Klassement, sondern auf Tagessiege und das Bergtrikot fahren zu wollen. In Les Angles könnte er sein Unterfangen starten.
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