Bei nur 128 Kilometern, die die 19. Etappe mit sich bringt, bleibt nicht viel Zeit zum Anlaufnehmen. Und so geht es auch gleich vom scharfen Start in Gap hoch zur ersten Bergwertung des Tages, dem Col de Bayard (2. Kategorie). Nachdem dort die ersten 300 Höhenmeter des Tages gemacht werden, wartet nach einer kurzen Abfahrt bereits die nächste Prüfung am Col du Noyer (1. Kategorie). Bei einer Länge von 7,2 Kilometern und 8,5 Prozent wird es hier erstmals im Tagesverlauf richtig schwierig.
Für die nächsten 25 Kilometer führt die Strecke dann aber abwärts bis zum Lac du Sautet und nach Corps, hier kreuzt der Parcours den des Vortages; auf der 18. Etappe wurde hier der Zwischensprint ausgetragen. Das passiert dieses Mal 35 Kilometer später in Le Périer auf einem ähnlichen Niveau von rund 900 Metern über dem Meer. Doch steigt das Gelände dort bereits wieder an, da der Col d’Ornon (2. Kategorie) auf die Fahrer wartet. Nach der Passhöhe führt der Weg runter nach Le Bourg d’Oisans.
Und dort beginnt das Finale, denn der kleine 2600-Einwohner-Ort ist das Tor zu einem der legendärsten Anstiege der Tour de France. Über 13,8 Kilometer mit 8,1 Prozent Steigung im Mittel schlängelt sich der Weg über 21 Haarnadelkurven hinauf zum Wintersportort Alpe d’Huez (HC-Kategorie).
Obwohl es durchaus Etappenziele gibt, die deutlich öfter im Programm standen als Alpe d’Huez, das nun zum 32. Mal angefahren wird, gibt es kaum einen Ort, der mythischer ist. Zumindest dann, wenn das Ziel über Le Bourg d’Oisans angefahren wird - so wie auf dieser Etappe. Zuletzt siegten hier zwei Briten, Geraint Thomas (2018) und Tom Pidcock (2022), letzterer sogar als Ausreißer.
Das wird dieses Mal kaum passieren. Tadej Pogacar (UAE Team Emirates - XRG) hat schon viel gewonnen, in Alpe d’Huez aber auch noch nicht. Den legendären Anstieg will auch er in seiner Sammlung haben. Auch wenn sein Team mittlerweile zwar nicht dezimiert, aber doch deutlich geschwächt ist, wird er alles daran legen, hier um den Etappensieg zu fahren, Ausreißer also an der kurzen Leine halten.
Zudem gilt es, einen Rekord zu brechen. Denn die schnellsten 13,8 Kilometer für den Anstieg gehen immer noch auf das Konto von Marco Pantani, 36:50 Minuten gelten als Bestzeit, aufgestellt 1995. Gerade auch die kurze und für Alpe-d’Huez-Verhältnisse auch einfache Etappe sprechen dafür, dass die Marke nach mehr als 30 Jahren fallen dürfte.
Ganz nebenbei geht es hier natürlich auch weiterhin um das Podium der Tour. Remco Evenepoel (Red Bull - BORA - hansgrohe) ist keinesfalls sicher auf Rang zwei, Paul Seixas (Decathlon CMA CGM) und Isaac Del Toro (UAE Team Emirates - XRG) werden sich im Kampf um Weiß weiter gegenseitig zu Höchstleistungen pushen. Und die braucht es auch, um in Alpe d’Huez um die vorderen Platzierungen mitreden zu können.
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