Sebastian Lindner
· 22.07.2026
Voiron, Ziel der vorherigen Teilstücks, ist auch Ausgangspunkt der 18. Etappe zur Skistation Orcières-Merlette auf 1825 Metern über dem Meeresspiegel. Gestartet wird dabei auf 200 Metern, was die Kletterpartie des Tages bereits erahnen lässt.
Die ersten 23 Kilometer des Tages im Tal der Isère sind aber komplett flach. Kurz vor Grenoble verabschiedet sich die Strecke allerdings aus der Ebene und nimmt Kurs auf Saint-Nizier-du-Moucherotte. Die kleine 1000-Einwohner-Gemeinde auf 1170 Metern im Vercors-Gebirge wird über die Côte d’Engins (1. Kategorie). Elfeinhalb Kilometer mit 5,4 Prozent werden für die Bergwertung angegeben, doch der Weg ins Dorf ist noch 16 Kilometer länger. Hintenraus wird es jedoch flacher.
Bei Vif geht es zurück ins Tal und entlang der Drac, die in Monteynard aufgestaut wird. Entlang des Stausees und über die gleichnamige Bergwertung (2. Kategorie) hinweg steigt das Terrain wieder an und bleibt dann auf einem gleichmäßig hohen Niveau für die nächsten rund 70 Kilometer, kleinere Abfahrten und Gegensteigungen eingeschlossen.
Den nächsten größeren Höhengewinn gibt es dann erst wieder im Schlussanstieg hoch nach Orcières, der allerdings wieder deutlich über die eigentliche Bergwertung (1. Kategorie) hinausgeht. Die beginnt sieben Kilometer vor dem Ziel und bringt es auf 6,7 Prozent. Insgesamt steigt das Terrain auf den letzten 20 Kilometern des Tages durchweg an. Zwischen Kilometer 6 und dem Teufelslappen reihen sich Serpentinen aneinander. Die letzten 1000 Meter sind relativ gerade.
Mit Blick auf die noch ausstehenden beiden Bergetappen, die jeweils in Alpe d’Huez enden, ist der Tag mit Ziel in Orcières noch der einfachste. Und deshalb vielleicht auch die letzte Chance für Ausreißer, noch einen Tagessieg zu feiern. Gerade mit dem frühen, punktereichen Anstieg zu Beginn der Etappe ist sie vor allem auch nochmal interessant für alle, die ums Bergtrikot kämpfen und sich mit vergleichsweise wenig Aufwand zehn Punkte sichern wollen.
Aber auch der Kampf um den Tagessieg kann hier im Bereich des Möglichen liegen. Denn obwohl 3900 Höhenmeter auf dem Menü stehen, sind die doch vergleichsweise gut fahrbar. Sie läppern sich über die relativ lange Distanz zusammen, auch der Schlussanstieg ist für einen guten Kletterer, der mit zwei Minuten Vorsprung auf Tadej Pogacar (UAE Team Emirates - XRG) dort ankommt, durchaus machbar, weil eben auch nicht übermäßig steil.
Gefragt sind also vor allem Männer wie Valentin Paret-Peintre (Soudal Quick-Step) oder Richard Carapaz (EF Education - EasyPost), vielleicht aber auch die Berg-Fraktion von Netcompany INEOS um Egal Bernal, Thymen Arensman oder Kevin Vauquelin, die im Gesamtklassement nichts zu verlieren hat.
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.